Filmprogramm – Inventing Queer Cinema
7. Mai–13. September 26
Allgemeine Informationen
96 Filme aus sieben Jahrzehnten und 34 Ländern
Während der Öffnungszeiten der Ausstellung »Inventing Queer Cinema« laufen im Studiokino nationale und internationale Filme in voller Länge. Der Eintritt ist im Ticket enthalten (28 Plätze, keine Anmeldung, first come, first served). Eine Dauerkarte ermöglicht den wiederholten Kinobesuch.
Donnerstag, 7. Mai
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14:00 ›Vorurteil und Stolz‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Der schwedische Stummfilm ›Ikarus‹ (1916) von Mauritz Stiller erzählt andeutungsreich von der Liebe zwischen einem schwulen Bildhauer und seinem Model – und gilt als eines der ersten Zeugnisse des queeren Kinos überhaupt. Stiller entdeckte auch Greta Garbo, die im Hollywood der 1920er und 30er Jahre mit Crossdressing und sexuell ambigen Figuren zum ersten queeren Leinwandstar wurde. In den Filmen des Meisterregisseurs Ingmar Bergman finden sich vor allem Beispiele von unterdrückter lesbischer und schwuler Sexualität. Vilgot Sjöman hingegen zeigte in seinem Film ›Tabu‹ (1977) eine ganze Palette nicht-heterosexuelle Spielarten – und sogar eine Pride-Parade.
Eva Beling hat sich in den schwedischen Filmarchiven auf die Suche nach queeren Geschichten, Figuren und Momenten gemacht – und eine ganze Schatztruhe geborgen, mit der sie die Entwicklung von den Anfängen bis zu Filmen wie ›Something Must Break‹ (2014) und ›Als wir tanzten‹ (2019) nachzeichnet. Ihr spektakuläres Archivmaterial ergänzt sie durch Interviews mit Darsteller*innen wie Harriet Andersson und Liv Ullmann, Regisseur*innen wie Marie-Louise Ekman und Levan Akin sowie mit Queer- und Filmwissenschaftler*innen. Belings rebellische Neulektüre einer ganzen nationalen Kinematographie im Dienste der queeren Sichtbarkeit setzt ein fantastisches Beispiel: Jedes Land sollte seinen eigenen »Vorurteil und Stolz« haben!
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16:00 ›Bent‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Berlin 1934: Kurz vor dem sogenannten »Röhm-Putsch« feiern der junge Brite Max und sein Freund Rudy in Gretas Club eine letzte rauschhafte Party. In der berüchtigten »Nacht der langen Messer« wird auch der attraktive SA-Mann, den Max im Club erobert hat, brutal von der SS ermordet. Max und Rudy können aus Berlin fliehen, werden aber gefasst. Im Zug nach Dachau lernt Max von dem Mitgefangenen Horst, die »neue Ordnung« einzuhalten. Um zu überleben, tut er, was die Gestapo verlangt, er beteiligt sich an der Tötung seines Geliebten und verleugnet seine Homosexualität. Im Konzentrationslager müssen Max und Horst Steine schleppen, sie werden gequält und gedemütigt. Doch trotz der strengen Bewachung und ohne sich berühren zu dürfen, finden sie einen Weg sich zu lieben.
Das Theaterstück ›Bent‹ von Martin Sherman wurde nach seiner Premiere 1979 ein Hit. Bei der Londoner Uraufführung spielte Ian McKellen die Hauptrolle, in der ersten Broadway-Inszenierung Richard Gere. Für die Filmadaption besetzte Sherman 1997 zusammen mit Regisseur Sean Mathias den damals weitgehend unbekannten Clive Owen. In weiteren Rollen sind u.a. Ian McKellen als Max‘ schwuler Onkel, Mick Jagger als alternde Dragqueen und Nikolaj Coster-Waldau (›Game of Thrones‹) als blonder SA-Mann zu sehen.
›Bent‹ ist eine erschütternde Erinnerung an die Grauen der Homosexuellen-Verfolgung durch die Nazis – und ein zutiefst berührendes Zeugnis davon, dass sich Liebe und Menschlichkeit selbst in der dunkelsten Stunde nicht brechen lassen. Jetzt kehrt der Klassiker des queeren Kinos in digital restaurierter Fassung zurück!
Freitag, 8. Mai
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14:00 ›Bent‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Berlin 1934: Kurz vor dem sogenannten »Röhm-Putsch« feiern der junge Brite Max und sein Freund Rudy in Gretas Club eine letzte rauschhafte Party. In der berüchtigten »Nacht der langen Messer« wird auch der attraktive SA-Mann, den Max im Club erobert hat, brutal von der SS ermordet. Max und Rudy können aus Berlin fliehen, werden aber gefasst. Im Zug nach Dachau lernt Max von dem Mitgefangenen Horst, die »neue Ordnung« einzuhalten. Um zu überleben, tut er, was die Gestapo verlangt, er beteiligt sich an der Tötung seines Geliebten und verleugnet seine Homosexualität. Im Konzentrationslager müssen Max und Horst Steine schleppen, sie werden gequält und gedemütigt. Doch trotz der strengen Bewachung und ohne sich berühren zu dürfen, finden sie einen Weg sich zu lieben.
Das Theaterstück ›Bent‹ von Martin Sherman wurde nach seiner Premiere 1979 ein Hit. Bei der Londoner Uraufführung spielte Ian McKellen die Hauptrolle, in der ersten Broadway-Inszenierung Richard Gere. Für die Filmadaption besetzte Sherman 1997 zusammen mit Regisseur Sean Mathias den damals weitgehend unbekannten Clive Owen. In weiteren Rollen sind u.a. Ian McKellen als Max‘ schwuler Onkel, Mick Jagger als alternde Dragqueen und Nikolaj Coster-Waldau (›Game of Thrones‹) als blonder SA-Mann zu sehen.
›Bent‹ ist eine erschütternde Erinnerung an die Grauen der Homosexuellen-Verfolgung durch die Nazis – und ein zutiefst berührendes Zeugnis davon, dass sich Liebe und Menschlichkeit selbst in der dunkelsten Stunde nicht brechen lassen. Jetzt kehrt der Klassiker des queeren Kinos in digital restaurierter Fassung zurück!
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16:00 ›Vorurteil und Stolz‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Der schwedische Stummfilm ›Ikarus‹ (1916) von Mauritz Stiller erzählt andeutungsreich von der Liebe zwischen einem schwulen Bildhauer und seinem Model – und gilt als eines der ersten Zeugnisse des queeren Kinos überhaupt. Stiller entdeckte auch Greta Garbo, die im Hollywood der 1920er und 30er Jahre mit Crossdressing und sexuell ambigen Figuren zum ersten queeren Leinwandstar wurde. In den Filmen des Meisterregisseurs Ingmar Bergman finden sich vor allem Beispiele von unterdrückter lesbischer und schwuler Sexualität. Vilgot Sjöman hingegen zeigte in seinem Film ›Tabu‹ (1977) eine ganze Palette nicht-heterosexuelle Spielarten – und sogar eine Pride-Parade.
Eva Beling hat sich in den schwedischen Filmarchiven auf die Suche nach queeren Geschichten, Figuren und Momenten gemacht – und eine ganze Schatztruhe geborgen, mit der sie die Entwicklung von den Anfängen bis zu Filmen wie ›Something Must Break‹ (2014) und ›Als wir tanzten‹ (2019) nachzeichnet. Ihr spektakuläres Archivmaterial ergänzt sie durch Interviews mit Darsteller*innen wie Harriet Andersson und Liv Ullmann, Regisseur*innen wie Marie-Louise Ekman und Levan Akin sowie mit Queer- und Filmwissenschaftler*innen. Belings rebellische Neulektüre einer ganzen nationalen Kinematographie im Dienste der queeren Sichtbarkeit setzt ein fantastisches Beispiel: Jedes Land sollte seinen eigenen »Vorurteil und Stolz« haben!
Samstag, 9. Mai
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10:00; 14:00 ›Mädchen in Uniform‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die 14-jährige Waise Manuela von Meinhardis wird von ihrer Tante auf ein Internat für Offizierstöchter in Potsdam geschickt, in dem preußischer Drill und Disziplin herrschen. Das sensible Mädchen leidet unter der strengen Erziehung und den kalten Autoritätsfiguren. Verständnis erfährt sie nur von der jungen Lehrerin Fräulein von Bernburg, in die sie sich unsterblich verliebt. Nach einer geglückten Theater-Aufführung gesteht Manuela, angetrunken und im Feierrausch, der Lehrerin öffentlich ihre Liebe. Die Folgen sind verheerend: Den beiden wird sofort jeder weitere Kontakt untersagt und Manuela in ein Isolierzimmer gesperrt. Die Hoffnungslosigkeit treibt das Mädchen zu verzweifelten Taten …
›Mädchen in Uniform‹ (1931) basiert auf dem Roman ›Das Mädchen Manuela‹ von Christa Winsloe und gilt als erster Film der Filmgeschichte, der offen lesbische Liebe thematisiert. Die österreichische Bühnen- und Filmregisseurin Leontine Sagan erzählt darin von den zerstörerischen Folgen des repressiven Wahns des preußischen Erziehungssystems – und begegnet dem Mädchen Manuela, das anders als die anderen liebt und empfindet, voller Empathie und Menschlichkeit.
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12:00; 16:00 ›Before Stonewall‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
New York, Christopher Street, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969: Homosexuelle und trans Personen widersetzen sich in der Bar Stonewall-Inn entschlossen der Polizei, die das Lokal eigentlich räumen will. Ihr Aufstand und die sich anschließenden Unruhen und Demonstrationen in den folgenden Tagen gelten als Urknall eines queeren Selbstbewusstseins und als Wendepunkt im Kampf um Anerkennung und Gleichstellung, an den seitdem jährlich bei den Christopher-Street-Day-Paraden erinnert wird.
Greta Schiller und Robert Rosenberg erzählen in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm ›Before Stonewall‹ vom Leben und Alltag queerer US-amerikaner*innen vor diesem Ereignis. Mit seltenem Archivmaterial aus Filmausschnitten und Fotos, mit Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie dem Beat-Poeten Allen Ginsberg und der Dichterin und Aktivistin Audre Lorde, vor allem aber mit Aussagen »ganz normaler« schwuler, lesbischer und trans Personen aus der breiten Bevölkerung erzählt der Film die Geschichte des allmählichen Sichtbarwerdens queerer Identitäten in der US-Gesellschaft.
Sonntag, 10. Mai
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10:00; 14:00 ›Paragraph 175‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Etwa 100.000 Homosexuelle sind während der NS-Herrschaft in Deutschland inhaftiert und gefoltert worden. Zu Tausenden wurden Schwule und Lesben in deutschen Konzentrationslagern ermordet. Die Autoren und Regisseure Rob Epstein (Oscar-Preisträger für ›The Times of Harvey Milk‹) und Jeffrey Friedman, die bereits mit preisgekrönten Dokumentarfilmen wie ›The Celluloid Closet‹ Furore machten, zeichnen mit ihrem Film ›Paragraph 175‹ das Schicksal der Homosexuellen im Dritten Reich nach – einer lange Zeit vergessenen Opfergruppe.
Zeitzeugen der Gräueltaten des Nazi-Regimes stellen sich vor der Kamera ihrem Schmerz. Oft bitter, aber auch mit Ironie und Humor erzählen sie ihre Lebensgeschichten, die von Nichtanerkennung, Ausschließung und dem unbedingten Willen zu überleben bestimmt sind. Der Film gibt so Einblick in die Lebenswege von schwulen Männern im Dritten Reich – und dies ohne dokumentarische Bilder aus Konzentrationslagern. Es ist die Vorstellungskraft des Zuschauers, die das Grauen noch intensiver macht.
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12:00; 16:00 ›The Celluloid Closet‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Hollywood war schon immer ziemlich queer! Doch bis 1968 verbot ein konservativer Produktionscode die offene Darstellung von Schwulen und Lesben auf der Leinwand. Kreative Filmemacher*innen schafften es trotzdem immer wieder, schwules und lesbisches Begehren auf die Leinwand zu bringen – mal verschlüsselt und nur für Eigeweihte erkennbar, mal beeindruckend direkt und eigentlich unübersehbar. In den 1970ern löste sich das queere Kino allmählich von den Restriktionen ehe mit dem ›New Queer Cinema‹ ab Ende der 1980er Jahre eine große Bandbreite von nicht-heteronormativen Perspektiven und Lebenserfahrungen den Weg zu Filmfestivals und ins Kino fand.
In ›The Celluloid Closet‹ blicken Rob Epstein und Jeffrey Friedman zurück auf 100 Jahre Filmgeschichte und rekonstruieren auf Basis von Vito Russos gleichnamigem, bahnbrechenden Sachbuchklassiker die Zeichen, Motive, Subtexte und Stereotypen des queeren Hollywoodkinos. Mit Material aus 120 Filmklassikern Klassikern wie ›Marokko‹ (1930), ›Red River‹ (1948), ›Ben Hur‹ (1959), ›Mein wunderbarer Waschsalon‹ (1985), ›My Private Idaho‹ (1991), ›The Crying Game‹ (1992), ›Philadelphia‹ (1993) und ›Priscilla – Königin der Wüste‹ (1994) sowie den Stimmen von Hollywood-Expert*innen und Zeitzeug*innen wie Harvey Fierstein, Gore Vidal, Richard Dyer, Whoopi Goldberg, Shirley MacLaine und Tom Hanks feiert ›The Celluloid Closet‹ die Entwicklung des queeren Kinos als eine Geschichte der allmählichen Sichtbarmachung und Emanzipation. Ein Film, der uns auch heute noch die Augen öffnet und eigentlich schulische Pflicht sein sollte!
Donnerstag, 14. Mai
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14:00 ›Ich denke oft an Hawaii…‹
Quelle Text und Bild: Deutsche Kinemathek / Elfi Mikesch
Elfi Mikeschs semidokumentarische Filmfantasie gleicht einer Ode an die Freiheit der Gedanken. Neben der Traumvisualisierung sehen wir einen gewöhnlichen Westberliner Alltag einer alleinerziehenden, arbeitenden Mutter und ihrer Tochter. Die junge Generation stellt sich teilweise stark und stolz weiblichen Rollenklischees entgegen.
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16:00 ›Macumba‹
Quelle Text und Bild: Deutsche Kinemathek / Elfi Mikesch
In einem Berliner Abbruchhaus lebt eine Gruppe junger Menschen in den Tag hinein. Träume, Wünsche und Obsessionen sind realer als die Wirklichkeit. Magda erfindet den Detektiv Max Taurus, der besessen von Verbrechen ist und immer tiefer in das das Haus eindringt. Alles erscheint ihm verdächtig – insbesondere die merkwürdigen Bewohner*innen und deren zwischen Liebe und Gewalt changierenden Beziehungen. Fantasie und Realität vermischen sich mit der atmosphärischen und bisweilen fremdartigen Musik zu einem alptraumartigen Gespinst. Ein hypnotisches Werk über die Kraft der Imagination.
Freitag, 15. Mai
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14:00 ›Macumba‹
Quelle Text und Bild: Deutsche Kinemathek / Elfi Mikesch
In einem Berliner Abbruchhaus lebt eine Gruppe junger Menschen in den Tag hinein. Träume, Wünsche und Obsessionen sind realer als die Wirklichkeit. Magda erfindet den Detektiv Max Taurus, der besessen von Verbrechen ist und immer tiefer in das das Haus eindringt. Alles erscheint ihm verdächtig – insbesondere die merkwürdigen Bewohner*innen und deren zwischen Liebe und Gewalt changierenden Beziehungen. Fantasie und Realität vermischen sich mit der atmosphärischen und bisweilen fremdartigen Musik zu einem alptraumartigen Gespinst. Ein hypnotisches Werk über die Kraft der Imagination.
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16:00 ›Ich denke oft an Hawaii…‹
Quelle Text und Bild: Deutsche Kinemathek / Elfi Mikesch
Elfi Mikeschs semidokumentarische Filmfantasie gleicht einer Ode an die Freiheit der Gedanken. Neben der Traumvisualisierung sehen wir einen gewöhnlichen Westberliner Alltag einer alleinerziehenden, arbeitenden Mutter und ihrer Tochter. Die junge Generation stellt sich teilweise stark und stolz weiblichen Rollenklischees entgegen.
Samstag, 16. Mai
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10:00; 14:00 ›Freak Orlando‹
Quelle Text und Bild: Ulrike Ottinger
Eine Irrtümer, Inkompetenz, Machthunger, Angst, Wahnsinn, Grausamkeit und Alltag umfassende ›Histoire du monde‹ am Beispiel der Freaks von den Anfängen bis heute als Kleines Welttheater in fünf Episoden erzählt von Ulrike Ottinger.
1. Episode erzählt, wie Orlanda Zyklopa als Attraktion mit ihren sieben Zwergenschustern in der Schnellsohlerei des Kaufhauses von Freak City den Amboß schlägt, von Herbert Zeus, dem Geschäftsführer, der aus dem Hause gejagt wird, als Königin der sieben Zwergathleten das trojanische Pferd besteigt, ablehnt, die Nachfolgerin des Säulenheiligen zu werden, und deshalb zu Tode kommt.
2. Episode erzählt, wie Orlando Orlanda alias Orlanda Zyklopa auf den Stufen der Basilika als Wundergeburt das Licht der mittelalterlichen Welt erblickt und mit dem lieblichen zweistimmigen Gesang ihres Doppelkopfes die Umwelt zu verzaubern vermag, jedoch nicht verhindern kann, daß Flagellanten zwei Akrobaten gefangen nehmen und sie inmitten ihres Flagellantenzuges aus der Stadt führen, weshalb sie gemeinsam mit der berühmten Zwergenmalerin Galli den Flagellanten folgt und so zum Kloster der heiligen Bartfrau Wilgeforte gelangt, dort in dem großen Kauf- und Lagerhaus neu eingekleidet und von Galli portraitiert eine erstaunliche Verwandlung erfährt.
3. Episode erzählt, wie Orlando Capricho alias Orlando Orlanda alias Orlanda Zyklopa erkennen muß, auf das mit schöner Stimme vorgetragene Sonderreiseangebot des Warenhauses hereingefallen zu sein, in ihrem eigenen Spiegelbild das Mißtrauen erlernt, im Spanien des ausgehenden 18. Jahrhunderts den Häschern der Inquisition in die Hände fällt, allerlei Gefahren und Abenteuer zu bestehen hat, mit knapper Not der Einweisung in ein Korrektionshaus entgeht und am Ende zusammen mit allerlei fahrend Volk und rechter Arbeit Feind in die neue Welt deportiert wird, was Galli el Primo getreu den Begebenheiten dokumentiert.
