Werberatschläge

Im Schriftgutarchiv der Deutschen Kinemathek gibt es zurzeit Werberatschläge zu 14.900 Filmen. In digitaler Form liegen Werberatschläge zu 430 Filmen vor (Stand 08/2013). Werberatschläge sind im Schriftgutarchiv Teil der Werbematerial-Konvolute und nach Filmtiteln geordnet.

Werberatschläge, auch Reklameberater oder Propagandahelfer genannt, wurden und werden in der Regel von Verleihfirmen oder in deren Auftrag produziert. Sie richten sich an Kinobesitzer, denen sie mehr oder weniger ausführliche Vorschläge für die Gestaltung einer Werbekampagne liefern und das dafür benötigte Werbematerial anbieten.

Typische Bestandteile von Werberatschlägen sind:
- Textinformationen (Stab- und Besetzungslisten, Inhaltsangaben, Liedtexte)
- Werbetexte (Vorschläge für Pressetexte, Schlagzeilen, Pressestimmen, Pressespiegel)
- Grafik (Plakatmotive, Matern, Frontgestaltung)
- Abbildungen (oft als Aushangmaterial vorgesehen)
- Liste der Werbematerialien, die zusätzlich bestellt werden können (Fotosatz, Plakate, Matern, Handzettel, Programme usw.)

Besonders ausführliche Werberatschläge enthalten zusätzlich:
- Handzettel
- Vorschläge für besondere Werbemaßnahmen
- Hinweise auf sonstige Werbemittel (Noten, Roman zum Film u. Ä.)

Schon Prospekte aus den 1910er-Jahren boten gelegentlich neben der Filmkopie auch Werbematerialien an.

Spezielle Werberatschläge mit ausführlichen Vorschlägen zur Gestaltung einer Kampagne und deren Unterstützung durch verschiedene Werbematerialien lassen sich in Deutschland anhand des Archivbestands der Deutschen Kinemathek mit Beginn der 1920er-Jahre nachweisen. Ein sehr interessantes Exemplar produzierte die Notofilm GmbH für den Film MISS VENUS (Deutschland 1921, Regie: Ludwig Czerny).

Die Notofilm  Zeitung Nr. 1 aus dem November 1921 enthält neben vielen vollständig abgedruckten Rezensionen zum Film auch einen Text von G. E. Götting mit dem Titel „Film-Reklame”, der ausführlich die Notwendigkeit guter Film-Werbung begründet und Beispiele für die Durchführung einer Werbekampagne bietet.

Eine weniger ausführliche Variante eines frühen Werberatschlags liegt zu DAS KOMÖDIANTENKIND (Deutschland 1922, Regie: Fred Sauer) vor. Auf zwei Seiten enthält dieses Blatt alle typischen Bestandteile eines Werberatschlags. Die Seite 1 mit der zweifarbigen Grafik eignet sich auch als Aushangmaterial im Schaukasten oder Foyer.

Einer der derzeit ältesten Werberatschläge im Archiv der Deutschen Kinemathek stammt aus den USA. Er bewirbt den Fox-Film THE TIGER’S CUB (USA 1920, Regie: Charles Giblyn). In Österreich lief der Film unter dem Titel DAS TIGERKIND.

Neben filmografischen Angaben (Stab- und Besetzungslisten, Inhaltsangaben) enthalten Werberatschläge Informationen über die Werbematerialien selbst, die für einen bestimmten Film produziert und angeboten wurden. Hier kann man nachlesen, wie viele Fotos in welchen Größen oder Auflösungen ein Fotosatz enthielt oder welche Plakate zu dem Film es gab. Häufig werden auch die verantwortlichen Grafiker genannt.

Ein detaillierter Werbeplan legt genau fest, welche Werbemaßnahmen wann und wie lange umgesetzt werden sollen.

Neben den Informationen über den Film und die vorgeschlagenen Werbemaßnahmen erlauben Inhalt, Sprache und Gestaltung der Hefte auch Rückschlüsse auf politische, gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Zusammenhänge der Zeit, aus der sie stammen

Wie viele andere Materialien, die unter die Kategorie „Graue Literatur” fallen, können auch Werberatschläge verschiedene Funktionen erfüllen. So sind die Umschläge der Hefte häufig so gestaltet, dass sie auch als Aushangmaterial für Schaukästen in und vor dem Kino verwendet werden können. Collagen aus Text, Abbildungen und Zeichnungen sollen Passanten anlocken. Häufig enthalten sie auch die jeweiligen Plakatmotive in verkleinertem Format.

Heute findet Kinowerbung in größerem Umfang auch über sogenannte sekundäre Werbeträger statt. So erhalten Kinobesitzer regelmäßig auch „Werberatschläge” zur Bestellung von Popcorn-Tüten, beispielsweise zu dem Film SUPERMAN RETURNS (USA 2006, Regie: Bryan Singer).

Häufig wird Werbung im Rahmen von sogenannten „Crossover”-Aktionen durchgeführt. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Firmen ist es möglich, bei Werbekampagnen beispielsweise Preise auszuloben.

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