Museum für Film und Fernsehen
Das Cabinet des Dr. Caligari (D 1920, Regie: Robert Wiene)
Quelle: Deutsche Kinemathek
Du musst Caligari werden! — Das virtuelle Kabinett
13.2.2020–20.4.2020
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Er zählt zu den einflussreichsten Spielfilmen der Filmgeschichte: Das Cabinet des Dr. Caligari (Regie: Robert Wiene) feierte am 26. Februar 1920 im Berliner Kino Marmorhaus Premiere. Anlässlich seines hundertjährigen Jubiläums widmen wir dem expressionistischen Meisterwerk eine Ausstellung.
Ausgehend von der damaligen innovativen Werbekampagne („Du musst Caligari werden!“) schildert die Schau die Produktionsgeschichte dieses frühen Psycho-Thrillers und liefert auf der Grundlage von historischen Modellen und Zeichnungen Rekonstruktionen der spektakulären Sets. Neben der restaurierten Originalversion des Stummfilms ist der VR-Film Der Traum des Cesare ein Highlight der Ausstellung. Der volumetrische Film ermöglicht es Besucher*innen in den dreidimensionalen Raum des Caligari-Films einzutauchen und sich virtuell auf den Sets zu bewegen.
Themen der Ausstellung
Der VR-Film Der Traum des Cesare
Arkadiusz Jakubik bei Dreharbeiten von Der Traum des Cesare (2019)
Der aufwändig produzierte Kurzfilm Der Traum des Cesare ist eine Adaption des Stummfilmklassikers Das Cabinet des Dr. Caligari (D 1920, Regie: Robert Wiene). Der volumetrische Film wurde vom Goethe-Institut Warschau in Auftrag gegeben und 2019 im Volucap Studio in Potsdam-Babelsberg gedreht. Für die inhaltliche Entwicklung des begehbaren Films zeichnen der polnische Filmkurator Krzysztof Stanislawski und damalige UFA-X-Produzent Fabian Mrongowius verantwortlich. Regisseur ist Sebastian Mattukat, Autor ist Floris Asche. Die besondere Technologie zeichnet reale Schauspieler von allen Seiten auf, so dass ihre Hologramme anschließend in einer beliebigen virtuellen Umgebung platziert werden können. Mit Hilfe einer VR-Brille können die Ausstellungs-Besucher*innen in den dreidimensionalen Raum des Films eintauchen, sich frei um die Schauspieler herum bewegen und so das eigene Filmerlebnis aktiv beeinflussen.
Für die VR-Experience standen zwei polnischen Schauspieler vor der Kamera: Arkadiusz Jakubik übernahm die Rolle des Dr. Caligari, das schlafwandelndes Medium Cesare spielte Jakub Gierszal.
Die Werbekampagne „Du musst Caligari werden!"
„Du musst Caligari werden!“, lautete der suggestive Satz, mit dem in Berlin großflächig für den Film geworben wurde – zunächst ohne den Hinweis, dass es sich um einen Film handelt. Der Imperativ des „Du musst“ durchzieht den Expressionismus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Gestaltet wurde die Illustration des Appells mit den zwei expressiv verdrehten Händen von den Grafikern Erich Ludwig Stahl und Otto Arpke, die auch das deutsche Uraufführungsplakat des Films verantworteten. Ein zweites Motiv, das während der Kampagne als Anzeige geschaltet wurde, zeigt den Schriftzug in einer Art „hypnotischem Wirbel“. Für das Hausprogramm des Kinos Marmorhaus gestaltete dessen Grafiker Josef Fenneker einen aufwendigen, ausklappbaren bunten Fächer. Die Werbekampagne von 1920 trug dazu bei, den Mythos des Films zu begründen und wird, wie der Stil des Films, bis heute zitiert.
Der prägende Stil
Das Cabinet des Dr. Caligari (D 1920, Regie: Robert Wiene)
Quelle: Deutsche Kinemathek
Das Cabinet des Dr. Caligari traf 1920 den Zeitgeist und setzte Maßstäbe: Mit verzerrten Perspektiven und grotesken Kostümen imitierte eine Welle sogenannter expressionischer Filme die bewusst anti-realistische, fantastisch-stilisierte Ästhetik des Films. F. W. Murnau griff in Nosferatu (1922) die diffus-bedrohliche Atmosphäre auf und begründete so das Horror-Genre. Die offene Rahmenhandlung in einer Irrenanstalt, die die Erzählung am Ende (möglicherweise) als Wahnvorstellung entlarvt, etablierte Konventionen des Psychothrillers. Mit harten Kontrasten und langen Schlagschatten griff auch der Film Noir Elemente des Stummfilmklassikers auf. Ebenso erwies Tim Burton Dr. Caligari mit dem Gothic-Stil zahlreicher seiner Werke die Reverenz. Überdies war die Gestalt des Cesare stilprägend: Mit schwarzem Rollkragen, Leggins, zerzaustem Haar und Kajalstrich um die Augen schuf Conrad Veidt als Schlafwandler einen ikonischen Look, der bis heute vielfach von Schauspieler*innen und Rockstars zitiert wird.