4. Episode erzählt, wie Herr Orlando alias Orlando Capricho alias Orlando Orlanda alias Orlanda Zyklopa vor den Toren des psychiatrischen Landeskrankenhauses von den Artisten einer im Lande umhervagabundierenden Side-Show als Mitglied aufgenommen wird, sich alsbald in einen Teil der Siamesischen Zwillinge, genannt Lena, verliebt, was der andere Teil, genannt Leni, nicht hinnehmen will, darob Herr Orlando in solche Konfusionen und Verstrickungen gerät, daß er Leni ersticht, was notwendigerweise auch seine geliebte Lena tötet und den Herrn Prinzipal der Truppe zwingt, Herrn Orlando einem alten Artistenbrauche gemäß dem Tode zu überantworten.
5. Episode erzählt, wie Frau Orlando wegen ihrer Vorlieben genannt Freak Orlando, alias Herr Orlando alias Orlando Capricho alias Orlando Orlanda alias Orlanda Zyklopa sich als Entertainerin verdingt und zusammen mit vier Bunnies durch Europa tingelt, als Attraktion bei Eröffnungen von Einkaufszentren, Familienfeiern und ähnlichem sehr begehrt ist, schließlich auch ein Engagement in Italien auf einem alljährlich stattfindenden Fest der Häßlichen annimmt, dort den Gewinner krönt und einen Ehrenpokal mit der Aufschrift: »Bei den Lahmen ist das Hinken Sitte« überreicht und uns am Ende des Festes erzählt, daß die Geschichte aus ist. -
12:30; 16:30 ›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹
Quelle Text und Bild: Rosa von Praunheim
Daniel, ein junger Mann aus der Provinz, kommt nach Berlin und trifft dort zufällig Clemens. Beide erleben die große Liebe. Sie ziehen zusammen und versuchen, die bürgerliche Ehe zu kopieren. Doch nach vier Monaten endet das große Glück. Daniel hat inzwischen einen älteren, reichen Mann kennengelernt und zieht mit ihm in dessen Villa.
Doch bald, bei einem Musikabend, betrügt ihn sein älterer Freund. Für ihn war Daniel nur ein Objekt. Daniel arbeitet jetzt in einem Homosexuellen-Café, kleidet sich nach der neuesten Mode und lernt schnell sich den Idealen der Subkultur anzupassen. Seine Freizeit verbringt er im Strandbad und lässt sich bewundern. Nachts geht er in Homosexuellen-Bars und wird immer abhängiger von dem ständig wechselnden sexuellen Abenteuer. Nach einiger Zeit entdeckt er den exotischen Reiz schwuler Parks und Toiletten. Er erlebt, wie ältere Homosexuelle von Rockern zusammengeschlagen werden. Schließlich landet er in einer Transvestitenkneipe, in der sich zu später Stunde alles trifft, was bis dahin keinen Partner gefunden hat. Hier trifft er Paul, der ihn in seine schwule Wohngemeinschaft mitnimmt. Die Gruppe diskutiert mit ihm seine Probleme. Sie macht ihm klar, dass er ein oberflächliches Leben führt. Seine Aufgabe als emanzipierter Schwuler ist es sich zu seinem Schwulsein zu bekennen, andere Inhalte zu schaffen als nur Mode und Sex. Man schlägt ihm vor, sich politisch zu organisieren und gemeinsam mit anderen Schwulen über menschliche Formen des Zusammenlebens nachzudenken.
Praunheims Attacken richten sich nicht gegen fremde Unterdrücker, sondern gegen das eigene Lager. Die Situation, in der der Homosexuelle lebt, ist hausgemacht: das ist die These des Films. Verwirrung, Empörung, Bestürzung im Schwulenlager war die Folge, aber auch Bewegung, Aktion, coming out und Solidarität. Die Aufführung des Films im deutschen Fernsehen wurde zum Skandal. Der WDR, der den Film in Auftrag gegeben hatte, war der einzige Sender, der den Film ausstrahlte. Die vorgesehene parallele Aufführung beim ARD wurde kurzfristig abgesagt. Die ARD strahlte den Film ein Jahr später aus, Bayern schaltete sich daraufhin aus dem Programm aus.
Sonntag, 17. Mai
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10:00; 14:00 ›Michael‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Der Pariser Maler Zoret ist ein Meister seines Fachs. Seine Muse ist der bildhübsche Eugène Michael, den er als Protegé bei sich aufgenommen hat und im Stillen anhimmelt. Eines Tages bittet die Fürstin Zanikow den Maler, sie zu porträtieren. Über die Arbeit an dem Bild lernt die Fürstin Michael kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Für Zoret ist die Beziehung eine riesige Enttäuschung. Michael und Zanikow bestehlen ihn sogar – und der Künstler lässt es geschehen. Von Michael verlassen, wird Zoret zu einem gebrochenen Mann, schafft es aber in seiner Einsamkeit ein letztes meisterliches Bild zu malen, den Hiob. Die ganze Stadt verneigt sich vor Zorets Genie, doch ausgerechnet Michael fehlt bei der Vernissage.
Carl Theodor Dreyers und Thea von Harbous Drehbuch zum Stummfilm ›Michael‹ (1924) orientiert sich eng an dem gleichnamigen Roman des schwulen dänischen Autors Herman Bang (1857-1912) aus dem Jahr 1904. Dreyers Film verbindet psychologische und soziale Aspekte, indem er über den Generationenkonflikt zwischen Zoret und Michael vom Niedergang der aristokratischen Lebensweise erzählt. Über vielsagende Blicke und Gesten sowie über extravagante Kunstobjekte und Dekors zeigt der Film aber auch die unerfüllte Liebe eines Mannes zu einem anderen. Damit gilt ›Michael‹ als einer der wenigen Stummfilme, die relativ offen homosexuelles Begehren behandelt haben. Der Film galt lange als verschollen, erst in den 1950er Jahren wurde eine Kopie im Staatlichen Filmarchiv der DDR aufgefunden. Jetzt gibt es diesen frühen Klassiker des queeren Kinos in restaurierter Fassung!
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12:00; 16:00 ›Bildnis einer Trinkerin‹
Quelle Text und Bild: Ulrike Ottinger
Sie, eine Frau von hoher Schönheit, von antiker Würde und raphaelischem Ebenmaß, eine Frau, geschaffen wie keine andere, Medea, Madonna, Beatrice, lphigenie, Aspasia zu sein, beschloß an einem sonnigen Wintertag La Rotonda zu verlassen.
Sie löste ein Ticket aller jamais retour Berlin Tegel. Sie wollte ihre Vergangenheit vergessen, vielmehr verlassen, wie ein abbruchreifes Haus. Sie wollte sich mit allen ihren Kräften auf eine Sache konzentrieren, ihre Sache; endlich ihre Bestimmung zu leben war ihr alleiniger Wunsch.
Anhand eines Werbeprospektes, der ihr als Bordlektüre von einer freundlichen Stewardess überreicht worden war, beschloss sie, eine Art Trinkplan aufzustellen. Die ausführliche Beschreibung einer Sightseeing-Tour diente ihr zur Orientierung und bot umfassende Hilfe. Berlin, eine Stadt, in der sie völlig fremd war, schien ihr der rechte Ort, ungestört ihre Passion zu leben. Ihre Passion war zu trinken, leben um zu trinken, trinkend leben, das Leben einer Trinkerin. Jetzt war also der Zeitpunkt gekommen, alles zu verwirklichen.
Donnerstag, 21. Mai
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14:00 ›Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984–1992‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Auch zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist der Einfluss der Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde auf die afroamerikanischen, feministischen und queeren Bewegungen außerordentlich lebendig. Ein wenig beachtetes Kapitel sind dabei ihre Berliner Jahre von 1984 bis 1992, in denen Lorde afro-deutschen Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verhalf und die sozialen Veränderungen in der Stadt kommentierte, die von Mauerfall und Wiedervereinigung geprägt waren.
Zum ersten Mal erlauben persönliche Video- und Audioaufzeichnungen von Dagmar Schultz einen tiefen Blick in das Leben der privaten Audre Lorde, lassen aber auch Mitstreiter, Studierende und Freunde zu Wort kommen. Das außergewöhnliche Porträt wurde im Panorama der Berlinale 2012 uraufgeführt.
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16:00 ›Der Prinz und der Dybbuk‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Wer war Moshe Waks, der 1904 als Sohn eines armen jüdischen Schmiedes aus der Ukraine geboren wurde und als Prinz MichaÅ‚ WaszyÅ„ski 1965 in Italien starb? War er ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinanderhalten konnte?
Als Regisseur und Produzent von Hollywood-Filmen in Italien und Spanien schuf WaszyÅ„ski über 40 Filme. Er arbeitete mit Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale und Orson Welles. Seine eigentliche Obsession aber galt dem Film ›Der Dybbuk‹, bei dem er 1937 Regie führte. Der Film beruht auf einer alten jüdischen Legende, in der eine junge Frau von dem Geist (auf Jiddisch: Dybbuk) ihrer ersten Liebe heimgesucht wird. ›Der Dybbuk‹ gilt nicht nur als einer der geheimnisvollsten jiddischen Filme der Filmgeschichte, er spiegelt auch WaszyÅ„skis ruheloses Leben mit vielen ungelüfteten Geheimnissen wider. Im Laufe der Jahre nehmen die Idee der unerwiderten Liebe und die seelische Besessenheit auch im Leben des Filmemachers eine immer größere Rolle ein.
Elwira Niewiera und Piotr RosoÅ‚owski nehmen in ›Der Prinz und der Dybbuk‹ WaszyÅ„skis Spur auf und folgen ihm nach Polen, in die Ukraine und die USA, nach Italien, Israel und Spanien. Für ihr faszinierendes Porträt eines menschlichen Chamäleons, das kontinuierlich Namen, Religion, Titel und Länder wechselte, um seine eigene Lebensgeschichte wie ein Filmdrehbuch zu schreiben, wurden die beiden in Venedig mit dem Löwen für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.
Freitag, 22. Mai
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14:00 ›Der Prinz und der Dybbuk‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Wer war Moshe Waks, der 1904 als Sohn eines armen jüdischen Schmiedes aus der Ukraine geboren wurde und als Prinz MichaÅ‚ WaszyÅ„ski 1965 in Italien starb? War er ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinanderhalten konnte?
Als Regisseur und Produzent von Hollywood-Filmen in Italien und Spanien schuf WaszyÅ„ski über 40 Filme. Er arbeitete mit Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale und Orson Welles. Seine eigentliche Obsession aber galt dem Film ›Der Dybbuk‹, bei dem er 1937 Regie führte. Der Film beruht auf einer alten jüdischen Legende, in der eine junge Frau von dem Geist (auf Jiddisch: Dybbuk) ihrer ersten Liebe heimgesucht wird. ›Der Dybbuk‹ gilt nicht nur als einer der geheimnisvollsten jiddischen Filme der Filmgeschichte, er spiegelt auch WaszyÅ„skis ruheloses Leben mit vielen ungelüfteten Geheimnissen wider. Im Laufe der Jahre nehmen die Idee der unerwiderten Liebe und die seelische Besessenheit auch im Leben des Filmemachers eine immer größere Rolle ein.
Elwira Niewiera und Piotr RosoÅ‚owski nehmen in ›Der Prinz und der Dybbuk‹ WaszyÅ„skis Spur auf und folgen ihm nach Polen, in die Ukraine und die USA, nach Italien, Israel und Spanien. Für ihr faszinierendes Porträt eines menschlichen Chamäleons, das kontinuierlich Namen, Religion, Titel und Länder wechselte, um seine eigene Lebensgeschichte wie ein Filmdrehbuch zu schreiben, wurden die beiden in Venedig mit dem Löwen für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.
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16:00 ›Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984–1992‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Auch zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist der Einfluss der Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde auf die afroamerikanischen, feministischen und queeren Bewegungen außerordentlich lebendig. Ein wenig beachtetes Kapitel sind dabei ihre Berliner Jahre von 1984 bis 1992, in denen Lorde afro-deutschen Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verhalf und die sozialen Veränderungen in der Stadt kommentierte, die von Mauerfall und Wiedervereinigung geprägt waren.
Zum ersten Mal erlauben persönliche Video- und Audioaufzeichnungen von Dagmar Schultz einen tiefen Blick in das Leben der privaten Audre Lorde, lassen aber auch Mitstreiter, Studierende und Freunde zu Wort kommen. Das außergewöhnliche Porträt wurde im Panorama der Berlinale 2012 uraufgeführt.
Samstag, 23. Mai
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10:00; 14:00 ›Die Jungfrauenmaschine‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Dorothee Müller (Ina Blum), eine junge, naive Hamburger Journalistin, ist ihres aufdringlichen Liebhabers Heinz (Gad Klein) überdrüssig. Mit ihrem schwulen Halbbruder Bruno (Marcelo Uriona) verbindet sie eine unerfüllbare Sehnsucht. Arglos und in aller Unschuld macht sie sich an eine Untersuchung über romantische Liebe – eine Krankheit der Frauen?
Schauplatz ihrer Recherche ist die Praxis eines genusssüchtigen Sexualhormon-Forschers (Peter Kern) und das Affenhaus im Zoo. Aber auch das Studium des Sexualverhaltens der Schimpansen bietet ihr keine Perspektive. Weil sie keine befriedigenden Antworten auf ihre Fragen findet, entschließt sie sich, die alte Welt zu verlassen. Sie reist ins sonnige Kalifornien. Im lebenslustigen San Francisco trifft sie drei unvergessliche Frauen: Dominique (Dominique Gaspar), eine verschmitzte Ungarin aus Uruguay, die sich über die deutsche Arbeitsmoral lustig macht und ihr als hilfreiche Freundin zur Seite steht; Susie Sexpert (Susie Bright), die Spezialistin für sexuelle Genüsse mit ihrer erstaunlichen Dildosammlung; und schließlich die attraktive Ramona (Shelly Mars), die in einem Lesbenlokal einen heißen Strip als geiler Macho hinlegt …
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12:00; 16:00 ›Verführung: Die grausame Frau‹
Quelle Text: Deutsche Kinemathek
Quelle Bild: SalzgeberWanda ist beides, geheimnisvolle Domina und clevere Geschäftsfrau. Ihr Beruf ist es, grausam zu sein – mit der Spezialität, ihre Liebhaber*innen in die Falle namens Verführung zu locken. In ihrer Galerie im Hamburger Hafen inszeniert Wanda sadomasochistische Rituale als bizarre Bühnenshows. Auch in ihrem Privatleben ist Wanda eine souveräne Herrscherin. Der nach Motiven des Romans ›Venus im Pelz‹ von Sacher-Masoch gedrehte Film löste weitreichende Reaktionen aus: Er brachte mit seinen BDSM-Szenen nicht nur den damaligen Bundesinnenminister und den katholischen Filmdienst gegen sich auf. Auch in lesbischen und feministischen Kreisen wurde der Film kontrovers diskutiert – die einen feierten seine subversive Kraft, andere störten sich an der radikalen Zurschaustellung von Sado-Maso-Fantasien. Heute gilt das Werk als avantgardistisch-surrealer Meilenstein und als queerer Selbstausdruck.
Sonntag, 24. Mai
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10:00; 14:00 ›Verzaubert – Lesben und Schwule erzählen Geschichte‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Dreizehn Männer und Frauen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren erzählen in diesem Dokumentarfilmklassiker aus dem Jahr 1992, wie sie den Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit in Hamburg erlebt haben – eine Zeit, in der sich Homosexuelle noch nicht selbstbewusst »lesbisch« oder »schwul« genannt haben, sondern »verzaubert«.
Das hieß: heimliche Romanzen, Vorladungen durch Sittenpolizei und Gestapo, Tarnehen, rosa Winkel, Verfolgung und Vernichtung, aber auch Subkultur und Alltag.
In den Interviews wird nicht versucht, ein bisher »vergessenes« Kapitel der Geschichtsschreibung nachzuliefern, sondern Schwule und Lesben mit ihren sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen und -geschichten selbst zu Wort kommen zu lassen – unterhaltsam und spannend!
›Verzaubert‹ war der erste Film über Schwule und Lesben im Deutschland der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik und entstand als Kollektivarbeit der Hamburger Student*innen Dorothée von Diepenbroick, Jörg Fockele, Jens Golombek, Dirk Hauska, Sylke Jehna, Claudia Kaltenbach, Ulrich Prehn, Johanna Reutter und Katrin Schmersahl.
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12:00; 14:00 ›100 Tage, Genosse Soldat‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Inspiriert von einer Erzählung des russischen Schriftstellers Kuri Poljakov erzählt Regisseur Hussein Erkenov in unvergleichlich poetischen Bildern die Geschichte von fünf jungen Männern, die ihren Militärdienst in der sowjetischen Armee nicht überleben: Einem unbarmherzigen Kreislauf alltäglicher Gewalt ausgesetzt, versuchen sie sich gegen die fortwährenden Demütigungen und Verletzungen ihrer Würde verzweifelt zu wehren. Mit ihren Kameraden finden sie immer wieder Momente des Glücks, der gemeinschaftlichen Nähe und Solidarität. Doch der Ausgang ihres aussichtslosen Kampfes steht von vornherein fest. Letztlich werden sie zu Opfern eines hierarchischen Systems, an dessen Fortbestand die Soldaten selbst nicht unschuldig sind.
›100 Tage, Genosse Soldat‹ aus dem Jahr 1990 gilt als einer der wenigen Klassiker des schwulen Kinos aus Russland, wo Homosexualität noch immer ein Tabu ist. Ein Film wie ein Traum – bildgewaltig, aufwühlend, gefühlvoll und radikal.
Donnerstag, 28. Mai
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Kein Kinoprogramm
Freitag, 29. Mai
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14:00 ›Taxi zum Klo‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1980 löste ›Taxi zum Klo‹ in den Kinos der braven Bundesrepublik einen Skandal aus – und wurde kurz darauf spektakulär mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Heute gilt Frank Ripplohs authentischer und schamloser schwuler Liebesfilm als einer der großen Klassiker des queeren Kinos aus Deutschland.
»Ich mag Männer, bin 30 Jahre alt, von Beruf Lehrer«, sagt Frank, der abends auch schon mal als Peggy ausgeht. Im Fummel lernt er Bernd kennen – und nimmt ihn aus dem Kino direkt mit nach Hause. Von da an sind die beiden ein Paar. Frank genießt das Zusammensein mit Bernd, aber er will auch weiter seine Freiheiten jenseits des trauten Heims: Treffen mit anderen Männern, vor allem anonymen Sex in Parks und auf öffentlichen Toiletten, das Abenteuer, den Exzess. Für die monogame Partnerschaft und ein ruhiges Leben auf dem Bauernhof, wie Bernd es sich wünscht, ist er nicht zu haben. Auf dem jährlichen Tuntenball kommt es zum Eklat …
Mit ›Taxi zum Klo‹ erzählt Regisseur und Hauptdarsteller Frank Ripploh seine eigene Lebensgeschichte: Bevor er mit dem Filmemachen begann, war er Lehrer an einer Schule in West-Berlin, sein offener Umgang mit der eigenen Homosexualität kostete ihn damals seinen Posten. Ripplohs Film ist nicht nur eine erotische, absurd komische Reise in die Schwulenszene der 80er, sondern auch ein berührendes, durch und durch unabhängiges Stück queerer Kinogeschichte.
