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Nazis können nicht lieben

Drei Filme aus Deutschland
Wolfgang Jacobsen

Was hat der hinduistische Gott Shiva mit dem nationalsozialistischen Strafrecht zu tun? Was ein Bild von Giovanni Segantini mit den von den Nazis gerechtfertigten »Euthanasie«-Morden? Was verbindet Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« mit dem »totalen Krieg«? Eigentlich nichts! Und doch wurden Gottheit, Maler und Komponist von NS-Autoren vereinnahmt für ihr filmisches Musterbuch der bösen Möglichkeiten, aus dem mörderische Wirklichkeit wucherte.

Drei Seiten aus diesem Buch schlägt der Autor auf – jene zu den Filmen ›Ich klage an‹ (1941, Regie: Wolfgang Liebeneiner), ›Alarm‹ (1941, Regie: Herbert B. Fredersdorf) und ›Die Degenhardts‹ (1941, Regie: Werner Klingler). Seine Passage durch diese Zeitdokumente ist der Versuch, ihre Verwendungsweisen und inneren Beziehungen zur deutschen Mentalität des Nationalsozialismus darzustellen und politisch-ästhetisch zu bewerten. Er begibt sich auf die Spur jener szenischen Einfälle, Mikrogeschichten gleich, die jenseits der offen schäumenden Demagogie NS-Ideologie unbemerkt ins Publikum spritzten.