© Wolfgang Krolow
»Und jetzt mal was Lustiges«
In Erinnerung an den Regisseur und Drehbuchautor Manfred Stelzer vergibt die Deutsche Kinemathek gemeinsam mit seiner Frau Beatrice E. Stammer ab 2026 wieder jährlich den mit 5.000 Euro dotierten Manfred-Stelzer-Preis. Gesucht wird die herausragende Komödie einer oder eines Nachwuchs-Filmschaffenden.
Der Manfred-Stelzer-Nachwuchspreis für Filmkomödien möchte Talente mit Sinn für das Komische, das Absurde, Komödiantische finden und fördern. »Komisch sein« ist handwerklich schwierig: Unser Sinn für Humor wurzelt in (nationalen) Herkünften, Kulturen, gesellschaftlichen Gruppierungen, sozialen Klassen, in Alter, Geschlecht etc.
Was wir lustig finden, ist höchst individuell, oft persönlich, gelegentlich genieren wir uns sogar für das, worüber wir lachen. Ein Konsens für das Komische scheint also schwer herstellbar. Aber das ist uns wurscht. Wir wollen jetzt mal was Lustiges!
Allgemeine Informationen
Der Manfred-Stelzer-Nachwuchspreis für Filmkomödien
Wer kann mitmachen?
Der Wettbewerb richtet sich an Filmnachwuchs bis zum abgeschlossenen 35. Lebensjahr. Wir freuen uns auf Studierende, Absolvent*innen, Debütant*innen, freie Filmschaffende aus den deutschsprachigen Ländern (DACH).
Die Einreichung ist formlos: Eingeladen sind fiktionale und nonfiktionale Formate aller Längen, die zwischen September 2024 und August 2026 entstanden sind.
Bitte schickt uns neben dem Sichtungslink und eurem Kontakt auch eine Stabliste und Kurzbiografie.
Wann passiert was?
Wir erwarten eure Einreichungen ab sofort bis zum 22. September 2026 an die Mailadresse stelzerpreis [at] deutsche-kinehmathek.de (stelzerpreis[at]deutsche-kinemathek[dot]de).
Die Vorauswahl trifft die Deutsche Kinemathek, eine Jury entscheidet über den Preisträgerfilm. Die Verleihung findet im November 2026 in der Deutschen Kinemathek statt.
Hintergrundinformationen
Manfred Stelzer
© Thomas Kost
Der gebürtige Bayer Manfred Stelzer (1944–2020) studierte Anfang der 1970er Jahre an der DFFB, später kehrte er als Dozent dorthin zurück. Sein Dokumentarfilmdebüt ›Allein machen sie dich ein‹ (1974) zeigt Jugendliche, die 1971 in Westberlin ein leerstehendes Krankenhausgebäude besetzen und als Georg-von-Rauch-Haus zum Wohn- und Freizeitheim umgestalten. Der Film entstand im Kollektiv mit Hilfe von Spenden und hatte auf der Berlinale Premiere. Für ›Geschichten aus zwölf und einem Jahr‹ (1986) drehte Stelzer 1986 noch einmal mit den 13 jugendlichen Besetzer*innen von damals und zeichnet ihre Lebenswege nach. Dieser Dokumentarfilm wird von der Kinemathek 2026 restauriert.
Stilprägend für Stelzers Regie- und Drehbuch-Arbeit wurde die anarchistisch-skurrile Gaunerkomödie ›Schwarzfahrer‹ (1982). In den Achtzigern entstanden bayerische Heimatfilmkomödien mit Irm Hermann, Elke Sommer, Monika Baumgartner, Hanns Zischler, Hans Brenner, Jörg Hube und Sigi Zimmerschied. Der 1990 auf einem stillgelegten Autobahnabschnitt gedrehte ›Superstau‹ führte zu einem Zerwürfnis mit den Produzenten. Danach arbeitete Manfred Stelzer ausschließlich für das Fernsehen: In den neunziger Jahren entwarf er für die Krimireihe ›Polizeiruf 110‹ das Schweriner Ermittlerduo Groth und Hinrichs (mit Kurt Böwe und Uwe Steimle). Ab Mitte der neunziger Jahre erlangte die RTL-Serie ›Balko‹ (mit Ludger Pistor und Jochen Horst) Kultstatus, 2005 entwickelte er für den WDR die Charaktere Thiel und Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) im Münsteraner ›Tatort‹.
Eine vollständige Filmographie und alle wichtigen Lebensstationen gibt es hier.
Maria Schrader
© Claudia Becher
Nach dem Tod von Manfred Stelzer rief seine Frau auf Initiative der Network Movie Film- und Fernsehproduktion gemeinsam mit dem Film Festival Cologne den Manfred-Stelzer-Preis ins Leben, um sein Werk zu würdigen und die deutsche Komödie gezielt in den Fokus des Festivals zu rücken. Über vier Ausgaben hinweg wurden herausragende Filme ausgezeichnet, die mit eigenständigem Humor, Haltung und erzählerischer Präzision an Stelzers unverwechselbare Handschrift anknüpften:
2023: ›Wann wird es endlich so, wie es nie war‹ (Regie: Sonja Heiss)
2022: ›Töchter‹ (Regie: Nanna Neul)
2021: ›Ich bin Dein Mensch‹ (Regie: Maria Schrader)
2020: ›Der König von Köln‹ (Regie: Richard Huber)
Martina Richter, Leiterin des Film Festival Cologne: »Nach vier Jahren haben wir uns aufgrund von begrenzten Kapazitäten dazu entschieden, den Manfred-Stelzer-Preis im Rahmen des Film Festival Cologne nicht weiter fortzuführen. Diese Entscheidung fiel uns nicht leicht – insbesondere angesichts der hochkarätigen Preisträger*innen und der positiven Resonanz. Umso mehr freuen wir uns, dass der Preis nun unter dem Namen Manfred-Stelzer-Nachwuchspreis für Filmkomödien von der Deutschen Kinemathek weitergeführt wird.«