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16:00 ›Tropical Malady‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Ein Soldat verliebt sich in Thailand in einen Jungen aus der Provinz und schafft es tatsächlich, seine Gunst zu gewinnen. Doch dann verschwindet der Junge in der Dunkelheit – und ein ganz neuer Film scheint zu beginnen, der den Soldaten in die Tiefen des Dschungels und in mystische Tierwelten führt. Mit seinem lyrischen, lustvoll geheimnisvollen Film ›Tropical Malady‹ etablierte sich der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul im Jahr 2004 als Großmeister des internationalen Arthouse-Kinos. Das rätselhafte Kinoerlebnis gewann den Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes, die Zeit feierte den Film als »Sensation des Kinos«, er schaffte es in die Sight-and-Sound-Liste der größten Filme aller Zeiten. Jochen Werner über ein »hypnotisches Meisterwerk«.
Samstag, 30. Mai
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10:00; 14:00 ›The Times of Harvey Milk‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
San Francisco in den 70er Jahren: Rund um die Castro Street entsteht die erste von Schwulen und Lesben geprägte Nachbarschaft der USA. Zum Symbol für das wachsende Selbstbewusstsein der queeren Menschen des Viertels wird der Aktivist Harvey Milk: Als selbsternannter Bürgermeister der Castro Street kämpft er für gleiche Rechte – und wird als erster offen schwuler Mann zum Stadtrat gewählt. Knapp elf Monate später wird Harvey Milk im Rathaus von einem politischen Rivalen erschossen. Doch als Ikone queerer Selbstermächtigung bleibt er unsterblich.
Mit ›The Times of Harvey Milk‹ haben die Filmemacher Robert Epstein und Richard Schmiechen selbst ein mitreißendes Stück Bewegungsgeschichte geschaffen. Über seltenes Archivmaterial und Interviews mit Vertrauten Milks porträtieren sie den Bürgerrechtler als empathischen, schlagfertigen und charismatischen Mann des Volkes. Was ihn angetrieben hat, erklärt Harvey Milk dabei selbst: in einer bewegenden Tonbandaufzeichnung, die er für den Fall seiner Ermordung aufgenommen hatte. 1985 gewann ›The Times of Harvey Film‹ den Oscar für den besten Dokumentarfilm.
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12:00 ›Tropical Malady‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Ein Soldat verliebt sich in Thailand in einen Jungen aus der Provinz und schafft es tatsächlich, seine Gunst zu gewinnen. Doch dann verschwindet der Junge in der Dunkelheit – und ein ganz neuer Film scheint zu beginnen, der den Soldaten in die Tiefen des Dschungels und in mystische Tierwelten führt. Mit seinem lyrischen, lustvoll geheimnisvollen Film ›Tropical Malady‹ etablierte sich der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul im Jahr 2004 als Großmeister des internationalen Arthouse-Kinos. Das rätselhafte Kinoerlebnis gewann den Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes, die Zeit feierte den Film als »Sensation des Kinos«, er schaffte es in die Sight-and-Sound-Liste der größten Filme aller Zeiten. Jochen Werner über ein »hypnotisches Meisterwerk«.
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16:00 ›Taxi zum Klo‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1980 löste ›Taxi zum Klo‹ in den Kinos der braven Bundesrepublik einen Skandal aus – und wurde kurz darauf spektakulär mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Heute gilt Frank Ripplohs authentischer und schamloser schwuler Liebesfilm als einer der großen Klassiker des queeren Kinos aus Deutschland.
»Ich mag Männer, bin 30 Jahre alt, von Beruf Lehrer«, sagt Frank, der abends auch schon mal als Peggy ausgeht. Im Fummel lernt er Bernd kennen – und nimmt ihn aus dem Kino direkt mit nach Hause. Von da an sind die beiden ein Paar. Frank genießt das Zusammensein mit Bernd, aber er will auch weiter seine Freiheiten jenseits des trauten Heims: Treffen mit anderen Männern, vor allem anonymen Sex in Parks und auf öffentlichen Toiletten, das Abenteuer, den Exzess. Für die monogame Partnerschaft und ein ruhiges Leben auf dem Bauernhof, wie Bernd es sich wünscht, ist er nicht zu haben. Auf dem jährlichen Tuntenball kommt es zum Eklat …
Mit ›Taxi zum Klo‹ erzählt Regisseur und Hauptdarsteller Frank Ripploh seine eigene Lebensgeschichte: Bevor er mit dem Filmemachen begann, war er Lehrer an einer Schule in West-Berlin, sein offener Umgang mit der eigenen Homosexualität kostete ihn damals seinen Posten. Ripplohs Film ist nicht nur eine erotische, absurd komische Reise in die Schwulenszene der 80er, sondern auch ein berührendes, durch und durch unabhängiges Stück queerer Kinogeschichte.
Sonntag, 31. Mai
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10:00; 14:00 ›Kamikaze Hearts‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
San Francisco in den 1980ern. Jungregisseurin Tigr versucht in der Pornoindustrie Fuß zu fassen. In ihrem neuen Film, einer Sexparodie der Oper ›Carmen‹, spielt ihre erfahrene Partnerin Mitch die Hauptrolle. Nach der letzten Klappe haben die Frauen miteinander Sex und sprechen darüber, was die Erlebnisse am Set mit ihnen und ihrer Beziehung machen. Zwischen toxischen Produzenten und Drogenexzessen versuchen sich die beiden als Geliebte nicht zu verlieren.
In Juliet Bashores queerem Filmklassiker ›Kamikaze Hearts‹ verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion: Tigr und Mitch waren wirklich ein Paar und arbeiteten zusammen in der Pornoindustrie; im Film wechseln sich gespielte Szenen ab mit dokumentarischen Beobachtungen. So entsteht das schonungslose Porträt eine Branche, in der damals Misogynie, Machtmissbrauch und intensiver Drogenkonsum an der Tagesordnung waren – aber auch ein selbstreflexiver sexpositiver und queerfeministischer Film über eine leidenschaftliche und alles verzehrende Liebe.
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12:00; 14:00 ›Fucking Åmål‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Agnes lebt in Åmål, einem schwedischen Kaff, in dem nie etwas passiert und aus dem alle nur weg wollen. In ihrer Klasse gilt sie als Außenseiterin. Dass sie heimlich in Elin, das beliebteste Mädchen der Schule, verliebt ist, weiß niemand – bis Elin sie auf einer Geburtstagsparty plötzlich küsst. Was eigentlich als blöde Mutprobe gedacht war, ist der Beginn einer engen Freundschaft, in der sich Elin bald fragen muss, wie tief ihre Gefühle für Agnes eigentlich gehen. Und auf einmal gibt es ganz viele Gründe, in Åmål zu bleiben.
Schmetterlinge im Bauch, Coming-out und das erste Mal. ›Fucking Åmål‹ (1998) von Lukas Moodysson zählt noch immer zu den schönsten Coming-of-Age-Filmen der 90er Jahre. Es geht um Sehnsucht, die Freude und den Schmerz des Verliebtseins, die komischen und herzzerreißenden Aspekte des Erwachsenwerdens – und um den Mut, der nötig ist, um anders als die anderen zu sein. Jetzt kehrt einer der lesbischen Filmklassiker überhaupt endlich auf der großen Leinwand zurück!
Donnerstag, 4. Juni
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14:00 ›Young Soul Rebels‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
London im Sommer 1977. Während sich die Stadt gerade auf die Feierlichkeiten zum silbernen Thronjubiläum der Queen vorbereitet, basteln die schwulen Soul Boys und Piraten-DJs Chris und Caz an ihrem Radioprogramm, das sie von einer Garage heraus senden. Tagsüber müssen sie sich mit Skinheads herumschlagen, abends gehen sie mit Chris’ Schwester in die angesagten Clubs tanzen. Doch als ein Freund beim Cruisen im Park ermordet wird, drohen die sozialen Spannungen im Viertel überzukochen.
Isaac Juliens Film ist ein raffinierter Mix aus Thriller und schwulem Liebesdrama – und zeichnet ein authentisches Bild der britischen Jugendkulturen der späten 1970er Jahre. ›Young Soul Rebels‹ war bahnbrechend für das British Black Cinema und das New Queer Cinema der 1990er Jahre und kann nun endlich in restaurierter Fassung und zu den souligen Soundtrack-Klängen von Funkadelic, X-Ray Spex, Parliament und Sylvester auch in Deutschland wiederentdeckt werden!
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16:00 ›Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 versucht die junge Fotografin Libuše Jarcovjáková mit ihren Bildern den Zwängen des repressiven tschechoslowakischen Regimes zu entkommen. Sie will herausfinden, wer sie sein möchte, und geht dafür auf die Straßen von Prag, in verstaubte Kneipen, zur Nachtschicht in eine Druckerei, in die Communities der Roma und vietnamesischen Migrant*innen. Schnappschüsse von Nacktheit, Sex und Alkohol wechseln sich ab mit Bildern von Lethargie und Restriktionen. Als sie wegen Fotos aus einem Schwulenclub Probleme mit der Polizei bekommt, geht Libuše eine Scheinehe ein und zieht nach Berlin. Doch auch die neue Welt ist voller Hindernisse. Mit ihrem letzten Geld fliegt sie nach Tokio, wo ihr der Durchbruch als Modefotografin gelingt. Aber das ist nicht das Leben, das Libuše leben will. Sie kehrt erst nach Berlin und später nach Prag zurück. Ihre Rückschläge und Erfolge, ihre Gefühle und Beziehungen und ihre nie endende Suche nach sich selbst sind festgehalten in ihren Bildern und Tagebüchern.
In welcher Welt lebe ich? Wer bin ich? Wie möchte ich leben? Aus Libuše Jarcovjákovás Werk von zehntausenden Negativen und dutzenden Tagebüchern hat die tschechische Regisseurin Klára Tasovská einen poetischen Filmessay montiert. ›Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte‹ erzählt von einem besonderen Künstlerinnenleben und einer bewegenden Reise in die Freiheit, die sich über sechs Jahrzehnte spannt und von der sowjetisch »normalisierten« ÄŒSSR der späten 1960er und frühen 70er über das Ost-Berlin der 80er bis ins Prag nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und von heute führt.
Freitag, 5. Juni
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14:00 ›Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 versucht die junge Fotografin Libuše Jarcovjáková mit ihren Bildern den Zwängen des repressiven tschechoslowakischen Regimes zu entkommen. Sie will herausfinden, wer sie sein möchte, und geht dafür auf die Straßen von Prag, in verstaubte Kneipen, zur Nachtschicht in eine Druckerei, in die Communities der Roma und vietnamesischen Migrant*innen. Schnappschüsse von Nacktheit, Sex und Alkohol wechseln sich ab mit Bildern von Lethargie und Restriktionen. Als sie wegen Fotos aus einem Schwulenclub Probleme mit der Polizei bekommt, geht Libuše eine Scheinehe ein und zieht nach Berlin. Doch auch die neue Welt ist voller Hindernisse. Mit ihrem letzten Geld fliegt sie nach Tokio, wo ihr der Durchbruch als Modefotografin gelingt. Aber das ist nicht das Leben, das Libuše leben will. Sie kehrt erst nach Berlin und später nach Prag zurück. Ihre Rückschläge und Erfolge, ihre Gefühle und Beziehungen und ihre nie endende Suche nach sich selbst sind festgehalten in ihren Bildern und Tagebüchern.
In welcher Welt lebe ich? Wer bin ich? Wie möchte ich leben? Aus Libuše Jarcovjákovás Werk von zehntausenden Negativen und dutzenden Tagebüchern hat die tschechische Regisseurin Klára Tasovská einen poetischen Filmessay montiert. ›Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte‹ erzählt von einem besonderen Künstlerinnenleben und einer bewegenden Reise in die Freiheit, die sich über sechs Jahrzehnte spannt und von der sowjetisch »normalisierten« ÄŒSSR der späten 1960er und frühen 70er über das Ost-Berlin der 80er bis ins Prag nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und von heute führt.
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16:00 ›Young Soul Rebels‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
London im Sommer 1977. Während sich die Stadt gerade auf die Feierlichkeiten zum silbernen Thronjubiläum der Queen vorbereitet, basteln die schwulen Soul Boys und Piraten-DJs Chris und Caz an ihrem Radioprogramm, das sie von einer Garage heraus senden. Tagsüber müssen sie sich mit Skinheads herumschlagen, abends gehen sie mit Chris’ Schwester in die angesagten Clubs tanzen. Doch als ein Freund beim Cruisen im Park ermordet wird, drohen die sozialen Spannungen im Viertel überzukochen.
Isaac Juliens Film ist ein raffinierter Mix aus Thriller und schwulem Liebesdrama – und zeichnet ein authentisches Bild der britischen Jugendkulturen der späten 1970er Jahre. ›Young Soul Rebels‹ war bahnbrechend für das British Black Cinema und das New Queer Cinema der 1990er Jahre und kann nun endlich in restaurierter Fassung und zu den souligen Soundtrack-Klängen von Funkadelic, X-Ray Spex, Parliament und Sylvester auch in Deutschland wiederentdeckt werden!
Samstag, 6. Juni
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10:00; 14:00 ›Escape to Life‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
»Waren wir doch Teile voneinander – so sehr, dass ich ohne ihn im Grunde gar nicht zu denken bin.« So schrieb Erika Mann über ihren Bruder Klaus. Die begabten Kinder des übermächtigen »Zauberers« Thomas Mann waren unzertrennlich. Ihre schillernden Biografien sind Ausdruck ihrer Zeit: Sie waren Schriftsteller, homosexuelle Bohemiens, Schauspieler, Reisende und überzeugte Antifaschisten.
›Escape to Life‹ erzählt die dramatische Lebensgeschichte des Geschwisterpaares und versammelt dabei die ganze Spannung, Hoffnung und Tragödie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in sich: die liberalen 1920er Jahre, der Kampf gegen das Hitler-Regime und das Exil nach 1945.
Andrea Weiss (›Paris Was a Woman‹) und Wieland Speck (›Westler‹) erzählen die eng verflochtenen Biografien von Klaus und Erika in gekonntem Wechsel von seltenen Archivaufnahmen, Interviews mit Zeitgenossen und Spielszenen nach Motiven von Klaus Mann. Eine faszinierende, vielschichte Hommage an ein ungewöhnliches Geschwisterpaar – in digital restaurierter Fassung!
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12:00; 16:00 ›Westler‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Berlin, Mitte der 1980er Jahre. ›Westler‹ Felix und Thomas aus Ostberlin leben nur wenige Kilometer voneinander entfernt – und doch in zwei unterschiedlichen Welten. Zwischen ihnen liegt die Berliner Mauer, pro Woche können sie sich nur einen Tag sehen und pro Tag nur vier, fünf Stunden. Mit ihren Gefühlen zueinander wachsen mit jeder erzwungenen abendlichen Trennung auch die Verzweiflung und der Schmerz. Irgendwann weiß Thomas nur noch einen Ausweg: die Flucht aus der DDR, über Prag in den Westen, zu Felix.
Ein Film über die Liebe in einer Zeit, in der eine Mauer Freunde, Familien und Paare voneinander trennte. Regisseur Wieland Speck und sein Team mussten im Ostteil Berlins zum Teil mit versteckter Kamera drehen. Belohnt wurden sie mit Einblicken in eine Stadt, die es so nicht mehr gibt – und mit Authentizität und rauer Schönheit.
Sonntag, 7. Juni
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10:00; 14:00 ›Die Zeugen‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Paris, im Sommer 1984. Der zwanzigjährige Manu (Johan Libéreau) kommt nach Paris auf der Suche nach einem Job und zieht zu seiner Schwester Julie (Julie Depardieu). Beim Cruising im Park lernt er den älteren Arzt Adrien (Michel Blanc) kennen, der sich in ihn verliebt. Auf einer Bootstour mit Adrien macht Manu die Bekanntschaft des jungen Paares Sarah (Emanuelle Béart) und Mehdi (Sami Bouajila), die gerade ein Kind bekommen haben. Über alle sozialen und moralischen Grenzen hinweg beginnen Manu und Mehdi eine Affäre, die Auswirkungen auf die gesamte Gruppe der vom Zufall zusammengeführten Menschen hat.
›Die Zeugen‹ wurde auf der Berlinale 2007 als neues Meisterwerk von André Téchiné (›Wilde Herzen‹) gefeiert. Sami Bouajila (›Felix‹) erhielt für seine Darstellung den César.
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12:00; 16:00 ›Buddies‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
›Buddies‹ war 1985 der erste Spielfilm über die Aids-Epidemie. Jetzt kehrt Arthur J. Bressan Jr.s Meilenstein des schwulen Kinos in restaurierter Fassung zurück.
New York im Sommer 1985. Der 25-jährige schwule Schriftsetzer David will etwas gegen die Aids-Epidemie tun und meldet sich freiwillig bei einem Community-Programm an, das »buddies« an Menschen vermittelt, die von HIV betroffen sind. So lernt er den 32-jährigen Aktivisten Robert kennen, der nach seiner Erkrankung von Partner und Freunden im Stich gelassen wurde. In einem kleinen Krankenhauszimmer reden die zwei jungen Männer über ihr Leben, die richtige Haltung zum Schwulsein, über leidenschaftlichen Sex und die Angst vor dem Tod. Dann verschlechtert sich Roberts Zustand rapide…
Bressan Jr.s Film ist eine zutiefst berührende Studie über Leben und Sterben zu Zeiten von Aids – und ein zeitloses Dokument schwuler Solidarität.
Donnerstag, 11. Juni
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14:00 ›Queercore – How to Punk a Revolution‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Was machst Du, wenn es die offene Gemeinschaft, die Du als queerer Punk dringend brauchst, nicht gibt? Rede Dir einfach ein, es gibt sie doch! Klebe und drucke Fanzines, drehe und vertreibe subversive Filme, schreibe anarchistische Songs, do it yourself und vor allem: don’t give a fuck! Nach und nach wird aus der anfänglichen Pseudo-Gemeinschaft eine revolutionäre Welle werden, ja eine internationale Bewegung … Queercore: How to Punk a Revolution erzählt die Geschichte jener losen Gruppe von nordamerikanischen Punk-Künstler*innen, die in den 1980er und 90er Jahren ihre queeren Identitäten radikal ins Zentrum der eigenen Arbeiten rückten – und sich damit nicht nur gegen die damals von heterosexuellen Männern dominierte und latent homophobe Punk-Szene auflehnten, sondern auch gegen den allzu angepassten schwulen Mainstream.
Regisseur Yony Leyser (›William S. Burroughs – A Man Within‹, ›Desire Will Set You Free‹) lässt dazu die schillernden Schlüsselfiguren der Bewegung zur Wort kommen: die Filmemacher*innen Bruce LaBruce und G.B. Jones, die Musiker*innen Kim Gordon (Sonic Youth), Jody Bleyle (Team Dresch) und Kathleen Hana (Bikini Kill), ihren schamlosen Wegbereiter John Waters – und viele mehr. Künstler*innen wie Beth Ditto und Peaches erzählen, wie die Bewegung ihr Verständnis von queerem Leben und Denken, das sich von allen normativen Einschränkungen löst, geprägt hat. Filmclips, Konzertausschnitte und Aufnahmen der spektakulärsten Aktionen dokumentieren das vielschichtige Schaffen der Szene. Leysers mitreißendes Szene-Porträt schließt nicht nur eine klaffende Lücke innerhalb der nicht-heterosexuellen Geschichtsschreibung, es ist auch ein wilder Appell gegen jede Form der falschen Anpassung.
