© DEFA-Stiftung/Fotograf: Olaf Skrzipczyk
Erster Verlust
Si̇nema Transtopia
Sommer 1942. Als der Landwirt Heinrich zum Militär eingezogen wird, ist der Fortbestand seines Hofs gefährdet, denn seine Frau Kathrin und seine Schwester Frieda können die Arbeit nicht allein bewältigen. Eine Gruppe sowjetischer Kriegsgefangener, mehr tot als lebendig, wird von den nationalsozialistischen Behörden zur Zwangsarbeit im Dorf eingeteilt. Frieda, die in die Fußstapfen ihres Bruders tritt, sorgt dafür, dass einer der Gefangenen zur Arbeit auf ihren Hof muss und führt ihn mit eiserner Hand. Kathrin fühlt sich Friedas emotionaler Kälte hilflos ausgeliefert und verbirgt ihre Einsamkeit. Sie steht ihrer eigenen Existenz zunehmend verbittert gegenüber. Der Regisseur Maxim Dessau ging mit seinem ersten Spielfilm ein beträchtliches persönliches Risiko ein, nachdem er Jahre zuvor aus politischen Gründen dazu gezwungen worden war, sein Vorgängerprojekt ›Schnauzer‹ aufzugeben. Anstatt sich nach dem allgemeinen Geschmack zu richten, trafen er und seine Mitgestalter*innen radikale ästhetische Entscheidungen: Sie verzichteten zugunsten des Originaltons auf die bei der DEFA gängige Praxis der Nachsynchronisation und wählten einen in bestechenden Schwarz-Weiß-Bildern eingefangenen fragmentarischen Erzählstil.
DDR 1990, Regie: Maxim Dessau, 96 min, OmeU
Gespräch mit: Maxim Dessau (Regisseur), Peter Badel (Kameramann) und Philip Zengel (DEFA-Stiftung)
In deutscher Sprache
| Tickets | 10 € |
| Wann | Sa 24.10.26, 17:00 |
| Wo |
Details zur Veranstaltung
Details zur Veranstaltung und Gäste
Filmdaten
R: Maxim Dessau
B: Maxim Dessau
K: Peter Badel
S: Dorothea Brühl
M: Karl-Ernst Sasse
D: Pawel Sanajew, Julia Jäger, Uta Koschel, Jaecki Schwarz, Martin Seifert
P: DEFA-Studio für Spielfilme
Prod: Harald Andreas
UA: Oktober 1990
Originalformat: 35 mm, s/w
Vorführkopie: 2K DCP, 96 min, Deutsche Kinemathek
Infos zur Restaurierung
Die 2K-Restaurierung des Films wurde von der Berliner Firma Eurotape vorgenommen. Für die Bildbearbeitung wurde das 35-mm-Originalkameranegativ verwendet, das teils stark durch Kratzer beschädigt war. Als Grundlage für die Tonrestaurierung diente ein 17,5-mm-Magnetband. Der Regisseur Maxim Dessau beaufsichtigte den gesamten Restaurierungsprozess, die Farbkorrektur wurde vom Kameramann Peter Badel begleitet. Die Digitalisierung wurde gefördert durch das Förderprogramm Filmerbe (FFE).
Peter Badel
wurde 1953 in Berlin geboren. Er ist Dokumentarist, Kameramann für Kinodokumentar-, Spiel- und Fernsehfilme. Nach dem Kamerastudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg war er Kameramann im DEFA-Studio für Spielfilme. Seit 1992 ist er freischaffend tätig. Daneben veranstaltet er Symposien zur Kameraarbeit und nimmt eine umfangreiche Lehr- und Mentorentätigkeit an verschiedenen Hochschulen und Akademien wahr. Badel verbindet seit 1982 eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thomas Heise, mit den Regisseuren Christian Klemke, Maxim Dessau, Kurt Tetzlaff und Jan Lorenzen arbeitete er häufig zusammen. Er besitzt eine Sammlung zur sozialen Fotografie der 1920er-Jahre und war als Kurator zu diesen Thema tätig; er ist zudem Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Aktuell arbeitet Badel an ›Übergang – ein Film für Thomas Heise‹ (2026).
Maxim Dessau
wurde 1954 in Berlin geboren. Er studierte Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Anschließend war er Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin sowie Gastdozent an der dortigen Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sein Spielfilmdebüt ›Erster Verlust‹ (1990) realisierte er im DEFA-Studio für Spielfilme in Babelsberg. 1992 erhielt er den Bayerischen Fernsehpreis für den Dokumentarfilm ›Ugorski – Denn seinen Freunden gibt er’s schlafend‹. Neben dem Film arbeitete Dessau für das Musiktheater (Staatsoper Stuttgart, Münchener Biennale, Berliner Ensemble u. a.), schrieb Ballett-Libretti für das Theater Kiel und die Oper Leipzig und leitete Workshops für Opernregie (Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, Weißensee Kunsthochschule Berlin u. a.).
Philip Zengel
studierte Kommunikationswissenschaft und -management in Erfurt, Oslo und Leipzig. 2017 verfasste er seine Masterarbeit »Online-Kommunikationsstrategien in der Filmwirtschaft – Vermarktungsmöglichkeiten von Kinospielfilmen in Deutschland«. Bereits neben dem Studium war er viele Jahre für die DEFA-Stiftung in Berlin tätig; seit 2020 leitet er dort den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. In dieser Position hält er Filmeinführungen und schreibt filmhistorische Texte.
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Über Film Restored
2026 widmet sich das Filmerbe-Festival der Deutschen Kinemathek den Risiken im Kino. Es blickt auf Wagnisse bei der Produktion und Verbreitung von Filmen, auf Gefahren im Archiv und bei Restaurierungen sowie auf Filme über Menschen, für die alles auf dem Spiel steht – Risikoebenen, die oft zusammen auftreten und sich gegenseitig bedingen.
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Donnerstag 22.10.
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