Das legendäre Filmset
Robert Wiene bei Dekorationsaufnahmen auf der Internationalen Filmkunst Ausstellung 1958 in München
© Ingrid Hasenwinkel, Quelle: Deutsche Kinemathek
Seit den 1950er-Jahren gab es wiederholt Versuche, das legendäre Szenenbild im musealen Kontext zu rekonstruieren. Dabei konnte auf die Expertise des Filmarchitekten Hermann Warm zurückgegriffen werden, der die originalen Dekors zusammen mit Walter Reimann und Walter Röhrig entworfen hatte. Für die Münchner Ausstellung „Internationale Filmkunst“ (1958) und das Musée du Cinéma der Cinémathèque française in Paris baute Warm gemeinsam mit seinem Kollegen Arno Richter Teile der Kulissen annähernd in Originalgröße nach. Für die Deutsche Kinemathek fertigte er Mitte der 1960er-Jahre mehrere Modelle an, die den Aufbau der Sets und ihre Anordnung im Lixie-Atelier in Weißensee veranschaulichen sollten, wo die Dreharbeiten einst stattfanden. Auf Grundlage der damals vorliegenden Filmfassung rekonstruierte er auch seine ursprünglichen Szenenbildentwürfe.
50 Jahre nach der Uraufführung setzte die Deutsche Kinemathek mit der Ausstellung „Caligari und Caligarismus“ (1970) die Auseinandersetzung mit dem Stummfilmklassiker fort und befragte die noch lebenden Zeitzeug*innen. Weitere Ausstellungspräsentationen mit neu entdeckten Dokumenten folgten.
Der Mythos
Werner Krauss in Das Cabinet des Dr. Caligari (D 1920, Regie: Robert Wiene)
Quelle: Deutsche Kinemathek
Die von Mitwirkenden des Films – insbesondere den Drehbuchautoren und den Architekten – verbreiteten Erinnerungen und Anekdoten trugen maßgeblich zur Mythenbildung um Das Cabinet des Dr. Caligari bei. In jüngerer Zeit konnten anhand verschiednener Dokumente viele der Legenden einer kritischen Prüfung unterzogen und in Teilen widerlegt werden.
Die Filmrestaurierungen
Zwischentitel aus Das Cabinet des Dr. Caligari (D 1920, Regie: Robert Wiene)
Quelle: Deutsche Kinemathek
Der Film selbst wurde mehrfach restauriert. Die verbesserten technischen Möglichkeiten und eine neue Quellenlage führten in mehreren Schritten zu der digitalen Fassung von 2014, die wir in der Ausstellung zeigen. Den Ausgangspunkt der Restaurierung unter der Leitung von Anke Wilkening (Friedrich-Wilhelm-Murnau Stiftung) bildet ein gut erhaltenes Kameranegativ aus dem Bundesarchiv-Filmarchiv, dem allerdings der I. Akt fehlte. Dieser wurde aus anderen Kopien ergänzt, die originalen Zwischentitel aus unserem Archiv wurden eingefügt und die farbige Viragierung wieder hergestellt. Auf eine weitergehende digitale Manipulation wurde verzichtet, das Mastering erfolgte in 4K.
Die Originalkomposition von Giuseppe Becce ist verloren gegangen, vier Stücke haben sich jedoch in seiner „Kinothek“, einer Sammlung von Klavierstücken zur Filmbegleitung, erhalten. Junge Komponist*innen vom Institut für Neue Musik an der Musikhochschule Freiburg unter der Leitung von Cornelius Schwehr schufen den neuen Soundtrack in Anlehnung an Becces Begleitmusik. Die Musikfassung entstand in Kooperation mit ZDF und ARTE.
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Brandspuren — Filmplakate aus dem Salzstock
Zur AusstellungFragmente eines Plakats zu Das Cabinet des Dr. Caligari wurden in einem Salzbergwerk in Grasleben gefunden. Erfahren Sie mehr zu den Plakatfunden in unserer Sonderausstellung „Brandspuren“.