Veranstaltungen

Vorträge und Gespräche / Lectures and Discussions

Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen
4. Etage / 4th Floor
Freier Eintritt / No admission fee

 

Freitag / Friday 08.02., 18 Uhr

Luis Buñuel: Die Realität des Imaginären oder: Das Gespenst der Liebe

Petra Castell im Gespräch mit den Autoren des Buches zur Retrospektive Wolfgang Martin Hamdorf, Marion Löhndorf und Gerhard Midding.

Buñuels Filme entstanden aus einer nonkonformistischen Haltung gegenüber der Gesellschaft, der Kirche, der Familie. Sie vertreten keine Ideologien, sondern sind der Reflex eines „vergnügten Pessimisten“ (Truffaut) auf die Ungeheuerlichkeiten des Alltags. Seine Filme sind aufsässig und aufmüpfig, subversiv, skandalös und surreal, unbarmherzig und unsentimental, feinziseliert, sublim und zärtlich. Welche Motive und Themen, Stilmittel und Charaktere sind charakteristisch für Buñuels filmischen Surrealismus? Wo verläuft die Grenze zwischen dem Realen und dem Imaginären? Wie „buñuelesk“ sind seine Frauengestalten?

 

Samstag / Saturday 09.02., 18 Uhr
Jean Epsteins Kino der Beweglichkeit. Ultra-moderne Pionierarbeiten zur Film- und Kinotheorie
Ralph Eue (UdK Berlin), Alexander Horwath (Österreichisches Filmmuseum) und Peter Nau (Autor) im Gespräch über den Filmautor und -philosophen Jean Epstein.

Von den Größten des Films ist Jean Epstein (1897-1953) der unbekannteste. Der Ort, den ihm die Standard-Filmgeschichten zuweisen – die französische Avantgarde der 1920er Jahre – ist mit vielen prominenten Namen verknüpft, die den seinen überlagern. Aber die visionäre Energie von Epsteins Schriften und Filmen wird seit einiger Zeit wieder stärker spürbar: Seit er in den Kinobüchern des Philosophen Gilles Deleuze als eine wesentliche Referenz aufgetaucht ist, tritt der Name Epstein allmählich aus dem Schatten und gesellt sich zu denen von Eisenstein, Vertov, Godard oder Pasolini – Autoren, die in ihren Reflexionen über das Kino wie in ihrer künstlerischen Arbeit das moderne Filmdenken miterfunden haben.

Erstmals wird jetzt eine Auswahl von Epsteins Schriften auf Deutsch zugänglich gemacht. Mit „Jean Epstein. Schriften zum Kino“ lädt der Verlag FilmmuseumSynemaPublikationen ein, einen philosophischen Schriftsteller zu entdecken, der mit seinem visionären Denken und funkelnden Schreiben gegenwärtige Topoi im Diskurs zwischen Natur-, Sozial-, Kultur- und Filmwissenschaften um ein Dreivierteljahrhundert vorweggenommen hat.

 

Sonntag / Sunday 10.02., 18 Uhr
De LAS HURDES a TIERRA SIN PAN: de la versión de 1933 a la de 1965
Lesung von Javier Herrera (Filmhistoriker).
Spanisch mit Englischer Übersetzung

Von Luis Buñuels dritter Regiearbeit, dem Dokumentarfilm LAS HURDES / TIERRA SIN PAN, gibt es drei Fassungen: die stumme Version von 1933, die Tonfassung von 1936 und eine Restaurierung von 1965. Unter Berücksichtigung von bisher unbekanntem Material konzentriert sich Javier Herrera auf die Analyse der ersten Fassung des Films und einen Vergleich mit der zweiten. Er untersucht, wie Buñuel mit der Transformation eines realistischen Dokumentarfilms in ein surrealistisches Werk dessen Ausrichtung vollkommen verändert hat: eine konkrete Realität wird auf ein universelles, abstraktes Niveau gehoben. LAS HURDES hat zahlreiche Konventionen des klassischen Dokumentarfilms verändert und war wegweisend in seiner persönlichen, einzigartigen Weltsicht.