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16:00 ›No Skin Off My Ass‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Ein Punk-Friseur mit besonderen Vorlieben gabelt in einem Park in Toronto einen hübschen jungen Skinhead auf. Er nimmt ihn mit nach Hause, zieht ihn aus, badet ihn und sperrt ihn im Schlafzimmer ein. Dem Skin gelingt die Flucht ins Apartment seiner Schwester, die ihn sofort ihrerseits als Darsteller für einen lesbischen Undergroundfilm missbraucht. Reumütig kehrt der Skin zum Friseur zurück, um sich seine eigenen sexuellen Wünschen zu erfüllen.
Punks, ein Skin, expliziter Sex, SM und schwarzer Humor. Der erste Film von Bruce LaBruce, der selbst den Friseur spielt, hat auch nach 30 Jahren nichts von seiner lustvollen Kraft verloren. In der Rolle der Schwester ist G.B. Jones zu sehen, die zusammen mit LaBruce das berüchtigte Queercore-Fanzine J.D.s gründete. ›No Skin Off My Ass‹ gilt als radikaler Vorläufer des New Queer Cinema und widerspricht politisch und ästhetisch jeder Hetero-Norm. Ursprünglich auf körnigem Super-8 gedreht und ausgestattet mit einem wilden Soundtrack von Punk-Bands wie Frightwig und Beefeater, jetzt in digital restaurierter Fassung.
Freitag, 12. Juni
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14:00 ›No Skin Off My Ass‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Ein Punk-Friseur mit besonderen Vorlieben gabelt in einem Park in Toronto einen hübschen jungen Skinhead auf. Er nimmt ihn mit nach Hause, zieht ihn aus, badet ihn und sperrt ihn im Schlafzimmer ein. Dem Skin gelingt die Flucht ins Apartment seiner Schwester, die ihn sofort ihrerseits als Darsteller für einen lesbischen Undergroundfilm missbraucht. Reumütig kehrt der Skin zum Friseur zurück, um sich seine eigenen sexuellen Wünschen zu erfüllen.
Punks, ein Skin, expliziter Sex, SM und schwarzer Humor. Der erste Film von Bruce LaBruce, der selbst den Friseur spielt, hat auch nach 30 Jahren nichts von seiner lustvollen Kraft verloren. In der Rolle der Schwester ist G.B. Jones zu sehen, die zusammen mit LaBruce das berüchtigte Queercore-Fanzine J.D.s gründete. ›No Skin Off My Ass‹ gilt als radikaler Vorläufer des New Queer Cinema und widerspricht politisch und ästhetisch jeder Hetero-Norm. Ursprünglich auf körnigem Super-8 gedreht und ausgestattet mit einem wilden Soundtrack von Punk-Bands wie Frightwig und Beefeater, jetzt in digital restaurierter Fassung.
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16:00 ›Queercore – How to Punk a Revolution‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Was machst Du, wenn es die offene Gemeinschaft, die Du als queerer Punk dringend brauchst, nicht gibt? Rede Dir einfach ein, es gibt sie doch! Klebe und drucke Fanzines, drehe und vertreibe subversive Filme, schreibe anarchistische Songs, do it yourself und vor allem: don’t give a fuck! Nach und nach wird aus der anfänglichen Pseudo-Gemeinschaft eine revolutionäre Welle werden, ja eine internationale Bewegung … Queercore: How to Punk a Revolution erzählt die Geschichte jener losen Gruppe von nordamerikanischen Punk-Künstler*innen, die in den 1980er und 90er Jahren ihre queeren Identitäten radikal ins Zentrum der eigenen Arbeiten rückten – und sich damit nicht nur gegen die damals von heterosexuellen Männern dominierte und latent homophobe Punk-Szene auflehnten, sondern auch gegen den allzu angepassten schwulen Mainstream.
Regisseur Yony Leyser (›William S. Burroughs – A Man Within‹, ›Desire Will Set You Free‹) lässt dazu die schillernden Schlüsselfiguren der Bewegung zur Wort kommen: die Filmemacher*innen Bruce LaBruce und G.B. Jones, die Musiker*innen Kim Gordon (Sonic Youth), Jody Bleyle (Team Dresch) und Kathleen Hana (Bikini Kill), ihren schamlosen Wegbereiter John Waters – und viele mehr. Künstler*innen wie Beth Ditto und Peaches erzählen, wie die Bewegung ihr Verständnis von queerem Leben und Denken, das sich von allen normativen Einschränkungen löst, geprägt hat. Filmclips, Konzertausschnitte und Aufnahmen der spektakulärsten Aktionen dokumentieren das vielschichtige Schaffen der Szene. Leysers mitreißendes Szene-Porträt schließt nicht nur eine klaffende Lücke innerhalb der nicht-heterosexuellen Geschichtsschreibung, es ist auch ein wilder Appell gegen jede Form der falschen Anpassung.
Samstag, 13. Juni
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10:00; 14:00 ›Paris Was a Woman‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Colette, Djuna Barnes, Gertrude Stein, Natalie Cillford Barney. Jede einzelne von ihnen ein Genie. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trafen diese berühmtesten Künstlerinnen der Moderne in Paris zusammentrafen. Sie begegneten einander nicht zufällig, sondern sie entschieden sich bewusst für die Gemeinschaft. Was sie vereinte war die Liebe zu Paris, dessen weiblicher Flair es ihnen ermöglichte, sich auf unkonventionelle und selbständige Weise zu verwirklichen und dabei radikale Wege zu beschreiten. Paris bot ihnen die Freiheit, zu leben und zu lieben, wie und wen sie wollten – auch wenn es, wie in ihrem Fall, meistens andere Frauen waren.
Durch grundlegende Recherche, bisher unveröffentlichtem Filmmaterial, sowie durch Gemälde, Zeichnungen, literarische Fragmente und so manche Anekdote lässt Greta Schiller in ihrem Film die Stimmung und das Lebensgefühl dieser Frauen und der Stadt, in der sie lebten, lebendig werden. Ein neuer Blick auf das zauberhafte Paris der 20er und 30er Jahre.
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12:00; 16:00 ›Pink Narcissus‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
›Pink Narcissus‹ zelebriert die Schönheit einer einzigen Person: Bobby Kendall. Der begehrenswerte Narziss entführt in obsessiv erotische Traumwelten, in denen er sich wahlweise als Torero, römischer Sklave, Stricher oder verliebter Draufgänger stilisiert. Schwuler Pop!
Fast sechseinhalb Jahre arbeitete James Bidgood (1933-2022) in seiner zum Filmstudio umfunktionierten Wohnung an diesem Kultklassiker, der 1999 im Museum of Modern Art als Meisterwerk des Kitschy Glitz gewürdigt wurde.
Sonntag, 14. Juni
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10:00; 14:00 ›Wilde Herzen‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Letzte Schultage im Sommer 1962. Vier Jugendliche warten auf ihre Abiturzeugnisse, ihre Herzen sind in Aufruhr. Maïté ist in ihren besten Freund verliebt, den stillen Bücherwurm François. Der wiederum entdeckt seine Liebe zum Bauernsohn Serge. Henri dagegen schwärmt für Maïté. Am idyllischen Ufer der Garonne machen die Schüler ihre ersten Schritte ins Erwachsenwerden, während im Hintergrund der Algerienkrieg tobt. André Téchinés Meisterwerk ›WILDE HERZEN‹ wurde 1995 mit vier Césars ausgezeichnet. Die Karrieren von Gaël Morel, Elodie Bouchez und Stéphane Rideau nahmen hier ihren Anfang. Einer der größten Klassiker des französischen queeren Kinos.
»Da legt der eine Junge den Kopf auf den Rücken des anderen, und auf einmal setzt Musik ein. Mehr passiert nicht. Man sieht nicht nur das Glück des Jungen, mit seinem Freund zusammensein und seine Nähe spüren zu dürfen – man hört es plötzlich auch. Das ist nur eine kleine filmische Geste, aber eine ganze Welt liegt darin.« (Michael Althen in der ZEIT)
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12:00; 16:00 ›Prinz in Hölleland‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Berlin, Anfang der 1990er. Jockel und Stefan sind ein schwules Paar. Wie viele sind sie aus der Provinz gekommen, um hier ein freieres und geiles Leben zu führen. Sie wohnen auf dem Bauwagenplatz, gehen beide auch mal mit Micha ins Bett und hängen mit den Junkies am Kottbusser Tor ab. Jockel hat gerade das Heroin entdeckt – und zwischen Highsein und Entzugserscheinungen verliert er allmählich Stefan und die Freiheit aus den Augen. Der Narr Firlefanz erzählt ihm das Märchen vom Prinz in Hölleland, der den schönen Müllersbuschen liebt, aber vom Pulver des bösen Zaubers auf den falschen Weg gebracht wird. Für den Prinz geht die Geschichte gut aus – aber auch für Jockel und Stefan?
Der Debütfilm von Michael Stock (›Postcard to Daddy‹) ist ein direkter, dreckiger, poetischer Szenefilm. Gedreht wurde in Kreuzberg an legendären Orten wie dem Café Anal. Fassbinder-Star Harry Baer und Sängerin Andreja Schneider haben Gastauftritte. In Saarbrücken erhielt ›Prinz in Hölleland‹ den Publikumspreis. Und auch zwischen den USA und Japan war man von der ungeschönten Sprache und der unverblümten Erotik des kleinen, sexy Indie-Films aus Deutschland begeistert. Ein wunderbares queeres Märchen!
Donnerstag, 18. Juni
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14:00 ›I Am Not Your Negro‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Als der US-Schriftsteller James Baldwin im Dezember 1987 starb, hinterließ er ein 30-seitiges Manuskript mit dem Titel ›Remember This House‹. Das Buch sollte eine persönliche Auseinandersetzung mit den Biografien dreier enger Freunde werden, die alle bei Attentaten ermordet wurden: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die persönlichen Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler verknüpft Baldwin mit einer Reflektion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Schwarzer in den USA.
›I Am Not Your Negro‹ schreibt Baldwins furioses Fragment im Geiste des Autors filmisch fort und verdichtet es zu einer beißenden Analyse der Repräsentation von Afro-Amerikaner*innen in der US-Kulturgeschichte. Baldwins Worte ertönen über Archivfotos, Filmausschnitte und Nachrichten-Clips der 1950er und 60er Jahre, die noch von Rassentrennung und einer beinah vollkommenen Unsichtbarkeit der Schwarzen in Hollywood geprägt waren; sie erzählen von der Formierung der schwarzen Bürger*innenrechtsbewegung und Baldwins kompliziertem Verhältnis zur Black-Power-Movement. In einer kühnen Erweiterung des literarischen Texts spannt der Film den Bogen bis in die Jetztzeit: zur noch heute gegenwärtigen weißen Polizeigewalt gegen Schwarze, den Rassenunruhen von Ferguson und Dallas und der Black-Lives-Matter-Bewegung.
In einem hochpolitischen Prozess der Aneignung schreibt ›I Am Not Your Negro‹ damit die US-Geschichte aus einer bis heute unterdrückten Perspektive neu. Der aus Haiti stammende Regisseur Raoul Peck (›Lumumba‹, 1992/2000; ›Der Mann auf dem Quai‹, 1993; ›Der junge Karl Marx‹, 2017) wurde für seinen mitreißenden Dokumentarfilm-Essay auf der Berlinale 2017 mit dem Panorama-Publikums-Preis ausgezeichnet und für den Oscar nominiert.
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16:00 ›Hustler White‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Der liebeskranke Autor Jürgen Anger reist nach Los Angeles, um dort die berüchtigte Sexworker-Szene zu erforschen. Als er dem bildhübschen Stricher Monti Ward begegnet, ist es um jede professionelle Distanz geschehen. Anger ist derart besessen von dem Objekt seiner Begierde, dass er Monti durch die ganze Stadt verfolgt, vorbei an Szenarien eruptiver Gewalt und sexueller Lusterfüllung. Über allem schwebt die Frage: Haben die beiden in der rauen Realität käuflicher Liebe als Paar eine Chance?
Inspiriert von ›Sunset Boulevard‹, ›Tod in Venedig‹ und den Sexfilmen Andy Warhols erzählt ›Hustler White‹ selbstreflexiv und verspielt von lustvoller Besessenheit und der großen Liebe an den äußersten Rändern der US-Traumfabrik. Mit festem Blick auf Authentizität haben Bruce LaBruce und Rick Castro ihre romantisch-explizite Stricher-Komödie an Originalschauplätzen auf dem Santa Monica Boulevard gedreht. Neben LaBruce und Model Tony Ward sind zahlreiche queere Underground-Stars wie Ron Athey und Vaginal Davis in Nebenrollen zu sehen. Ein Klassiker des schwulen Stricherkinos – in digital restaurierter Fassung!
Freitag, 19. Juni
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14:00 ›Hustler White‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Der liebeskranke Autor Jürgen Anger reist nach Los Angeles, um dort die berüchtigte Sexworker-Szene zu erforschen. Als er dem bildhübschen Stricher Monti Ward begegnet, ist es um jede professionelle Distanz geschehen. Anger ist derart besessen von dem Objekt seiner Begierde, dass er Monti durch die ganze Stadt verfolgt, vorbei an Szenarien eruptiver Gewalt und sexueller Lusterfüllung. Über allem schwebt die Frage: Haben die beiden in der rauen Realität käuflicher Liebe als Paar eine Chance?
Inspiriert von ›Sunset Boulevard‹, ›Tod in Venedig‹ und den Sexfilmen Andy Warhols erzählt ›Hustler White‹ selbstreflexiv und verspielt von lustvoller Besessenheit und der großen Liebe an den äußersten Rändern der US-Traumfabrik. Mit festem Blick auf Authentizität haben Bruce LaBruce und Rick Castro ihre romantisch-explizite Stricher-Komödie an Originalschauplätzen auf dem Santa Monica Boulevard gedreht. Neben LaBruce und Model Tony Ward sind zahlreiche queere Underground-Stars wie Ron Athey und Vaginal Davis in Nebenrollen zu sehen. Ein Klassiker des schwulen Stricherkinos – in digital restaurierter Fassung!
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16:00 ›I Am Not Your Negro‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Als der US-Schriftsteller James Baldwin im Dezember 1987 starb, hinterließ er ein 30-seitiges Manuskript mit dem Titel ›Remember This House‹. Das Buch sollte eine persönliche Auseinandersetzung mit den Biografien dreier enger Freunde werden, die alle bei Attentaten ermordet wurden: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die persönlichen Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler verknüpft Baldwin mit einer Reflektion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Schwarzer in den USA.
›I Am Not Your Negro‹ schreibt Baldwins furioses Fragment im Geiste des Autors filmisch fort und verdichtet es zu einer beißenden Analyse der Repräsentation von Afro-Amerikaner*innen in der US-Kulturgeschichte. Baldwins Worte ertönen über Archivfotos, Filmausschnitte und Nachrichten-Clips der 1950er und 60er Jahre, die noch von Rassentrennung und einer beinah vollkommenen Unsichtbarkeit der Schwarzen in Hollywood geprägt waren; sie erzählen von der Formierung der schwarzen Bürger*innenrechtsbewegung und Baldwins kompliziertem Verhältnis zur Black-Power-Movement. In einer kühnen Erweiterung des literarischen Texts spannt der Film den Bogen bis in die Jetztzeit: zur noch heute gegenwärtigen weißen Polizeigewalt gegen Schwarze, den Rassenunruhen von Ferguson und Dallas und der Black-Lives-Matter-Bewegung.
In einem hochpolitischen Prozess der Aneignung schreibt ›I Am Not Your Negro‹ damit die US-Geschichte aus einer bis heute unterdrückten Perspektive neu. Der aus Haiti stammende Regisseur Raoul Peck (›Lumumba‹, 1992/2000; ›Der Mann auf dem Quai‹, 1993; ›Der junge Karl Marx‹, 2017) wurde für seinen mitreißenden Dokumentarfilm-Essay auf der Berlinale 2017 mit dem Panorama-Publikums-Preis ausgezeichnet und für den Oscar nominiert.
Samstag, 20. Juni
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10:00; 14:00 ›Gendernauts‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
›Gendernauts‹ – eine Reise durch das Land der Neuen Geschlechter – erforscht das Phänomen von Transgender. Ort: San Francisco. Zeit: am Ende des zweiten Jahrtausends. Der Film zeigt Gender-Mixer und sexuelle Cyborgs, die ihre Körper mit Hilfe neuer Technologien und Biochemie verändern und damit die Identität von männlich und weiblich in Frage stellen. Auf die Frage: Sind Sie ein Mann oder eine Frau? antworten die Gendernauten mit Ja. ›Gendernauts‹ stellt uns eine Gruppe faszinierender Künstler*innen in Kalfornien vor, die zwischen den Polen herkömmlicher Geschlechter-Identität leben. Wie die Kosmonaut*innen durch das Weltall und die Cybernaut*innen durch die Netzkultur, so reisen die Gendernaut*innen durch die vielfältigen Welten der Sexualität …
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12:00; 16:00 ›Genderation‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Über zwei Jahrzehnte nach ›Gendernauts‹ (1999) kehrt Monika Treut nach Kalifornien zurück, um die Protagonist*innen ihres bahnbrechenden queeren Filmklassikers wiederzutreffen. Sandy Stone, Susan Stryker, Stafford und Max Wolf Valerio waren einst die jungen Pionier*innen der trans Bewegung und lebten fast alle in der damaligen Außenseitermetropole San Francisco. Heute sind sie zwischen 58 und 84 Jahre alt, und kaum eine:r kann es sich noch leisten, in der Stadt zu wohnen. Doch die Energie der Gendernauts und ihrer Unterstützer*innen Annie Sprinkle und Beth Stephens ist ungebrochen.
Wie hat sich ihr Leben verändert? Wie gehen sie als Bürgerrechts-Aktivist*innen mit der rechtskonservativen Politik um, die die lange erkämpften Rechte der Minderheiten bedroht? ›Genderation‹ wirft einen utopischen Blick zurück und zeigt den kreativen Widerstand der Gendernauts gegen die bedrohlichen Lebensbedingungen in den US of A.
