›Nicht der homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹, Regie: Rosa von Praunheim © Bavaria / missingFILMs
Wie pervers ist die Situation? Wir diskutieren Rosa von Praunheims ›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹
Kinemathek – Halle
›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹ von Rosa von Praunheim löste 1971 ein Erdbeben aus und führte deutschlandweit erstmals zur Gründung zahlreicher Schwulenbewegungen. Statt um Empathie und Verständnis zu werben, griff Praunheim schwule Männer scharf an: Spießig, einsam, eitel und unpolitisch seien sie und sollten endlich auf die Straße gehen! Ein Film wie eine schallende Ohrfeige, die nicht umsonst auch in der Ausstellung »Inventing Queer Cinema« eine zentrale Rolle spielt. Wir zeigen den Film noch einmal und fordern das Publikum und geladene Gäste auf, sich kritisch zu positionieren. Ein offenes Gespräch ohne Podium und Bühne, in dem wir Wirkung und Thesen des Films neu diskutieren wollen.
Zu Gast: Martin Dannecker (Sexualwissenschaftler, Autor), Jochen Hick (Regisseur, Journalist, Autor), Faraz Shariat (Regisseur, Produzent, Autor)
| Tickets | 7 € / ermäßigt 5 € |
| Wann | Fr 10.7.26, 19:00 |
| Wo |
Gäste Wie pervers ist die Situation?
Unsere Gäste
Martin Dannecker
Martin Dannecker ist in einer Kleinstadt im Schwarzwald aufgewachsen. Dort kam er durch ein Wanderkino zum ersten Mal in Berührung mit Filmen. Mit 18 zog er nach Stuttgart, wo er zum Schauspieler ausgebildet wurde. Die längste Zeit seines Lebens verbrachte er in Frankfurt am Main. Dort hat er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt und studierte anschließend Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse. Er ist Co-Autor des Films ›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹ von Rosa von Praunheim und gehörte zu den ersten Aktivisten der Schwulenbewegung. Nach der Promotion trat er 1977 in das »Institut für Sexualwissenschaft« ein und habilitierte sich später. Martin Dannecker lebt seit 20 Jahren in Berlin und schreibt gerade an seiner Autobiografie.
Jochen Hick
Jochen Hick, Regisseur, Journalist und Autor. Studium u.a. Visuelle Kommunikation (Schwerpunkt Film) an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Ab 1990 Spiel- und Dokumentarfilme fürs Kino mit über 300 Festivalteilnahmen. 1994 Gründung der Produktionsfirma »GALERIA ALASKA PRODUCTIONS«. Realisation zahlreicher Reportagen und Dokumentationen für TV. Spezialisiert u.a. auf sozio-kulturelle und LGBT-Themen. 2007 bis 2010 stellvertretender Programmdirektor sowie Chefredakteur und Programmeinkäufer bei »TIMM«, dem ersten TV-Sender für schwule Männer im deutschsprachigen Raum. Lebt in Hamburg und Berlin.
Faraz Shariat
Faraz Shariat (geb. 1994) ist ein iranisch-deutscher Filmemacher, dessen Coming-of-Age-Spielfilmdebüt ›Futur Drei‹ 2020 auf der Berlinale Premiere feierte und u.a. mit zwei Teddy-Preisen, sowie zwei First-Steps-Awards ausgezeichnet wurde. Seitdem führte Shariat Regie bei Episoden der Serienadaption ›Druck‹ sowie der britischen Horrorkomödie ›The Baby‹ (HBO/Sky). Außerdem war er als Produzent an ›Schwarze Früchte‹ (ARD) beteiligt, einer Dramedy, die im Juni 2024 beim Tribeca Film Festival Premiere feierte und später im selben Jahr in Deutschland anlief. Sein letzte TV-Arbeit, ›Zeit Verbrechen: Love by Proxy‹, wurde 2024 in der Sektion Panorama der Berlinale präsentiert. 2026 kehrte er mit seinem zweiten Kinofilm, dem Politthriller ›Staatsschutz‹, zur Berlinale zurück, und gewann den Panorama-Publikumspreis, den CICAE-Art-Cinema-Preis sowie den Heiner-Carow-Preis. Staatsschutz kommt im Herbst 2026 international in die Kinos. Shariat ist Stipendiat der Villa Aurora in Los Angeles.
Weitere Informationen
Veranstaltungen zur Ausstellung »Inventing Queer Cinema«
In unserer Veranstaltungsreihe zur Ausstellung sprechen wir über lesbisches Kino, Trans*repräsentation, Queerness im Fernsehen und queeren Aktivismus. Und wir richten das Spotlight auf Pionier*innen der queeren Kultur- und Filmgeschichte wie Elfi Mikesch und Wolfgang Theis. Mit Monika Treut, Wieland Speck, Faraz Shariat, Thea Ehre, Angelina Maccarone, Lamin Leroy Gibba, Kerstin Polte, Tucké Royale, Jürgen Brüning u. v. a.