Eine Frau mit Kopftuch und Kamera befindet sich neben einer Menge von Soldaten.

© Roya Film House

Roya Film House in Exile

Film Restored
Talk
Fr 23.10.26, 15:00

Si̇nema Transtopia

Mit: Alka Sadat und Roya Sadat (beide Roya Film House), Betty Schiel (IFFF Dortmund+Köln) und Elisa Jochum (Deutsche Kinemathek)
 

Roya Film House (RFH) wurde 2003 gegründet, um mit Spielfilmen, Dokumentarfilmen und Fernsehserien auf die Notlage von Frauen in Afghanistan aufmerksam zu machen. Es war das erste in Afghanistan gegründete Filmunternehmen, das von Frauen geführt wurde und auf Frauen ausgerichtet war. Im Laufe der Jahre trug RFH dazu bei, die Wahrnehmung innerhalb der afghanischen Gesellschaft gegenüber Frauen in der Filmbranche zu verändern. Es inspirierte eine neue Generation afghanischer Frauen dazu, in die Bereiche Film, Fernsehen, Journalismus und Kunst einzusteigen. Mit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 wurden alle unabhängigen Initiativen schlagartig unterbunden. Von Frauen geführte Unternehmen wurden geschlossen, und das Filmemachen innerhalb des Landes wurde praktisch unmöglich. Das Team von RFH war gezwungen, ins Exil zu gehen. Ein Großteil des Archivs und der Ausrüstung des Unternehmens blieb in Kabul zurück, was Produktion und Erhalt seiner Arbeiten außerordentlich erschwerte. Trotz dieser Herausforderungen setzt RFH seine Mission auf internationaler Ebene fort – und knüpft weltweit Verbindungen zu Frauennetzwerken, darunter auch zum Internationalen Frauen Film Fest Dortmund+Köln (IFFF). Diese Podiumsdiskussion stellt die Projekte von RFH und seine Strategien für künstlerische Resilienz und kulturellen Widerstand vor – sowie den anhaltenden Glauben daran, dass das Kino Geschichte bewahren, Ungerechtigkeit bekämpfen und denen eine Stimme geben kann, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen.

Diese Präsentation ist eine Kooperationsveranstaltung von Roya Film House (RFH), dem Internationalen Frauen Film Fest Dortmund+Köln (IFFF) und der Deutschen Kinemathek/Festival Film Restored.

In englischer Sprache
Tickets 10 €
Wann Fr 23.10.26, 15:00
Wo
Ab Oktober online und an der Kinokasse erhältlich

Details zur Veranstaltung

Details zur Veranstaltung

Elisa Jochum

ist promovierte Filmwissenschaftlerin und Kulturhistorikerin. Seit 2022 leitet sie das Filmarchiv der Deutschen Kinemathek, inklusive seines Distributions- und Programmbereichs. Als leitende Kuratorin des Filmerbe-Festivals Film Restored ist sie verantwortlich für seine strategische und thematische Ausrichtung sowie das Programm. Seit 2025 ist sie zudem Mitglied des Leitungskomitees der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF). Jochum hält Lehrveranstaltungen an der Filmakademie Baden-Württemberg zu audiovisueller Geschichte und zu Archivierung für die nächste Generation von Filmemacher*innen. Zu vorherigen Arbeits- und Forschungsstationen gehören das Goethe-Institut, die Humboldt-Universität zu Berlin, das University College London und die Yale University.

Alka Sadat

ist eine preisgekrönte afghanische Dokumentarfilmerin. Sie wuchs unter der Herrschaft der Taliban auf und wurde heimlich von ihrer Mutter zu Hause unterrichtet. Ihre Schwester Roya Sadat, eine Wegbereiterin des afghanischen Kinos, regte Alka dazu an, das Filmemachen zu einem Akt des Widerstands zu machen. 2003 gründeten die beiden die Produktionsfirma Roya Film House, Afghanistans erste von Frauen geleitete Filmproduktionsfirma. Ihr Durchbruch gelang Alka Sadat mit ›Dar dekadaye ke naakel aklam minamand‹ (2008), der die Gefahren dokumentiert, denen Aktivistinnen in Afghanistan ausgesetzt sind. Der Film gewann mehrere internationalen Auszeichnungen. Außerdem arbeitete sie mit den Vereinten Nationen zusammen, um die weltweite Aufmerksamkeit auf Menschenrechtsverletzungen zu lenken. 2023 war sie als Drehbuchbetreuerin und Produzentin an Roya Sadats Film ›Ahang-e Sima‹ beteiligt. Mit jedem Projekt durchbricht Sadat weiterhin das Schweigen, stellt Unterdrückung infrage und fordert die Welt dazu heraus, die Wahrheit zu erkennen.

Roya Sadat

ist eine international anerkannte afghanische Filmemacherin. Sie bildete sich selbst heimlich im Untergrund aus, schrieb ihr erstes Drehbuch und lernte das Filmemachen anhand von ins Land geschmuggelten Büchern. 2003 gründete sie mit ihrer Schwester Alka Sadat das Roya Film House, Afghanistans erste von Frauen geleitete Filmproduktionsfirma. Im selben Jahr brachte Roya Sadat ihr Spielfilmdebüt ›Seh Noktah‹ heraus und etablierte sich damit als erste Filmemacherin Afghanistans. 2013 war sie Mitbegründerin des Herat International Women’s Film Festival. Ihr Spielfilm ›Namai ba Rahis Gomhor‹ war 2018 Afghanistans offizielle Einreichung für den Oscar. Als die Taliban 2021 erneut an die Macht kamen, war Sadat gezwungen, ins Exil zu gehen. Davon unbeirrt vollendete sie ›Ahang-e Sima‹ (2024) und ›The Sharp Edge of Peace‹ (2024), zwei ihrer bedeutendsten Filme. Sie wurde mit mehr als fünfzig internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter 2018 mit dem International Women of Courage Award und 2021 mit dem Kim Dae-Jung Nobel Peace Film Award. Das Magazin ›Foreign Policy‹ nahm sie 2017 in die Liste seiner »Top 10 Global ReThinkers« auf, während die BBC sie als eine der hundert inspirierenden und einflussreichen Frauen des Jahres 2021 bezeichnete.

Betty Schiel

schloss 1996 ihr Magisterstudium im Fach Filmwissenschaft ab. Seitdem hat sie feministische Programme und Konzepte für verschiedene internationale Festivals und Institutionen kuratiert, insbesondere das Internationale Frauen Film Fest Dortmund+Köln (IFFF). Zudem war sie am Projekt »Afghanistan Unveiled« beteiligt und verbrachte 2003/04 Zeit in Afghanistan. Sie hat Essays verfasst, unter anderem für ›Kabul/Teheran 1979ff. Filmlandschaften, Städte unter Stress und Migration‹ (2006), und ist Mitherausgeberin von ›Was wir filmten. Filme von ostdeutschen Regisseurinnen nach 1990‹ (2021). Schiel gestaltet gemeinschaftliche Filmprojekte, ist Mitglied des Transnationalen Ensembles Labsa (Gewinner des LWL-Crossoverpreises 2026) sowie Mitbegründerin des Festivals Future Now in Wuppertal und der NGO Ost-West-AG.

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Über Film Restored

2026 widmet sich das Filmerbe-Festival der Deutschen Kinemathek den Risiken im Kino. Es blickt auf Wagnisse bei der Produktion und Verbreitung von Filmen, auf Gefahren im Archiv und bei Restaurierungen sowie auf Filme über Menschen, für die alles auf dem Spiel steht – Risikoebenen, die oft zusammen auftreten und sich gegenseitig bedingen.

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