Sonntag, 21. Juni
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10:00; 14:00 ›Looking for Langston‹ + ›The Attendant‹ (Kurzfilm)
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Harlem in den 1920er Jahren. Im schwulen Nachtleben zwischen Musik, Bällen, Drogen und Sex sucht Alex nach Beauty, dem Objekt seiner Begierde. ›Looking for Langston‹ ist eine poetische Meditation über schwarze schwule Sexualität, angelehnt an die Biographie des Schwarzen Dichters der Harlem Renaissance: Langston Hughes. Ein Film von großer visueller, erotischer und sprachlicher Kraft über eine narzisstische Subkultur junger schöner Schwarzer Männer. Der Regisseur Issac Julien schafft eine Balance zwischen Bildern und Gedichten, dramatischen Spielszenen und Archivaufnahmen, die vom Rhythmus des Blues unterlegt ist – selten wurde das, was Harlem in den Zwanziger bis Vierzigerjahren gewesen ist, so lebendig und sinnlich vermittelt. Da ›Looking for Langston‹ das Lebensgefühl dieses Ortes, seine Musik, seine Kunstszene und die schwulen Partys mit Szenen aus dem New York der späten 80er kombiniert, ist dies auch eine zeitlose Erkundung schwulen Begehrens zwischen Schwarz und Weiß geworden.
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12:00; 16:00 ›Beautiful Thing‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Wer diesen Film noch nicht kennt oder viel zu lange nicht mehr gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen! 1996 hat Hettie MacDonalds ›Beautiful Thing‹ die Herzen der Kinozuschauer*innen erobert und gilt als einer der schönsten Coming-Out-Filme überhaupt. Kurz vor seinem 25. Geburtstag kehrt der Film in einer digital restaurierten Fassung zurück.
Erzählt wird die Geschichte der beiden 15-jährigen Jungs Jamie und Ste, die Tür an Tür in einer Londoner Hochhaussiedlung wohnen. Jamie ist schüchtern und kämpft wie seine alleinerziehende Mutter jeden Tag um Respekt und Anerkennung – in der Schule wird er gehänselt, auch von Ste. Doch auch Ste muss täglich die Schikanen von seinem Vater und seinem Bruder ertragen. Eines Abends landet er, grün und blau geprügelt, im Bett von Jamie – und in dieser aufregenden Situation ist plötzlich alles anders. Nun kommen neue Herausforderungen und Mutproben auf die beiden zu, die bestanden werden wollen. Aber dass am Ende alle Bewohner der Hochhaussiedlung mit ihnen zusammen engumschlungen zu ›Dream A Little Dream Of Me‹ tanzen werden, daran hätten sie wohl in ihren romantischsten Träumen nicht gedacht…
Donnerstag, 25. Juni
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14:00 ›120 BPM‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. Act Up, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeißt Kunstblut-gefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan, der selbst HIV-negativ ist, zu Act up stößt, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean, den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. Zusammen kämpfen sie an vorderster Front, selbst dann noch, als bei Sean die Krankheit schon längst ausgebrochen ist …
Der aus Marokko stammende französische Regisseur Robin Campillo (›Eastern Boys‹, 2015) engagierte sich in den 90ern jahrelang selbst bei Act Up (Aids Coalition to Unleash Power). Auf Basis seiner persönlichen Erfahrungen zeigt er in ›120 BPM‹ die kontroversen Debatten und spektakulären Aktionen der Gruppe – und setzt damit dem europäischen Aids-Aktivismus ein längst überfälliges filmisches Denkmal. Sein mitreißendes Zeitstück entfaltet aber erst durch die darin eingebettete intime Liebesgeschichte zwischen Nathan und Sean seine volle, revolutionäre Kraft. In einem historischen Moment, in dem für HIV-Positive und deren Angehörige und Freunde das Politische von persönlicher, ja existentieller Bedeutung ist, begegnet ein Liebespaar der gesellschaftlichen Ignoranz und der Angst vor dem eigenem Tod mit rasendem Widerstand, wildem Sex und einem unbändigen Willen zu leben.
›120 BPM‹ wurde im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt, als Meisterwerk gefeiert und mit drei der wichtigen Preise ausgezeichnet: dem Grand Prix, der Queer Palm und dem FIPRESCI-Preis.
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17:00 ›North of Vortex‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Ein schwuler Dichter reist mit seinem Cabrio von New York nach Westen. Auf dem Weg nimmt er einen muskelbepackten Matrosen mit, später steigt eine Kellnerin zu. Der Dichter ist scharf auf den Matrosen, der Matrose auf die Kellnerin, die Kellnerin auf den Dichter. Eine erotische Reise durch Wüstenlandschaften und Städte beginnt – voll sexueller Spannungen, Eifersucht und eruptiver Gewalt. Constantine Giannaris’ traumhaftes Road Movie ›North of Vortex‹ besticht mit betörenden Schwarz-Weiß-Bildern, einem assoziativen Jazz-Soundtrack und Beatnik-Romantik.
Ein junger Mann versucht, seine sexuellen Bedürfnisse mit einem interaktiven Computerspiel zu befriedigen. Mit einem Avatar gleitet er durch verschiedene sexuelle Fantasien. Er »begegnet« zwei Matrosen auf Landgang, einem Mann mit Schnurrbart und einer Gruppe Beef-Cake-Kerle. Aber kann virtuelles Cruising wirklich das echte Erleben ersetzen? Fast prophetisch nimmt ›Caught Looking‹ die späteren Entwicklungen von Gayromeo, Grindr und Camsex vorweg. Giannaris‘ nostalgisches Plädoyer für die »alten« Kulturtechniken des schwulen Kennenlernens und Sexhabens wurde unter anderem mit dem Teddy-Award der Berlinale ausgezeichnet.
Freitag, 26. Juni
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14:00 ›North of Vortex‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Ein schwuler Dichter reist mit seinem Cabrio von New York nach Westen. Auf dem Weg nimmt er einen muskelbepackten Matrosen mit, später steigt eine Kellnerin zu. Der Dichter ist scharf auf den Matrosen, der Matrose auf die Kellnerin, die Kellnerin auf den Dichter. Eine erotische Reise durch Wüstenlandschaften und Städte beginnt – voll sexueller Spannungen, Eifersucht und eruptiver Gewalt. Constantine Giannaris’ traumhaftes Road Movie ›North of Vortex‹ besticht mit betörenden Schwarz-Weiß-Bildern, einem assoziativen Jazz-Soundtrack und Beatnik-Romantik.
Ein junger Mann versucht, seine sexuellen Bedürfnisse mit einem interaktiven Computerspiel zu befriedigen. Mit einem Avatar gleitet er durch verschiedene sexuelle Fantasien. Er »begegnet« zwei Matrosen auf Landgang, einem Mann mit Schnurrbart und einer Gruppe Beef-Cake-Kerle. Aber kann virtuelles Cruising wirklich das echte Erleben ersetzen? Fast prophetisch nimmt ›Caught Looking‹ die späteren Entwicklungen von Gayromeo, Grindr und Camsex vorweg. Giannaris‘ nostalgisches Plädoyer für die »alten« Kulturtechniken des schwulen Kennenlernens und Sexhabens wurde unter anderem mit dem Teddy-Award der Berlinale ausgezeichnet.
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15:30 ›120 BPM‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. Act Up, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeißt Kunstblut-gefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan, der selbst HIV-negativ ist, zu Act up stößt, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean, den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. Zusammen kämpfen sie an vorderster Front, selbst dann noch, als bei Sean die Krankheit schon längst ausgebrochen ist …
Der aus Marokko stammende französische Regisseur Robin Campillo (›Eastern Boys‹, 2015) engagierte sich in den 90ern jahrelang selbst bei Act Up (Aids Coalition to Unleash Power). Auf Basis seiner persönlichen Erfahrungen zeigt er in ›120 BPM‹ die kontroversen Debatten und spektakulären Aktionen der Gruppe – und setzt damit dem europäischen Aids-Aktivismus ein längst überfälliges filmisches Denkmal. Sein mitreißendes Zeitstück entfaltet aber erst durch die darin eingebettete intime Liebesgeschichte zwischen Nathan und Sean seine volle, revolutionäre Kraft. In einem historischen Moment, in dem für HIV-Positive und deren Angehörige und Freunde das Politische von persönlicher, ja existentieller Bedeutung ist, begegnet ein Liebespaar der gesellschaftlichen Ignoranz und der Angst vor dem eigenem Tod mit rasendem Widerstand, wildem Sex und einem unbändigen Willen zu leben.
›120 BPM‹ wurde im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt, als Meisterwerk gefeiert und mit drei der wichtigen Preise ausgezeichnet: dem Grand Prix, der Queer Palm und dem FIPRESCI-Preis.
Samstag, 27. Juni
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10:00; 12:00; 14:00; 16:00 ›Before Stonewall‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
New York, Christopher Street, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969: Homosexuelle und trans Personen widersetzen sich in der Bar Stonewall-Inn entschlossen der Polizei, die das Lokal eigentlich räumen will. Ihr Aufstand und die sich anschließenden Unruhen und Demonstrationen in den folgenden Tagen gelten als Urknall eines queeren Selbstbewusstseins und als Wendepunkt im Kampf um Anerkennung und Gleichstellung, an den seitdem jährlich bei den Christopher-Street-Day-Paraden erinnert wird.
Greta Schiller und Robert Rosenberg erzählen in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm ›Before Stonewall‹ vom Leben und Alltag queerer US-amerikaner*innen vor diesem Ereignis. Mit seltenem Archivmaterial aus Filmausschnitten und Fotos, mit Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie dem Beat-Poeten Allen Ginsberg und der Dichterin und Aktivistin Audre Lorde, vor allem aber mit Aussagen ‚ganz normaler‘ schwuler, lesbischer und trans Personen aus der breiten Bevölkerung erzählt der Film die Geschichte des allmählichen Sichtbarwerdens queerer Identitäten in der US-Gesellschaft.
Sonntag, 28. Juni
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10:00; 14:00 ›Hamam – Das türkische Bad‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
›Hamam – Das türkische Bad‹ wurde bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1997 als Meisterwerk gefeiert und ist längst zu einem Klassiker des queeren Kinos avanciert. Jetzt erscheint Ferzan Özpeteks Kultfilm in digital restaurierter Fassung!
Der römische Innenarchitekt Francesco bekommt von seiner verstorbenen Tante ein altes Hamam in Istanbul vermacht. Angezogen von der fremden Kultur, beschließt er das alte Gebäude zu renovieren. Hilfe bekommt er dabei von dem attraktiven Mehmet, der ihn bei gemeinsamen Bad-Besuchen in die Geheimnisse der Hamam-Kultur einführt und ihm auch körperlich immer näher kommt. Für Francesco beginnt eine sexuelle Erweckungsreise. Regisseur Ferzan Özpetek (›Die Ahnungslosen‹) nutzt die homoerotische und höchst sinnliche Atmosphäre türkischer Bäder und den Zauber der Metropole am Bosporus, um in verführerischen Bildern von einem sexuellen und kulturellen Erwachen zu erzählen – und vom Eintauchen in eine einzigartige, faszinierende Welt.
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12:00; 16:00 ›Caravaggio‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Derek Jarmans Klassiker des europäischen Kinos ist die Verfilmung des wilden Lebens des Renaissance-Malers Caravaggio (Nigel Terry). Berühmt als Schöpfer düsterer und erotischer Werke, die seinen reichen und mächtigen Auftraggebern und Gönnern nicht selten unheimlich waren – beargwöhnt wegen seines Umgangs mit Strichern und Tagelöhnern. Er lebt in einer Dreierbeziehung mit dem schönen Dieb Ranucchio (Sean Bean) und dessen Frau, der Prostituierten Lena (Tilda Swinton), zusammen, die auch für seine berühmtesten Bilder Modell stehen. Die Menage-à-trois endet mit dem tragischen Tod Lenas und Caravaggio muss sein restliches Leben auf der Flucht verbringen.
Derek Jarman (1942-1994) verfilmt kongenial das Leben des Malers und überträgt dessen Bildsprache in ein aufregendes Filmporträt, das mittlerweile zu den großen Klassikern des europäischen Kinos gehört. ›Caravaggio‹, 1986 auf der Berlinale uraufgeführt und preisgekrönt, ist bis heute ein Meilenstein der schwulen Filmgeschichte und einer der wenigen wirklich adäquaten Filme über Kunst und Malerei.
Donnerstag, 2. Juli
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14:00 ›Rückenwind‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Johann, ein junger Mann Anfang zwanzig, wartet in einer Klinik. Der Beginn einer Parabel wird erzählt: vom Hasen, der einem Fuchs die Freundschaft anbietet. Johann überlegt, wer in seiner Beziehung zu Robin der Fuchs und wer der Hase war. Und wer eigentlich die Idee zu dem Ausflug hatte, den der Film nun in einer Rückblende erzählt…
Als Road-Movie, in deren Mittelpunkt eine schwule Beziehung steht, lässt sich Jan Krügers zweiter Langfilm nach ›Unterwegs‹ charakterisieren. Die Musik stammt vom Berliner Duo Tarwater.
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16:00 ›Fremde Haut‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
In ihrem Heimatland droht der jungen iranischen Übersetzerin Fariba die Todesstrafe, weil ihr Verhältnis zu einer verheirateten Frau bekannt geworden ist. Sie flieht und schafft es bis nach Deutschland. Doch dort wird ihr Asylantrag abgelehnt. Fariba sitzt im Frankfurter Flughafenlager fest und rechnet jeden Tag mit ihrer Abschiebung. Als sich ihr iranischer Mitinsasse Siamak das Leben nimmt, ergreift sie ihre Chance und nimmt seine Identität an: Als Siamak Mustafai bekommt sie eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung im schwäbischen Sielmingen. Sie arbeitet illegal in einer Sauerkrautfabrik, spricht wie ein Mann, gibt sich wie ein Mann. Doch jedes falsche Wort, jede Kontaktaufnahme wird für sie zur Gefahr. Als sie sich in ihre attraktive Arbeitskollegin Anne verliebt, riskiert Fariba ihre Tarnung.
In ›Fremde Haut‹ erzählt Angelina Maccarone mit großem Feingefühl von Entwurzelung und der Sehnsucht nach Identität in einem anderen Land, einer anderen Kultur, einer neuen Liebe in Zeiten von Exil und Verfolgung. Jasmin Tabatabais Darstellung einer mutigen Frau mit dem unbeugsamen Willen, ihren Platz im Leben zu finden, geht auch knapp 20 Jahre nach der Premiere des Films tief unter die Haut. Die bewegende Selbstermächtigungs- und Liebesgeschichte, die nichts an ihrer politischen Brisanz verloren hat.
Freitag, 3. Juli
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14:00 ›Fremde Haut‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
In ihrem Heimatland droht der jungen iranischen Übersetzerin Fariba die Todesstrafe, weil ihr Verhältnis zu einer verheirateten Frau bekannt geworden ist. Sie flieht und schafft es bis nach Deutschland. Doch dort wird ihr Asylantrag abgelehnt. Fariba sitzt im Frankfurter Flughafenlager fest und rechnet jeden Tag mit ihrer Abschiebung. Als sich ihr iranischer Mitinsasse Siamak das Leben nimmt, ergreift sie ihre Chance und nimmt seine Identität an: Als Siamak Mustafai bekommt sie eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung im schwäbischen Sielmingen. Sie arbeitet illegal in einer Sauerkrautfabrik, spricht wie ein Mann, gibt sich wie ein Mann. Doch jedes falsche Wort, jede Kontaktaufnahme wird für sie zur Gefahr. Als sie sich in ihre attraktive Arbeitskollegin Anne verliebt, riskiert Fariba ihre Tarnung.
In ›Fremde Haut‹ erzählt Angelina Maccarone mit großem Feingefühl von Entwurzelung und der Sehnsucht nach Identität in einem anderen Land, einer anderen Kultur, einer neuen Liebe in Zeiten von Exil und Verfolgung. Jasmin Tabatabais Darstellung einer mutigen Frau mit dem unbeugsamen Willen, ihren Platz im Leben zu finden, geht auch knapp 20 Jahre nach der Premiere des Films tief unter die Haut. Die bewegende Selbstermächtigungs- und Liebesgeschichte, die nichts an ihrer politischen Brisanz verloren hat.
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16:00 ›Rückenwind‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Johann, ein junger Mann Anfang zwanzig, wartet in einer Klinik. Der Beginn einer Parabel wird erzählt: vom Hasen, der einem Fuchs die Freundschaft anbietet. Johann überlegt, wer in seiner Beziehung zu Robin der Fuchs und wer der Hase war. Und wer eigentlich die Idee zu dem Ausflug hatte, den der Film nun in einer Rückblende erzählt…
Als Road-Movie, in deren Mittelpunkt eine schwule Beziehung steht, lässt sich Jan Krügers zweiter Langfilm nach ›Unterwegs‹ charakterisieren. Die Musik stammt vom Berliner Duo Tarwater.
Samstag, 4. Juli
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10:00; 14:00 ›Felix‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Felix und Daniel leben in Dieppe. Einer Reihe von Umständen ist es zu verdanken, dass Felix einen langgehegten Plan umsetzen kann: Er wird nach Marseille reisen, um seinen Vater zu treffen, den er nicht kennt. Aber Felix ist ein wenig schwärmerisch veranlagt und nimmt keine direkte Verbindung mit dem Zug, sondern zieht es vor einfach draufloszufahren. Dazu »leiht« er sich hier und da ein Auto. Der Zauber des Frühlings, die Landschaft und Begegnungen mit Menschen halten ihn auf. Aufgebrochen, um seinen wirklichen Vater kennenzulernen, baut er sich auf dieser Reise eine ideale Familie zusammen: einen kleinen Bruder, eine Großmutter, einen Cousin, eine Schwester. ›Felix‹ ist das erfrischende Portrait eines jungen Mannes, der mit HIV lebt und optimistisch in eine Zukunft mit der Familie seiner Wahl geht. Ein Film über den Zauber zufälliger Begegnungen.
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12:00; 16:00 ›52 Tuesdays‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die 16-jährige Billie entdeckt gerade ihre Sexualität. Sie wird in die Liebesexperimente ihrer beiden Mitschüler*innen Jasmine und Josh einbezogen und alles erscheint neu und aufregend. Dann eröffnet ihr plötzlich ihre Mutter, dass sie endlich auch körperlich der Mann werden will, der sie immer schon war. Es wird bestimmt, dass Billie nun bei ihrem leiblichen Vater wohnen soll und ihren neuen Vater James nur noch einmal in der Woche sehen kann: jeden Dienstag, ein Jahr lang. Die Verwandlung der beiden verläuft auf ungeahnten Wegen und die früher so enge Beziehung wird mehrfach auf die Probe gestellt. Eine Familiengeschichte, in der an jedem der 52 Dienstage immer alles neu ist – bis auf die Liebe, die alle füreinander empfinden.
Sophie Hydes unterhaltsamer Debütfilm »voller tief bewegender Momente« (Hollywood Reporter) ist das Ergebnis unkonventioneller Dreharbeiten: gefilmt an 52 Dienstagen über ein Jahr, sind die Entwicklungen der Hauptdarsteller*innen direkt in die Geschichte eingeflossen und geben ihr eine Authentizität und Intimität, die im Spielfilm ohne Vergleich ist.
