Risking the Archive. Film Heritage and the Aesthetic Virtue of Challenging Norms
Kinemathek – Halle
Keynote-Vortrag
Mit: Vinzenz Hediger (Cinematèque suisse)
In der modernen ›westlichen‹ Welt werden Kunstwerke wegen ihrer Neuartigkeit und ihrer Originalität geschätzt – verbunden mit dem Risiko, das Künstler*innen eingehen, wenn sie ästhetische und damit auch gesellschaftliche Normen infrage stellen. Wie es der Universalgelehrte John Ruskin bereits im 19. Jahrhundert formulierte: Geschmack ist keine Frage der Moral – er ist die einzige Moral.
Inwieweit werden Archivierungspraktiken geprägt vom weit verbreiteten Konzept des Risikos als ästhetische Tugend? Stellt diese Einstellung zum Risiko einen beengenden oder, ganz im Gegenteil, einen befreienden Rahmen für Archivierungspraktiken dar? Führt sie dazu, dass Werke der historischen Avantgarde gegenüber anderen Teilen des Filmerbes bevorzugt behandelt werden? Oder eröffnet sie Freiräume für risikofreudige Archivarbeit jenseits des Kanons der Moderne? Und welche Geschichtsschreibung über eine gemeinsame Herkunft und Zukünfte resultiert aus einer risikofreudigen Archivarbeit?
»Das Archiv aufs Spiel setzen« kann sowohl bedeuten, das Archiv einer Gefahr auszusetzen, also Risiken in Bezug auf das Archiv einzugehen, als auch innerhalb des Archivs selbst Risiken einzugehen. In diesem Vortrag werden diese zwei Gesichtspunkte sowohl im Hinblick auf Archivierungspraktiken beleuchtet als auch in Bezug auf den kulturpolitischen Umgang mit kulturellem Erbe.
In englischer Sprache
| Tickets | 10 € |
| Wann | Do 22.10.26, 17:00 |
| Wo |
Details zur Veranstaltung und Gäste
Details zur Veranstaltung
Vinzenz Hediger
ist Direktor der Cinémathèque suisse. Von 2002 bis 2025 lehrte er Film- und Medienwissenschaft in Bochum und Frankfurt am Main. Von 2017 bis 2026 leitete er das DFG-Graduiertenkolleg »Konfigurationen des Films« an der Goethe-Universität Frankfurt. Zuletzt unterrichtete er als Gastprofessor am Dartmouth College in den USA. Hediger ist Gründungsherausgeber der ›Zeitschrift für Medienwissenschaft‹, Mitbegründer des European Network for Cinema and Media Studies (NECS) und Co-Kurator des Festivals Archival Assembly, das vom Arsenal Filminstitut in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität und der Cinémathèque suisse veranstaltet wird.
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Über Film Restored
2026 widmet sich das Filmerbe-Festival der Deutschen Kinemathek den Risiken im Kino. Es blickt auf Wagnisse bei der Produktion und Verbreitung von Filmen, auf Gefahren im Archiv und bei Restaurierungen sowie auf Filme über Menschen, für die alles auf dem Spiel steht – Risikoebenen, die oft zusammen auftreten und sich gegenseitig bedingen.
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