© Deutsche Kinemathek / Heinz Köster
Nachruf auf Alexander Kluge
Wir trauern
Mit Alexander Kluge verliert Deutschland einen der prägendsten Intellektuellen der Gegenwart. Filmemacher, Schriftsteller, Theoretiker und Fernsehunternehmer/macher in einer Person, hat er das Autorenkino seit den 1960er-Jahren entscheidend mitgeformt.
Als Mitinitiator des Oberhausener Manifests und eine der einflussreichsten Stimme des Neuen Deutschen Films verstand er Kino als Ort des Denkens und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung.
Kluges Werk reicht von Filmen wie »Abschied von gestern« und »Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos« bis zu einem weit verzweigten Kosmos aus Büchern, Fernseharbeiten und Gesprächen. Geprägt von der Kritischen Theorie um Theodor W. Adorno entwickelte er eine eigene Form des essayistischen Erzählens, die Geschichte, Erfahrung und Gegenwart miteinander verschränkt. Sein Blick auf die Welt blieb dabei stets wach, präzise und von einem unermüdlichen Interesse am Menschen getragen.
Für die Deutsche Kinemathek ist Alexander Kluge eine zentrale Referenzfigur. Sein Werk bildet einen festen Bezugspunkt für das Verständnis des deutschen Films nach 1945.Dazu gehört seine Arbeit als Lehrer und Mentor, etwa im Umfeld der Hochschule für Gestaltung Ulm, wirkt er in nachfolgenden Generationen fort. In enger Verbindung mit der Akademie der Künste werden seine Filme und Materialien bewahrt und künftig weiter in das Filmarchiv der Kinemathek überführt.
Alexander Kluge war eine Konstante. In seinem Denken, in seinem Arbeiten, in seiner Neugier. Sein Werk bleibt Maßstab und Herausforderung zugleich.