›52 Tuesdays‹ wurde u.a. mit dem Regiepreis beim Sundance Film Festival ausgezeichnet und erhielt bei der Berlinale 2014 sowohl den Hauptpreis der Sektion Generation wie auch die Else, den Jurypreis der Zeitschrift ›Siegessäule‹ beim Teddy Award.
Sonntag, 5. Juli
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10:00; 14:00 ›Sorry Angel‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Paris, 1993. Der Schriftsteller Jacques ist Mitte 30, teilt sich das Sorgerecht für seinen kleinen Sohn Louis mit dessen leiblicher Mutter und versucht, sich das Leben nicht zu sehr von seiner HIV-Infektion diktieren zu lassen. Auf einer Lesung in der Bretagne lernt er den Nachwuchsfilmemacher Arthur kennen, der gerade beginnt, sich von den Fesseln der Provinz zu befreien. Arthur verliebt sich auf den ersten Blick in den geheimnisvollen Autor. Doch Jacques zögert, sich auf die Beziehung mit dem deutlich jüngeren Mann einzulassen. Auch weil er ahnt, dass ihnen dafür nicht mehr viel Zeit bleiben würde …
Christophe Honoré zählt seit seinen Kritikerlieblingen ›Meine Mutter‹ (2004) und ›Chanson der Liebe‹ (2007) zu den aufregendsten europäischen Regisseuren seiner Generation. Sein neuer Film, der im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt wurde, ist ein intimes und generationenübergreifendes Zeitstück über das Leben in der Pariser Bohème in der Hochphase der Aids-Krise. In den Hauptrollen glänzen mit Pierre Deladonchamps (›Der Fremde am See‹) und Vincent Lacoste (›Jungs bleiben Jungs‹) zwei Hoffnungsträger des jungen französischen Kinos.
Ein zärtlicher und zutiefst berührender Film über körperliche und intellektuelle Verführung, übers Jungsein und Altwerden, über die große Liebe und den Mut, bis zuletzt seinen Gefühlen zu folgen.
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12:30; 16:30 ›Something Must Break‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Sebastian verliebt sich in Andreas. Und Andreas verliebt sich in Sebastian. Es beginnt eine zärtliche, manchmal heftige Liebesgeschichte zwischen einem Jungen, der auf keinen Fall schwul sein will und einem, der sich immer weniger mit der Zuschreibung, ein Junge zu sein, identifizieren kann. Zusammen rebellieren sie gegen die Langeweile der bürgerlichen Ikea-Welt. Sebastian besteht auf seinem Freiraum zwischen den Geschlechtern, die er als Ellie erforscht. Andreas wiederum will, dass Sebastian/Ellie sich für eine Seite entscheidet. Etwas muss kaputt gehen – sei es ihre Beziehung oder die Gesellschaft, die will, dass alle gleich sind.
Ester Martin Bergsmarks (›She Male Snails‹) erster Spielfilm entstand nach dem Roman ›You Are the Roots that Sleep Beneath My Feet and Hold the Earth in Place‹ des Co-Autors Eli Levén. ›Something Must Break‹ wurde beim Internationalen Filmfestival Rotterdam mit dem Tiger Award ausgezeichnet, beim Internationen Filmfestival Göteborg erhielt Bergsmark das Mai-Zetterling-Stipendium. Beim Schwedischen Filmpreis wurde mit Saga Becker erstmals eine trans Schauspielerin ausgezeichnet.
Donnerstag, 9. Juli
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14:00 ›Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die Liebesgeschichte beginnt, wie tausendundeine Liebesgeschichten vor ihr begonnen haben: »Es war einmal …« Eine Erzählerin berichtet von der Beziehung zweier Männer. Ein polyamouröser Chor von früheren Liebhabern setzt ein. Im Club Sheherazad kommen und gehen die Figuren. Es geht um Grindr-Dates, Herzschmerz, Liebe zu dritt. Und was ist mit einem Happy End?
Auf Basis seines eigenen Liebestagebuchs erschafft Regisseur Mohammad Shawky Hassan eine metareflexive und vielstimmige queere Variante von ›Tausendundeine Nacht‹: ein nicht-heteronormatives Musical, das arabische Volkssagen mit ägyptischer Popmusik kombiniert und Lieder und Gedichte multimedial zu neuer, leuchtender Entfaltung bringt. Sein Film, betitelt nach Shakespeares 18. Sonett, entwirft nicht weniger als einen überzeitlichen Safe Space, in dem persönliche und kollektive Erinnerungen mit unseren gegenwärtigen Hoffnungen und Träumen zusammenklingen.
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16:00 ›Silent Youth‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Marlo ist zu Besuch in Berlin. Etwas verloren streift er durch die große Stadt. An einer Straßenkreuzung läuft ihm Kirill über den Weg, den er wenig später an der Warschauer Brücke wiedertrifft. Zwischen den beiden entsteht sofort eine große Intimität, aber keiner von ihnen traut sich, den ersten Schritt zu machen. Sie treffen sich wieder, laufen durch die Stadt, reden aneinander vorbei und schaffen es schließlich in Kirills Studentenwohnheim, ihre Schutzpanzer voreinander abzulegen.
›Silent Youth‹ ist ein leiser und poetischer Film über die Liebe – die sich in kleinen Gesten und vorsichtigen Annäherungen langsam aufbaut. Ein Coming-Out-Film ohne große Dramen. Ein Berlinporträt ohne Szenebilder. Eine Jungsgeschichte, von zwei wunderbaren Schauspielern (Martin Bruchmann, Josef Mattes) getragen. Ein Film für Träumer und Verliebte.
Freitag, 10. Juli
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14:00 ›Silent Youth‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Marlo ist zu Besuch in Berlin. Etwas verloren streift er durch die große Stadt. An einer Straßenkreuzung läuft ihm Kirill über den Weg, den er wenig später an der Warschauer Brücke wiedertrifft. Zwischen den beiden entsteht sofort eine große Intimität, aber keiner von ihnen traut sich, den ersten Schritt zu machen. Sie treffen sich wieder, laufen durch die Stadt, reden aneinander vorbei und schaffen es schließlich in Kirills Studentenwohnheim, ihre Schutzpanzer voreinander abzulegen.
›Silent Youth‹ ist ein leiser und poetischer Film über die Liebe – die sich in kleinen Gesten und vorsichtigen Annäherungen langsam aufbaut. Ein Coming-Out-Film ohne große Dramen. Ein Berlinporträt ohne Szenebilder. Eine Jungsgeschichte, von zwei wunderbaren Schauspielern (Martin Bruchmann, Josef Mattes) getragen. Ein Film für Träumer und Verliebte.
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16:00 ›Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die Liebesgeschichte beginnt, wie tausendundeine Liebesgeschichten vor ihr begonnen haben: »Es war einmal …« Eine Erzählerin berichtet von der Beziehung zweier Männer. Ein polyamouröser Chor von früheren Liebhabern setzt ein. Im Club Sheherazad kommen und gehen die Figuren. Es geht um Grindr-Dates, Herzschmerz, Liebe zu dritt. Und was ist mit einem Happy End?
Auf Basis seines eigenen Liebestagebuchs erschafft Regisseur Mohammad Shawky Hassan eine metareflexive und vielstimmige queere Variante von ›Tausendundeine Nacht‹: ein nicht-heteronormatives Musical, das arabische Volkssagen mit ägyptischer Popmusik kombiniert und Lieder und Gedichte multimedial zu neuer, leuchtender Entfaltung bringt. Sein Film, betitelt nach Shakespeares 18. Sonett, entwirft nicht weniger als einen überzeitlichen Safe Space, in dem persönliche und kollektive Erinnerungen mit unseren gegenwärtigen Hoffnungen und Träumen zusammenklingen.
Samstag, 11. Juli
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10:00; 14:00 ›Théo & Hugo‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Paris, früh am Morgen: Im tiefroten Licht eines Sexclubs begegnen sich die Körper von Théo und Hugo. Ein erster Blick, und sie begehren nur noch einander. Nach dem Sex verlassen sie zusammen den Club, laufen einfach los, reden über die Schönheit von Penissen, über den Rausch der Sinne und die große Liebe. Bis ein Detail die wilde Romantik zwischen den beiden durcheinanderwirbelt…
›Théo & Hugo‹ wurde komplett an Originalschauplätzen gedreht und spielt in Echtzeit: Nach der furiosen und überaus expliziten Eröffnungssequenz folgt die Kamera den Figuren durch die Straßen eines fast menschenleeren Paris. Das Regiepaar Olivier Ducastel und Jacques Martineau, die bereits für die schwulen Klassiker ›Felix‹ (2000) und ›Mein wahres Leben in der Provinz‹ (2002) gemeinsam hinter der Kamera standen, erhielten mit ›Théo & Hugo‹ den Teddy Publikumspreis.
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12:00; 16:00 ›Sauvage‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Léo ist 22, lebt in Straßburg und verkauft seinen Körper. Nachts lässt er sich durch die Stadt treiben, tagsüber schläft er irgendwo für ein paar Stunden. Wenn es Ärger mit Freiern gibt, hilft ihm sein bester Freund Ahd. Aber der Partner, nach dem Léo sich sehnt, der Mann, in dessen Armen er einschlafen darf, kann Ahd nicht für ihn sein. Léos rastlose Suche geht immer weiter. Sein Herz schlägt wild dabei.
Der Debütfilm von Regisseur Camille Vidal-Naquet steht mit seiner zarten Rohheit in der stolzen Tradition der empfindsamen Stricherfilme von Patrice Chéreau (›Der verführte Mann‹), André Téchiné (›Ich küsse nicht‹), Gus Van Sant (›My Private Idaho‹) und Robin Campillo (›Eastern Boys‹). Für seine kompromisslose Darstellung eines jungen Mannes zwischen Verlorenheit, körperlicher Selbstausbeutung und einer unstillbarer Sehnsucht nach menschlicher Nähe wurde Léo-Darsteller Félix Maritaud (›120 BPM‹) bei dem Filmfestspielen in Cannes mit dem Rising Star Award der Louis Roederer Foundation ausgezeichnet und als neue Hoffnung des französischen Kinos gefeiert. Ein intensives, zutiefst berührendes Porträt.
Sonntag, 12. Juli
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10:00; 14:00 ›Wild Side‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die transsexuelle Stéphanie lebt in Paris und verdient ihr Geld als Prostituierte. Ein Anruf führt sie zurück in die Vergangenheit: Ihre Mutter, die letzte Verwandte, ist schwer erkrankt und braucht ihre Hilfe. Stéphanie reist in das Dorf, das sie vor 17 Jahren als Pierre verlassen hat. Zwischen ihr und der Mutter liegen nur Schweigen und Misstrauen. Da kommen Stéphanies Liebhaber nach, die selbst von schmerzvollen Erinnerungen getrieben werden: Djamel, ein algerischer Migrant, der sich in Paris als Stricher verdingt, und Mikhail, der aus der russischen Armee nach Frankreich flüchtete. Allmählich scheint Stéphanies Mutter ihre Tochter und deren Freunde zu verstehen …
Regisseur Sébastien Lifshitz zeigt mit gewohnt sinnlicher Bildsprache drei Entwurzelte, die im rauen Pariser Rotlichtmilieu zueinanderfinden, aber erst in der Weite der nordfranzösischen Provinz zu einer Ersatzfamilie zusammenwachsen. Sein Film wechselt virtuos zwischen Erinnerung und Gegenwart, Abschied und Neubeginn, Momenten tiefster Verletzung und höchster Zärtlichkeit.
›Wild Side‹ ist ein Meilenstein des französischen Queer Cinema und hat auch über fünfzehn Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seiner poetischen Kraft verloren.
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12:00; 16:00 ›Kleines Mädchen‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die 7-jährige Sasha wusste schon immer, dass sie ein Mädchen ist, auch wenn sie bei ihrer Geburt als Junge registriert wurde. Von ihren liebevollen Eltern erfährt sie vollste Unterstützung. Sie gehen mit ihrer Tochter Kleider kaufen und begleiten sie zu ihrer Therapeutin, die Genderinkongruenz bei Sasha diagnostiziert. Doch das kleine Mädchen erfährt nicht überall Verständnis: Ihre Lehrer beharren auf einem starren Junge-Mädchen-Denken und fordern entsprechende Anpassung. Für Sasha bedeutet das einen täglichen Kampf, von ihrem sozialen Umfeld als die gesehen und anerkannt zu werden, die sie wirklich ist.
Ein Jahr lang hat der preisgekrönte Regisseur und zweifache Teddy-Gewinner Sébastien Lifshitz (›Sommer wie Winter‹, ›Wild Side‹, ›Bambi‹) die kleine Sasha und ihre Eltern mit der Kamera begleitet. Die Herausforderungen, Erfolge und Rückschläge des Mädchens und ihrer Familie fängt er mit behutsamen Bildern ein und stellt damit höchst empathisch konservative Vorstellungen von Geschlecht in Frage. Seit seiner Weltpremiere im Panorama der Berlinale wurde ›Kleines Mädchen‹ mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.a. mit dem Grand Prix des Filmfestivals Gent und dem ›Filmpreis für Kinderrechte‹ des Unabhängigen FilmFests Osnabrück.
Donnerstag, 16. Juli
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10:00 ›Minjan‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
David stammt aus einer russischen Einwandererfamilie und nimmt als guter Sohn regelmäßig an den Gottesdiensten seiner jüdischen Gemeinde teil, um das Quorum zu erreichen. Doch als Junge, der auf andere Jungs steht, fühlt er sich von den strengen Regeln seiner Community mehr und mehr eingeengt. Ausgerechnet die Nachbarn seines Großvaters, ein älteres schwules Paar, lassen ihn die Möglichkeiten von homosexueller Liebe erahnen – aber auch die plötzliche Vergänglichkeit allen Lebens. David beginnt, sein Begehren in den Bars und Clubs des East Village zu erkunden.
In seinem vielschichtigen Regiedebüt erzählt Eric Steel von einem sexuellen Erwachen, vom Bruch mit tradierten Werten und einem Glaubenskonflikt inmitten eines noch nicht gentrifizierten New Yorks, das gleichwohl bereits unter dem verheerenden Eindruck von HIV/Aids steht.
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16:00 ›Du sollst nicht lieben‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Aaron ist ein angesehener Fleischer in der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Der Ehemann und Vater von vier Kindern gerät in eine tiefe Krise, als er sich in Ezri verliebt – einen 22-jährigen Studenten, der ihm in seinem Geschäft aushilft. Zunächst begreift er seine Gefühle als religiöse Herausforderung, doch als beide Männer schließlich ihrer Leidenschaft nachgeben, wächst der Druck der Gemeinde auf Aaron. Da er keinen Weg sieht, seine Gefühle mit den religiösen Regeln in Einklang zu bringen, fasst er einen radikalen Entschluss.
Haim Tabakmans erster Spielfilm erzählt das Drama eines Mannes, der seinen Glauben mit seiner Leidenschaft zu vereinbaren sucht, und berührt ein Tabu – Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum. Nach der Uraufführung von ›Du sollst nicht lieben‹ in der Reihe ›Un Certain Regard‹ beim Festival de Cannes reagierte die internationale Presse (u.a. sämtliche großen Tageszeitungen in Frankreich) begeistert, stellte die Zurückhaltung und inszenatorische Strenge des Films heraus und verglich die emotionale Kraft einer Liebesgeschichte in einer feindlichen Umwelt mit Ang Lees ›Brokeback Mountain‹.
Freitag, 17. Juli
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14:00 ›Du sollst nicht lieben‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Aaron ist ein angesehener Fleischer in der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Der Ehemann und Vater von vier Kindern gerät in eine tiefe Krise, als er sich in Ezri verliebt – einen 22-jährigen Studenten, der ihm in seinem Geschäft aushilft. Zunächst begreift er seine Gefühle als religiöse Herausforderung, doch als beide Männer schließlich ihrer Leidenschaft nachgeben, wächst der Druck der Gemeinde auf Aaron. Da er keinen Weg sieht, seine Gefühle mit den religiösen Regeln in Einklang zu bringen, fasst er einen radikalen Entschluss.
Haim Tabakmans erster Spielfilm erzählt das Drama eines Mannes, der seinen Glauben mit seiner Leidenschaft zu vereinbaren sucht, und berührt ein Tabu – Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum. Nach der Uraufführung von ›Du sollst nicht lieben‹ in der Reihe ›Un Certain Regard‹ beim Festival de Cannes reagierte die internationale Presse (u.a. sämtliche großen Tageszeitungen in Frankreich) begeistert, stellte die Zurückhaltung und inszenatorische Strenge des Films heraus und verglich die emotionale Kraft einer Liebesgeschichte in einer feindlichen Umwelt mit Ang Lees ›Brokeback Mountain‹.
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16:00 ›Minjan‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
David stammt aus einer russischen Einwandererfamilie und nimmt als guter Sohn regelmäßig an den Gottesdiensten seiner jüdischen Gemeinde teil, um das Quorum zu erreichen. Doch als Junge, der auf andere Jungs steht, fühlt er sich von den strengen Regeln seiner Community mehr und mehr eingeengt. Ausgerechnet die Nachbarn seines Großvaters, ein älteres schwules Paar, lassen ihn die Möglichkeiten von homosexueller Liebe erahnen – aber auch die plötzliche Vergänglichkeit allen Lebens. David beginnt, sein Begehren in den Bars und Clubs des East Village zu erkunden.
In seinem vielschichtigen Regiedebüt erzählt Eric Steel von einem sexuellen Erwachen, vom Bruch mit tradierten Werten und einem Glaubenskonflikt inmitten eines noch nicht gentrifizierten New Yorks, das gleichwohl bereits unter dem verheerenden Eindruck von HIV/Aids steht.
Samstag, 18. Juli
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10:00; 14:15 ›Gute Manieren‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die mysteriöse und bildhübsche Ana engagiert die alleinstehende Krankenschwester Clara, die sich um Anas schickes Apartment in São Paulo und später als Kindermädchen um deren ungeborenes Baby kümmern soll. Rasch entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine innige Beziehung. Doch mit dem Voranschreiten der Schwangerschaft verhält sich Ana immer merkwürdiger: Sie hat ständig Lust auf Fleisch und schlafwandelt bei Vollmond blutdurstig durch die Stadt. Nach der schaurig-überstürzten Geburt ist Clara alleine mit Anas Kind. Sie zieht es voller Liebe und Fürsorge auf. Doch je älter es wird, desto stärker wird der verheerende Ruf des Mondes …
Mit fantastisch stilisierten Sets, einem traumhaften Lichtkonzept und einem magisch schwirrenden Musikscore entwickelt das Regie-Duo Juliana Rojas und Marco Dutra aus der romantischen Mütter-Kind-Geschichte ein gruseliges Großstadt-Märchen, das sich raffiniert auf folkloristische Traditionen Brasiliens und auf Genre-Klassiker wie ›Rosemaries Baby‹ (1968) und ›American Werewolf‹ (1981) bezieht. ›Gute Manieren‹ ist aber zugleich ein kritischer Kommentar auf die heutige brasilianische Gesellschaft, die noch immer stark von patriarchalen Ordnungen, sozialen Klassenunterschieden und dem strengen Glauben an die katholische Kirche geprägt ist. Der herzzerreißende Horrorfilm wurde bei den Filmfestspielen in Locarno als Meisterwerk gefeiert und mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.
