Am Set.

15. Dezember 2011 bis 29. April 2012

Paris – Babelsberg – Hollywood, 1910 bis 1939

Ausgangspunkt für diese Ausstellung sind zwei Sammlungen: die der Cinémathèque française, die mit über 500.000 Abzügen einen außerordentlich reichen und breit gefächerten Fotobestand besitzt, und die des Cinéphilen und Sammlers Gabriel Depierre (1929–2004). Depierre war seit 1951 Assistent und Freund des Standfotografen Roger Corbeau, dessen Werk im Archiv der Médiathèque de l’architecture et du patrimoine aufbewahrt wird. Neben ihrer hervorragenden fotografischen Qualität besitzen diese Bilder auch einen hohen Informationswert, bezeugen sie doch die spektakulären Veränderungen in der Welt von Film und Kino über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten und in drei verschiedenen Ländern – Frankreich, Deutschland und USA.

Von der handbetriebenen Kurbelkamera in schlichtem Holzgehäuse bis zur gewaltigen Mitchell, die elektrisch betrieben und in eine schallisolierende Hülle gepackt wurde, vergingen nur 30 Jahre. Für die Filmgeschichte aber war diese Zeitspanne wie ein Sprung von der Steinzeit in die Moderne. Auch die Beleuchtung entwickelte sich rasant. Ein Vergleich der Trompe-l’œil-Kulissen aus der Frühzeit des Films mit den verschwenderischen Hollywood-Sets der 1920er und 30er Jahre wirkt geradezu unfassbar, und mit dem Einzug der „Sprechfilme“ im Jahr 1927 erlebten Film und Kino eine weitere radikale Veränderung. Nichts blieb davon verschont, weder Technik noch Ästhetik, und schon gar nicht die Ökonomie.
Die in dieser Ausstellung gezeigten Fotografien sind auch wertvolle Zeugnisse für die Hierarchien auf einem Filmset: wie die Techniker miteinander umgehen und wie Regisseure ihre Teams dirigieren. Manche der Fotos wurden von großen Meistern gemacht: Roger Forster, Raymond Voinquel, Walter Limot, Roger Corbeau oder Sam Lévin in Frankreich; Horst von Harbou, Rudolf Brix, Curt Oertel in Deutschland; George Hurrell, Ruth Harriet Louise, Clarence Sinclair Bull und Laszlo Willinger in den USA. Andere Fotografen werden wohl für immer anonym bleiben. Das Metier des Standfotografen gab es zwar bereits zu Beginn der Filmgeschichte, seine wirkliche Bestimmung aber fand es erst in den 1910er Jahren, einer Zeit, in der die „Filmverlage“ auch Plakate und Kataloge druckten und das Star-System, unterstützt durch eine spezialisierte Presse, aufblühte.

Diese Fotos führen uns direkt ins Herz der Bilderfabriken, in eine Zeit, in der die Kamera mit aufrichtiger Bewunderung als eine „intelligente Maschine“ betrachtet wurde, wie der Regisseur und Theoretiker Jean Epstein es einmal ausdrückte.

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