In cooperation with Instituto Cervantes Berlin
Freier Eintritt / No admission fee

 

Montag / Monday 11.02., 19.30 Uhr
Instituto Cervantes Berlin, Rosenstr. 18-19, 10178 Berlin
La marca de la guerra: el conflicto español y la evolución del cine de Luis Buñuel
Wolfgang Martin Hamdorf im Gespräch mit Marina Díaz (Filmabteilung Instituto Cervantes) und Javier Herrera (Filmhistoriker).

Der Bürgerkrieg markierte einen folgenschweren Wendepunkt im Leben einer Vielzahl spanischer Intellektueller und Künstler im vergangenen Jahrhundert. Das Gespräch analysiert die persönlichen, beruflichen und künstlerischen Veränderungen, denen Luis Buñuel sich ausgesetzt sah, als sein langdauerndes Exil begann, zunächst in den Vereinigten Staaten, später in Mexiko. Was blieb von dem Surrealisten, was vom Dokumentaristen und was entstand Neues aus dem Ortswechsel?

Spanisch mit deutscher Übersetzung
In Kooperation mit dem Instituto Cervantes Berlin
Freier Eintritt / No admission fee

 

Mittwoch / Wednesday 13.02., 18 Uhr
En hommage à Francesco Rosi
Michel Ciment in conversation with Francesco Rosi.

Der heute 85-jährige Francesco Rosi hat rund 50 Jahre italienischer Filmgeschichte mitgeschrieben. Der renommierte italienische Regisseur reflektiert in seinem Werk kritisch die politischen, wirtschaftlichen und geistigen Entwicklungen Italiens.

Charakteristisch für seine Arbeit ist sein vom Neorealismus geprägter Umgang mit Originalschauplätzen und Laiendarstellern. Er hat mit italienischen und internationalen Stars wie Gian Maria Volonté, Alain Cuny, Philippe Noiret, Rod Steiger und John Turturro gedreht. Für sämtliche Filme zeichnete Rosi – meist im Team mit mehreren Autoren – auch für das Drehbuch verantwortlich und recherchierte selbst für seine investigativen Filme.

Rosis Filme zu hochaktuellen Themen der jüngeren italienischen und europäischen Geschichte lösten oft heftige öffentliche Reaktionen aus. In seinen filmischen (Re-) Konstruktionen authentischer Fälle breitet er Indizien aus und gibt den Ereignissen eine historische Dimension. „Seine Filme überzeugen bis heute mit ihrer explosiven Kraft und gehören zu den Klassikern des politisch engagierten Kinos” (Dieter Kosslick).

Im Gespräch mit dem Filmkritiker Michel Ciment berichtet Francesco Rosi von seiner Arbeit.

French with English translation

 

Donnerstag / Thursday 14.02., 18 Uhr
En mémoire de Luis Buñuel
Peter Fleischmann in conversation with Juan Luis Buñuel and Jean Claude Carrière.

Mit einem rasiermesserscharfen Schnitt durch ein Auge fängt alles an: Im Sommer 1929 hat UN CHIEN ANDALOU in Paris Premiere. Publikum und Kritik sind begeistert vom Debüt des spanischen Regisseurs Luis Buñuel. Sein zweiter Film L’AGE D’OR löst eine Welle der Empörung aus und wird verboten, Film und Regisseur werden als „antiklerikal“ verunglimpft. Im Laufe seiner Karriere wird Luis Buñuel immer wieder mit staatlicher und kirchlicher Zensur zusammentreffen. Die Proteste seiner Gegner umgeben den Regisseur und seine Filme mit einer Aura des Verbotenen und Anrüchigen.

„Buñuel zu klassifizieren ist unmöglich. Seine Größe besteht im Beharren auf seiner individuellen Sicht der Dinge. Er erfand den filmischen Surrealismus, eckte mit sozialkritischen Werken an und erlangte Ruhm mit seinen sarkastischen Porträts der europäischen Bourgeoisie” (Rainer Rother). Enge Arbeitsbeziehungen verbanden ihn besonders mit dem französischen Drehbuchautoren Jean-Claude Carrière. Carrière, auch Autor seiner Autobiographie, und Juan Luis Buñuel, Sohn Buñuels und selbst oder ebenfalls Filmemacher, erinnern sich im Gespräch mit dem Regisseur Peter Fleischmann an den großen Spanier.

French with English translation

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