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12:30; 16:45 ›Wild Tigers I Have Known‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Jeder hasst die Mittelschule. Logan hasst sie besonders. Der introvertierte 13-Jährige kriegt dort jeden Tag zu spüren, dass er »anders« ist. Seine Zuflucht sind Tagträume, in denen wilde Tiere und andere Jungs zu seinen Gefährten werden. Logan verliebt sich in den coolen Außenseiter Rodeo, der sich einfach nur langweilt. Und findet einen Weg, ihn zu seinem Freund zu machen. Während die Schulkinder Tiger-Parties feiern, wird die Schule von Berglöwen heimgesucht, die draußen in den Wäldern leben.
Mit ›Wild Tigers I have known‹, von Gus van Sant produziert und beim Sundance Film Festival 2006 uraufgeführt, hat Cam Archer einen faszinierenden Debütfilm geschaffen. Eine Teenager-Studie mit hypnotischen Bildern und einem elektrostatisch aufgeladenen Soundtrack über die Langeweile des normalen Lebens und die Freiheit der Fantasie.
Sonntag, 19. Juli
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10:00; 14:00 ›Heute gehe ich allein nach Hause‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Leo ist von Geburt an blind, aber eigentlich ein ganz normaler Teenager. Er will keine Sonderbehandlung, sondern geküsst werden. Seine beste Freundin Giovana würde ja gerne, aber daran denkt Leo gar nicht. Dann kommt Gabriel in seine Klasse. Er begleitet Leo nach Hause, bringt ihm das Tanzen bei und beschreibt ihm die Mondfinsternis. Und nach einer Party gehört auch Leo zu den Jungs, die schon mal geküsst wurden…
›Heute gehe ich allein nach Hause‹ hat auf der Berlinale 2014 das Publikum im Sturm erobert. Selten wurde ein Coming of Age so warmherzig, einfach und klar erzählt. »Der Film tut so gut, als hätte man sich 94 Minuten Händchen haltend in die Sonne gesetzt«, schrieb eine Kritikerin. Ein Film über das Verlieben, in den man sofort selbst schwer verliebt ist. Ausgezeichnet u.a. mit dem TEDDY Award.
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12:00; 16:00 ›God’s Own Country‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Das Leben des 24-jährigen Johnny ist karg und einsam. Er wohnt und arbeitet auf der abgelegenen Schafsfarm seiner Familie im Norden Englands. Zwischen ihm, seinem kranken Vater und der stoischen Großmutter fallen nur wenige, grobe Worte. Um seine Frustration zu betäuben, betrinkt er sich jeden Abend im nahe gelegenen Pub und hat ab und zu unverbindlichen Sex mit jungen Männern. Als im Frühjahr der gleichaltrige Saisonarbeiter Gheorghe aus Rumänien auf die Farm kommt, ist Johnny zunächst misstrauisch und mürrisch. Doch je mehr Zeit die beiden jungen Männer während der harten Farmarbeit miteinander verbringen, desto intensiver wird ihre Beziehung. Aus flüchtigen Blicken und Gesten werden Berührungen, bis sie in der Abgeschiedenheit eines Camps in den Hochmooren das erste Mal Sex miteinander haben. Johnny begehrt Gheorghe aber nicht nur körperlich, er fühlt bei ihm auch eine Geborgenheit, die er zuvor nicht kannte. Doch was passiert, wenn die Saison zu Ende ist und Gheorghe zurück nach Rumänien muss?
Regisseur Francis Lee hat sein raues Regiedebüt in der eigenen Heimat gedreht, der ehemaligen Grafschaft Yorkshire, die Engländer aufgrund ihrer archaischen Landschaft auch ›God’s Own Country‹ nennen. Inmitten einer unwirtlichen Natur, die als Abbild der anfänglichen Isolation seiner Figuren dient, erzählt Lee in realistischen Bildern von harscher Schönheit die packende Geschichte einer sexuellen und emotionalen Erweckung – und die Geschichte einer gewaltigen Liebe. ›God’s Own Country‹ hatte seine Weltpremiere in Sundance, wo der Film mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Es folgten zahlreiche weitere Festivalauftritte und Auszeichnungen, u.a. im Panorama der Berlinale (Preis der Männer-Jury), dem Edinburgh Film Festival (Preis für den Besten Britischen Film) und dem Frameline Film Festival in San Francisco (Publikumspreis).
Donnerstag, 23. Juli
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14:00 ›Blue Jean‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
England, 1988. Die Sportlehrerin Jean sieht sich zu einem Doppelleben gezwungen: Margaret Thatcher hat mit ihrer konservativen Parlamentsmehrheit gerade Section 28 verabschiedet – ein homophobes Gesetz, das »die Förderung von Homosexualität« verbietet. Deswegen darf in der Schule niemand wissen, dass Jean lesbisch ist – andernfalls könnte sie ihren Job verlieren. Ihre kämpferische Partnerin Vic unterstützt sie zwar, würde sich aber etwas mehr Mut von Jean wünschen. An den Wochenenden tauchen sie zusammen in das queere Nachtleben Newcastles ein. Als Jean in einer Lesben-Bar einer ihrer Schülerinnen begegnet, muss sie eine schwerwiegende Entscheidung treffen…
Packend und vielschichtig erzählt Regisseurin Georgia Oakley in ihrem Debütfilm von einer zutiefst repressiven Zeit in Großbritannien, in der die Leben von zahllosen Lesben und Schwulen durch politische Entscheidungen maßgeblich eingeschränkt oder gar zerstört wurden. Zugleich zeugt ›Blue Jean‹ aber auch von der widerständigen Kraft einer queeren Gemeinschaft, die sich in Opposition gegen die Eiserne Lady und ihre konservative Regierung erst richtig formierte.
Bei seiner Weltpremiere in Venedig erhielt das mitreißende Drama und Zeitporträt den Publikumspreis der Sektion Giornate degli Autori. Bei den British Independent Film Awards 2022 wurde ›Blue Jean‹ in 13 Kategorien nominiert und vier Mal ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis ›Beste Hauptdarstellerin‹ für Newcomerin Rosy McEwen.
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16:00 ›Irrlicht‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Wir schreiben das Jahr 2069. Auf dem Sterbebett erinnert sich der ehrwürdige Regent Alfredo, König ohne Krone, an seine ausschweifende Jugend als Feuerwehr-Azubi. Die Begegnung mit seinem Ausbilder Afonso entzündete damals eine leidenschaftliche Liebe – und den gemeinsamen Willen, den Status quo zu verändern.
Ein perfekt choreografierter Liebestanz, sexy Feuerwehrmänner in Jockstraps und ein Baum-Penis-Memory gegen den Flächenbrand: Der neue Film des portugiesischen Kultregisseurs João Pedro Rodrigues (›O Fantasma‹, ›To Die Like a Man‹, ›Der Ornithologe‹) ist eine wunderbar wilde Mischung aus Musical, Folklore, Fantasy, Postcolonial Study und queerer Erweckungsgeschichte im Zeichen des Umweltschutzes – also ganz großes Kino! Seit seiner Weltpremiere in Cannes (Quinzaine) wird Rodrigues’ meisterhafte filmische Fantasie weltweit auf Festivals gefeiert – und irrlichtert auch durch Deutschland.
Freitag, 24. Juli
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14:00 ›Irrlicht‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Wir schreiben das Jahr 2069. Auf dem Sterbebett erinnert sich der ehrwürdige Regent Alfredo, König ohne Krone, an seine ausschweifende Jugend als Feuerwehr-Azubi. Die Begegnung mit seinem Ausbilder Afonso entzündete damals eine leidenschaftliche Liebe – und den gemeinsamen Willen, den Status quo zu verändern.
Ein perfekt choreografierter Liebestanz, sexy Feuerwehrmänner in Jockstraps und ein Baum-Penis-Memory gegen den Flächenbrand: Der neue Film des portugiesischen Kultregisseurs João Pedro Rodrigues (›O Fantasma‹, ›To Die Like a Man‹, ›Der Ornithologe‹) ist eine wunderbar wilde Mischung aus Musical, Folklore, Fantasy, Postcolonial Study und queerer Erweckungsgeschichte im Zeichen des Umweltschutzes – also ganz großes Kino! Seit seiner Weltpremiere in Cannes (Quinzaine) wird Rodrigues’ meisterhafte filmische Fantasie weltweit auf Festivals gefeiert – und irrlichtert auch durch Deutschland.
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16:00 ›Blue Jean‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
England, 1988. Die Sportlehrerin Jean sieht sich zu einem Doppelleben gezwungen: Margaret Thatcher hat mit ihrer konservativen Parlamentsmehrheit gerade Section 28 verabschiedet – ein homophobes Gesetz, das »die Förderung von Homosexualität« verbietet. Deswegen darf in der Schule niemand wissen, dass Jean lesbisch ist – andernfalls könnte sie ihren Job verlieren. Ihre kämpferische Partnerin Vic unterstützt sie zwar, würde sich aber etwas mehr Mut von Jean wünschen. An den Wochenenden tauchen sie zusammen in das queere Nachtleben Newcastles ein. Als Jean in einer Lesben-Bar einer ihrer Schülerinnen begegnet, muss sie eine schwerwiegende Entscheidung treffen…
Packend und vielschichtig erzählt Regisseurin Georgia Oakley in ihrem Debütfilm von einer zutiefst repressiven Zeit in Großbritannien, in der die Leben von zahllosen Lesben und Schwulen durch politische Entscheidungen maßgeblich eingeschränkt oder gar zerstört wurden. Zugleich zeugt ›Blue Jean‹ aber auch von der widerständigen Kraft einer queeren Gemeinschaft, die sich in Opposition gegen die Eiserne Lady und ihre konservative Regierung erst richtig formierte.
Bei seiner Weltpremiere in Venedig erhielt das mitreißende Drama und Zeitporträt den Publikumspreis der Sektion Giornate degli Autori. Bei den British Independent Film Awards 2022 wurde ›Blue Jean‹ in 13 Kategorien nominiert und vier Mal ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis ›Beste Hauptdarstellerin‹ für Newcomerin Rosy McEwen.
Samstag, 25. Juli
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10:00; 14:00 ›Beach Rats‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Sommer auf Coney Island. Der Teenager Frankie driftet durch sein Leben. Tagsüber hängt er mit seinen Freunden am Strand ab, geht trainieren und raucht Gras. Doch weder seine Macho-haften, latent aggressiven Kumpels noch Simone, mit der er eine Affäre beginnt, scheinen ihn wirklich zu interessieren. Der einzige Ort, an dem Frankie offen über seine Gefühle und sexuellen Wünsche sprechen kann, ist der anonyme Chatroom, in dem er nachts mit älteren schwulen Männern schreibt. Nach einigem Zögern beginnt er sich mit Leuten aus dem Netz zu treffen und wagt sich in die Cruising-Bereiche am Flussufer vor. Doch als seine Kumpels sein Geheimnis zu entdecken drohen, muss Frankie eine radikale Entscheidung treffen …
In ihrem zweiten Spielfilm erzählt die US-amerikanische Independent-Regisseurin Eliza Hittman in düster-verträumten Bildern eine Geschichte von homosexuellem Erwachen und Selbstverleugnung am äußersten Rand New Yorks, an dem soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität ebenso Alltag sind wie eine einseitige Vorstellung von Männlichkeit. Für ihr poetisch-realistisches Coming-of-Age-Drama, das thematisch und formal an das radikale Außenseiter-Kino Larry Clarks erinnert, wurde Hittman beim Festival in Sundance gefeiert und mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.
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12:00; 16:00 ›Als wir tanzten‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Merab ist Student an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis. Sein größter Traum ist es, professioneller Tänzer zu werden. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen ernstzunehmenden Rivalen auf den ersehnten Platz im festen Ensemble. Aus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule, in der konservative Vorstellungen von Männlichkeit hochgehalten werden, wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten.
Das mitreißende Liebes- und Tanzdrama des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in Cannes als Entdeckung gefeiert und seitdem vielfach ausgezeichnet, unter anderem in vier Kategorien beim Schwedischen Filmpreis Guldbaggen. Der Queer-Feindlichkeit, die in Georgien erschreckend weit verbreitet ist, hält der Regisseur, dessen Familie selbst aus dem Land stammt, eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Hauptdarsteller Levan Gelbakhiani, einer der European Shooting Stars der Berlinale 2020, wurde für sein ergreifendes Spiel mit Preisen überhäuft und war für den Europäischen Filmpreis nominiert.
Sonntag, 26. Juli
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10:00; 14:00 ›Im Namen des…‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Pater Adam übernimmt eine kleine Gemeinde in der polnischen Provinz. Überaus engagiert baut er ein Gemeindezentrum für schwer erziehbare Jungen auf. Angezogen von der Vitalität und dem Charisma des Priesters suchen die Einwohner seine Nähe, ohne zu ahnen, welche Geheimnisse ihn umgeben. Durch die Begegnung mit einem exzentrischen jungen Mann, der im Ort als Außenseiter gilt, sieht sich Pater Adam mit seinen unterdrückten Sehnsüchten konfrontiert. Bald schon schöpfen die Dorfbewohner Verdacht und nehmen Kontakt zu Adams Kirchenvorgesetzten auf …
In poetischen Bildern einer trügerischen sommerlichen Dorfidylle erzählt MaÅ‚gorzata Szumowska das Gewissensdrama eines katholischen Priesters, der verzweifelt gegen seine Gefühle ankämpft.
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12:00; 16:00 ›Moffie‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Südafrika 1981, zur Zeit der Apartheid: Wie alle weißen jungen Männer muss auch Nicholas Van der Swart seinen zweijährigen Militärdienst leisten, um das Regime vor der Bedrohung durch den Kommunismus und die »Schwarze Gefahr« zu verteidigen. Dass Nicholas schwul ist, darf niemand wissen, denn wer in der Truppe als ›Moffie‹ erkannt ist, wird brutal schikaniert und gequält. Doch dann verliebt sich Nicholas in seinen Kameraden Dylan …
Mit epischer Bildsprache zeigt Oliver Hermanus’ authentisches Soldatendrama, wie das Apartheid-Regime neben all seinen rassistischen Gräueltaten auch unzählige weiße junge Männer körperlich und physisch zugrunde gerichtet hat – durch das staatliche Verlangen, Homosexuelle und alle anderen »Abweichler» aus der südafrikanischen Gesellschaft zu beseitigen.
Donnerstag, 30. Juli
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14:00 ›Rafiki‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
»Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen« – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. So wird auch ihre alleinerziehende Mutter dafür verantwortlich gemacht, dass ihr Mann sie für eine jüngere Frau verlassen hat. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück.
›Rafiki‹ – der Titel bedeutet auf Suaheli »Freund(in)« – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Basierend auf der preisgekrönten Kurzgeschichte ›Jambula Tree‹ (2008) der ugandischen Autorin Monica Arac de Nyeko, erzählt ›Rafiki‹ von einer afrikanischen Jugend, die entschlossen gegen Homophobie, religiöse Dogmen und die Strenge der Eltern aufbegehrt. Ein mitreißender Film, der vor Freiheitsliebe und Lebensfreude in strahlenden Farben leuchtet.
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16:00 ›Die Wunde‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Eastern Cape in Südafrika. Xolani, ein stiller Fabrikarbeiter, reist in ein abgelegenes Camp in den Bergen, um als Mentor an einem uralten Beschneidungsritual der Xhosa teilzunehmen. Dabei soll er sich vor allem um Kwanda kümmern, einen rebellischen Teenager aus Johannesburg. Während Kwanda in einer Hütte auf die Heilung seiner Wunde wartet, trifft Xolani heimlich seinen alten Freund Vija wieder, einen verheirateten Mann, den er nur einmal im Jahr, am Rande des Rituals sieht. Wie immer haben die beiden wilden Sex, doch diesmal gesteht Xolani dem Freund auch seine Liebe. Als Kwanda, der selbst schwul ist, hinter das Geheimnis seiner Mentoren kommt, steht Xolani vor einer folgenschweren Entscheidung.
Bereits in seinem preisgekrönten Kurzfilm ›Die Ziege‹ (2014) widmete sich Regisseur John Trengove dem Ukwaluka-Beschneidungsritus seiner südafrikanischen Heimat. In seinem Spielfilmdebüt ›Die Wunde‹ bettet er darin die Geschichte einer schwulen Liebesbeziehung ein und bricht damit gleich zwei Tabus auf einmal: Bis heute wird in weiten Teilen der südafrikanischen Gesellschaft weder über Ukwaluka noch über Homosexualität offen gesprochen. ›Die Wunde‹ hatte seine Weltpremiere im Wettbewerb von Sundance und eröffnete zwei Wochen später das Panorama der Berlinale 2017.
Freitag, 31. Juli
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14:00 ›Die Wunde‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Eastern Cape in Südafrika. Xolani, ein stiller Fabrikarbeiter, reist in ein abgelegenes Camp in den Bergen, um als Mentor an einem uralten Beschneidungsritual der Xhosa teilzunehmen. Dabei soll er sich vor allem um Kwanda kümmern, einen rebellischen Teenager aus Johannesburg. Während Kwanda in einer Hütte auf die Heilung seiner Wunde wartet, trifft Xolani heimlich seinen alten Freund Vija wieder, einen verheirateten Mann, den er nur einmal im Jahr, am Rande des Rituals sieht. Wie immer haben die beiden wilden Sex, doch diesmal gesteht Xolani dem Freund auch seine Liebe. Als Kwanda, der selbst schwul ist, hinter das Geheimnis seiner Mentoren kommt, steht Xolani vor einer folgenschweren Entscheidung.
Bereits in seinem preisgekrönten Kurzfilm ›Die Ziege‹ (2014) widmete sich Regisseur John Trengove dem Ukwaluka-Beschneidungsritus seiner südafrikanischen Heimat. In seinem Spielfilmdebüt ›Die Wunde‹ bettet er darin die Geschichte einer schwulen Liebesbeziehung ein und bricht damit gleich zwei Tabus auf einmal: Bis heute wird in weiten Teilen der südafrikanischen Gesellschaft weder über Ukwaluka noch über Homosexualität offen gesprochen. ›Die Wunde‹ hatte seine Weltpremiere im Wettbewerb von Sundance und eröffnete zwei Wochen später das Panorama der Berlinale 2017.
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16:00 ›Rafiki‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
»Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen« – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. So wird auch ihre alleinerziehende Mutter dafür verantwortlich gemacht, dass ihr Mann sie für eine jüngere Frau verlassen hat. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück.
›Rafiki‹ – der Titel bedeutet auf Suaheli »Freund(in)« – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Basierend auf der preisgekrönten Kurzgeschichte ›Jambula Tree‹ (2008) der ugandischen Autorin Monica Arac de Nyeko, erzählt ›Rafiki‹ von einer afrikanischen Jugend, die entschlossen gegen Homophobie, religiöse Dogmen und die Strenge der Eltern aufbegehrt. Ein mitreißender Film, der vor Freiheitsliebe und Lebensfreude in strahlenden Farben leuchtet.
Samstag, 1. August
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10:00; 14:00 ›Der Prinz‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Chile 1970. Am Ende einer durchzechten Nacht ersticht der 20-jährige Jaime seinen heimlich begehrten besten Freund. Im Gefängnis landet er in einer Gruppenzelle, die vom gefürchteten Potro geführt wird, den alle nur »den Hengst« nennen. Potro wird Jaimes Beschützer und macht ihn zu seinem neuen »Prinzen«, erwartet dafür aber Loyalität und sexuelle Unterordnung. Die »schwarze Liebe« zwischen den beiden erfüllt Jaimes Bedürfnis nach Zuneigung und Zugehörigkeit. Doch dann entbrennt im Knast ein brutaler Machtkampf.
Mit pulsierenden Bildern fängt Regisseur Sebastián Muñoz eine schwule Beziehung an einem brutalen Ort ein, der zugleich besondere sexuelle Freiheiten bietet. ›Der Prinz‹ basiert auf Mario Cruz’ lange verschollenem Roman, der parallel zum Film erstmals in deutscher Übersetzung erscheint, und zeichnet ein faszinierendes Porträt Chiles kurz vor dem Amtsantritt Salvador Allendes.
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12:00; 16:00 ›Orlando, meine politische Biografie‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
In ›Orlando‹ (1928) erzählt Virginia Woolf die Geschichte eines jungen Mannes, der am Ende eine Frau ist. Knapp 100 Jahre nach dem Erscheinen des Romans, der heute als queerer Schlüsseltext gilt, schreibt Philosoph und trans Aktivist Paul B. Preciado einen filmischen Brief an Woolf und ruft ihr zu: Deine Figur ist wahr geworden, die Welt ist heute voller Orlandos! In seinem Film zeichnet er seine eigene Verwandlung nach und lässt 25 andere trans und nicht-binäre Menschen im Alter zwischen 8 und 70 Jahren zu Wort kommen. Sie alle schlüpfen in die Rolle Orlandos.
»Woolfs fiktionale Figur hat es mir erlaubt, mir mein eigenes Leben vorzustellen, Veränderung zu begehren und zum Ausdruck zu bringen«, sagt Preciado. Sein Film ist deswegen auch eine ›politische Biografie‹, geschrieben entlang der eigenen und der kollektiven Geschichte aller anderen Orlandos – eine Geschichte, die noch immer eine des Kampfs für Anerkennung und Sichtbarkeit innerhalb eines heteronormativen Regimes ist. Transsein versteht Preciado dabei als eine poetische Reise, in der eine neue Sprache erfunden wird, mit der man sich selbst und die Welt bezeichnen kann. Die Vorstellung von einer Welt, die im stetigen Wandel ist, gewinnt so ihre Form.
Für seinen widerständigen, intimen, poetischen, durch und durch queeren Film wurde Preciado auf der Berlinale gefeiert und mit dem Spezialpreis der Encounters-Jury (ex aequo), dem Teddy für den Besten Dokumentarfilm und dem Preis der Tagesspiegel-Leserjury ausgezeichnet.
Sonntag, 2. August
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10:00: 14:00 ›Eastern Boys‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Am Pariser Gare du Nord lernt der Mitte 40-jährige Daniel den jungen Marek kennen, der seinen Körper für 50 Euro anbietet. Sie verabreden sich bei Daniel, wo aber wenig später eine ganze Bande osteuropäischer Jungs auftaucht und eine Party feiert, zu der der Gastgeber nicht eingeladen hatte. Fest im Glauben, einem üblen Trick aufgesessen zu sein, ist Daniel überrascht, als am nächsten Tag Marek bei ihm vor der Tür steht und sein Versprechen einhalten möchte. Aus einer »Geschäftsbeziehung« wird nach und nach ein regelmäßiges, aber immer unklareres Verhältnis. Kann zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen tatsächlich Liebe erstehen?
›Eastern Boys‹ lotet die Beziehung zwischen einem Stricher und einem Freier aus, ohne die sozialen Hintergründe der illegal in Frankreich arbeitenden osteuropäischen Jungs zu beschönigen. Immer, wenn der Verlauf der Geschichte von Marek und Daniel voraussehbar scheint, entwickelt sie sich in eine unvorhergesehen Richtung. Robin Campillos dramatische Liebesgeschichte wurde 2013 beim Internationalen Filmfestival von Venedig uraufgeführt und erhielt dort den Hauptpreis der prestigeträchtigen Nebensektion »Orrizonti«.
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12:30; 16:30 ›Im Stillen laut‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Erika und Tine sind beide 81 und seit über 40 Jahren ein Paar. Zusammen leben und arbeiten sie auf dem Kunsthof Lietzen in Brandenburg – und blicken auf ein bewegtes Stück gemeinsame Geschichte zurück. Mit ihrer Neugier und Offenheit stellen Erika und Tine alles in Frage, das Vergangene und das Bestehende.
Therese Koppes vielschichtiges dokumentarisches Porträt ist ein Film über das Leben, die Kunst und selbst geschaffene Freiräume in der DDR, über Liebe im Alter und die Frage, wie man sich und seinen Idealen treu bleiben kann.
Donnerstag, 6. August
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14:00 ›Der Gymnasiast‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Lucas ist 17 und kann es kaum abwarten, endlich das Internat und die Provinz hinter sich zu lassen, um nach Paris zu ziehen, wo sein großer Bruder Quentin lebt. Auch sein erster Freund Oscar wird ihn nicht davon abhalten. Doch ein tragischer Unfall reißt Lucas’ hoffnungsvollen Blick auf die Welt in Stücke. Weil selbst seine Mutter ihn nicht trösten kann, macht er sich auf nach Paris, wo er eine Woche bei Quentin und dessen Mitbewohner Lilio wohnen wird. Es werden Tage, die alles verändern werden …
In seinem bisher wohl persönlichsten Film erzählt Christophe Honoré (›Chanson der Liebe‹, ›Sorry Angel‹), der selbst die Rolle des Vaters spielt, vom schmerzhaften Erwachsenwerden eines Teenagers. Neben den Kinostars Vincent Lacoste und Juliette Binoche glänzt Newcomer Paul Kircher als Lucas, der erst nach und nach eine Sprache für seine Wut findet und die große Stadt, die Liebe und das Leben instinktiv erkundet. Für seine atemberaubende Leistung wurde Kircher in San Sebastián als Bester Darsteller ausgezeichnet.
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16:30 ›Sister My Sister‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Frankreich 1933. Christine und ihre jüngere Schwester Lea arbeiten als Dienerinnen bei Madame Danzard und ihrer unverheirateten Tochter Isabelle. Die Regeln sind klar verteilt: die Schwestern erledigen wortlos alle Aufgaben, Fehler werden nicht geduldet und frei ist nur der halbe Sonntag. Christine und Lea ertragen alle Demütigungen, weil sie sich auf diese Weise ganz nah sein können. In der Zurückgezogenheit ihrer Dachkammer wird die Beziehung der Schwestern immer körperlicher, ja rauschhafter. Als Madame Danzard erste Nachlässigkeiten im Haushalt bemerkt, droht die aufgestaute Spannung gefährlich zu kippen…
Nancy Mecklers Film beruht auf dem berüchtigten Kriminalfall um Christine und Léa Papin, der sich in Le Mans 1933 zugetragen hat und bereits Jean Genet zu seinem Theaterstück ›Die Zofen‹ inspiriert hat. Mit kammerspielhafter Präzision und prominenter Besetzung entwirft Meckler nicht nur eine messerscharfe soziale Klassenstudie, sondern erzählt auch die berührende Geschichte einer verbotenen Liebe.
›Sister My Sister‹ (1994) gilt als Klassiker des lesbischen Kinos aus Großbritannien.
Freitag, 7. August
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14:00 ›Sister My Sister‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Frankreich 1933. Christine und ihre jüngere Schwester Lea arbeiten als Dienerinnen bei Madame Danzard und ihrer unverheirateten Tochter Isabelle. Die Regeln sind klar verteilt: die Schwestern erledigen wortlos alle Aufgaben, Fehler werden nicht geduldet und frei ist nur der halbe Sonntag. Christine und Lea ertragen alle Demütigungen, weil sie sich auf diese Weise ganz nah sein können. In der Zurückgezogenheit ihrer Dachkammer wird die Beziehung der Schwestern immer körperlicher, ja rauschhafter. Als Madame Danzard erste Nachlässigkeiten im Haushalt bemerkt, droht die aufgestaute Spannung gefährlich zu kippen…
Nancy Mecklers Film beruht auf dem berüchtigten Kriminalfall um Christine und Léa Papin, der sich in Le Mans 1933 zugetragen hat und bereits Jean Genet zu seinem Theaterstück ›Die Zofen‹ inspiriert hat. Mit kammerspielhafter Präzision und prominenter Besetzung entwirft Meckler nicht nur eine messerscharfe soziale Klassenstudie, sondern erzählt auch die berührende Geschichte einer verbotenen Liebe.
›Sister My Sister‹ (1994) gilt als Klassiker des lesbischen Kinos aus Großbritannien.
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15:45 ›Der Gymnasiast‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Lucas ist 17 und kann es kaum abwarten, endlich das Internat und die Provinz hinter sich zu lassen, um nach Paris zu ziehen, wo sein großer Bruder Quentin lebt. Auch sein erster Freund Oscar wird ihn nicht davon abhalten. Doch ein tragischer Unfall reißt Lucas’ hoffnungsvollen Blick auf die Welt in Stücke. Weil selbst seine Mutter ihn nicht trösten kann, macht er sich auf nach Paris, wo er eine Woche bei Quentin und dessen Mitbewohner Lilio wohnen wird. Es werden Tage, die alles verändern werden …
In seinem bisher wohl persönlichsten Film erzählt Christophe Honoré (›Chanson der Liebe‹, ›Sorry Angel‹), der selbst die Rolle des Vaters spielt, vom schmerzhaften Erwachsenwerden eines Teenagers. Neben den Kinostars Vincent Lacoste und Juliette Binoche glänzt Newcomer Paul Kircher als Lucas, der erst nach und nach eine Sprache für seine Wut findet und die große Stadt, die Liebe und das Leben instinktiv erkundet. Für seine atemberaubende Leistung wurde Kircher in San Sebastián als Bester Darsteller ausgezeichnet.
Samstag, 8. August
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10:00; 14:00 ›Lola und das Meer‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Lola ist 18, hat pinke Haare und macht gerade ihr Diplom als Veterinär-Assistentin. Als ihre Mutter Catherine stirbt, sorgt ihr Vater Philippe dafür, dass sie die Trauerfeier verpasst. Vor zwei Jahren hat Philippe den Kontakt zu ihr abgebrochen, weil er das Outing seiner Tochter als trans nicht akzeptieren konnte. Doch Lola ist entschlossen, ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen: Catherine wollte unbedingt an der belgischen Küste beigesetzt werden – und zwar von Philippe und Lola zusammen. Widerwillig machen sich Vater und Tochter auf die gemeinsame Reise.
Für ihre einfühlsame Darstellung wurde Mya Bollaers als erste offene trans Person mit dem belgischen Filmpreis Magritte ausgezeichnet. An ihrer Seite spielt der französische Kinostar Benoît Magimel (›Die Klavierspielerin‹).
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12:00; 16:00 ›Edward II‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
England zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Nach dem Tod seines despotischen Vaters kann der junge König Edward II. (Steven Waddington) endlich seinen verstoßenen Liebhaber Gaveston (Andrew Tiernan) zurück nach London holen. Die obsessive Liebe des Herrschers bringt schnell die Lords und Kirchenmänner gegen den Günstling auf, der von Edward mit Adelstiteln und Reichtümern überhäuft wird. Die verschmähte Königin Isabella (Tilda Swinton) verbündet sich mit dem machthungrigen Lord Mortimer (Nigel Terry) gegen den Ehemann und auch das Volk erhebt sich gegen die unkonventionelle Liebe. Und während Edward verzweifelt sein Recht auf Glück einfordert, versinkt das Land im Bürgerkrieg…
Eine schwule Liebe, die eine homophobe Gesellschaft ins Chaos stürzt – das ist der Stoff, den Derek Jarman frei nach dem Stück des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe 1991 für das Kino entwirft. Das ist kein Historienschinken, keine langweilige Geschichtsstunde, sondern ein obsessiv-experimentelles Plädoyer für eine Welt, in der die Leidenschaftlichen nicht den Machtspielen und Intrigen zum Opfer fallen und als Verbrecher diskriminiert werden.
Sonntag, 9. August
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10:00; 14:00 ›Gesang der Meerjungfrauen‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die schüchterne Tagträumerin Polly lebt in Toronto und hält sich mit Zeitarbeitsjobs über Wasser. Ihren Alltag dokumentiert sie mit Fotos, die sie in ihrem kleinen Badezimmer entwickelt. Obwohl sie Probleme mit der Selbstorganisation hat und oft ziemlich ungeschickt ist, wird sie von der Kuratorin Gabrielle als neue Galerie-Sekretärin eingestellt. Polly bewundert ihre elegante und ehrgeizige neue Chefin, die gerade in einer Beziehung mit der jungen Künstlerin Mary feststeckt. Doch als Polly anonym eigene Fotos an die Galerie schickt, beginnen die Masken der Kunstwelt zu fallen.
Bei der Premiere in Cannes im Jahr 1987 wurde Patricia Rozemas bittersüße Komödie als Entdeckung gefeiert. Heute gilt ›Gesang der Meerjungfrauen‹ als einer der zentralen kanadischen Filme der 1980er Jahre und als Klassiker des lesbischen Kinos. Erzählt aus der subjektiven Perspektive seiner skurrilen und höchst liebenswürdigen Hauptfigur Polly führt uns der Film immer wieder in sinnliche Welten, in denen wir fliegen, auf dem Wasser gehen und tatsächlich Meerjungfrauen singen hören können.
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12:00; 14:00 ›Tally Brown, New York‹
Quelle Text: Rosa von Praunheim
Quelle Bild: Deutsche KinemathekDer Film dokumentiert das Leben des New Yorker Underground-Stars Tally Brown. Tally Brown singt »Heroes«, den David Bowie-Titel, und »Love in vain« (Rolling Stones). Auf ihren Wegen in Manhattan, in Las Vegas, in Miami erzählt sie von ihrer Karriere, von ihrem Entdecker Leonard Bernstein, von ihrer Mutter. Ihre Freunde, Stars des new yorker Underground, werden vorgestellt; Holly Woodlawn singt »Dr. Jazz«. Vor der Skyline von Manhattan erklärt Tally Brown ihre Liebe für New York. Die Kamera setzt die Worte optisch um und drückt sich in einer Reihe von Zooms ein Hochhaus nach dem anderen an die Brust.
In der abendlichen Dämmerstunde sorgt die große Reklametafel des Times Square für bunte anheimelnde Farben. In einem langen langsamen Schwenk taucht die Kamera in die Tiefe, vorbei an Pornokinos, Peepshows, Imbissständen, Passanten, Geschäftsleuten, Asozialen. In einer Nachtbar sieht man hinten, fern, klein und karg, einen Haufen schwarzer Kleider, hinter einem Mikrofon. Ein Klavier spielt. Tally Brown steht auf und singt mit ihrer Bluesstimme David Bowies »Heroes«.Die Kamera, wiederum im Schneckentempo, zoomt auf die Sängerin zu. Man erkennt jetzt, wie aufgedunsen, fett und häßlich sie ist. Sie hat grauenhafte Zähne, die Lippen sind grell geschminkt, die Augen schwarz zugeschmiert. »We could be heroes for just one day«. Die Kamera ist jetzt ganz nah. Tally Brown singt die Schlußverse auf deutsch. »Werden wir Helden für einen Tag. Wir sind dann wir an diesem Tag«. Tally Brown glaubt daran. Sie ist die Heldin, und der Zuschauer hat sich faszinieren lassen, Held auch er. Und sie ist die Größte.
Der Film wurde 1979 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Die Kritiker der Kinoaufführungen von 1979 registrierten, wie gut es ihrem Publikum tut, »dieser fetten, häßlichen, kranken, aber ungeheuer starken Frau zuzuhören, die mit ihrer Arbeit Anteil an der Verzweiflung der anderen nimmt«, schrieb Doris Dörrie, und Rudolf Thome fand: »Rosa von Praunheim ist einer der aufregendsten deutschen Filmemacher«. In New York war der Film im Dezember 1979 im Museum of Modern Art zu sehen. Die Village Voice schrieb dazu: »In seiner Art ist ›Tally Brown, New York‹ der beste Dokumentarfilm über New York seit Chantal Akermans News From Home«.
Donnerstag, 13. August
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14:00 ›Mutt‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
An einem Sommertag in New York scheint für den jungen trans Latino Feña alles auf einmal zu passieren: Papa Pablo kommt aus Chile zu Besuch und sucht plötzlich Kontakt, sein heterosexueller Ex-Boyfriend John meldet sich nach monatelanger Funkstille wieder und dann steht auch noch seine 13-jährige Halbschwester Zoe vor der Tür. Doch seit Feñas Transition haben sich die Dynamiken zu allen dreien verändert. Er stellt sich die Frage, wieviel Nähe sich zu den Menschen seines alten Lebens richtig anfühlt.
Authentisch und mitreißend schildert Vuk Lungulov-Klotz in seinem Debütfilm 24 Stunden im Leben eines jungen trans Mannes. Lío Mehiel, selbst non-binär und mit Wurzeln in Puerto Rico und Griechenland, verkörpert Feñas vielschichtiges Dazwischensein facettenreich und ausdrucksstark – und wurde für diese Leistung in Sundance mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Kaum ein Film vor ›Mutt‹ hat die Komplexität des Alltags als trans Person derart wahrhaftig gezeigt.
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16:00 ›Neubau‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Sommer in der Brandenburger Provinz. Markus ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seinen pflegebedürftigen Omas und der Sehnsucht nach einem anderen Leben in Berlin. In Tagträumen erscheint ihm immer häufiger eine Schar schillernder Dämonen als Vorboten einer queeren urbanen Wahlfamilie, die ihn aus seiner Einsamkeit befreit. Als er sich in Duc verliebt, wird alles noch komplizierter. Denn eigentlich stehen in Markus’ Neubauwohnung schon die gepackten Kisten für den Umzug in die große Stadt.
Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge. Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler*innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine »Neue Selbstverständlichkeit« geht. Im Januar 2020 feierte ›Neubau‹ seine Uraufführung im Spielfilm-Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis. Dort wurde er als Bester Spielfilm ausgezeichnet und dabei von der Jury besonders für seine »Kraft Empathie zu erzeugen« gelobt. Tucké Royale erhielt zudem für sein Buch und Schauspiel den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film.
Freitag, 14. August
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14:00 ›Neubau‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Sommer in der Brandenburger Provinz. Markus ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seinen pflegebedürftigen Omas und der Sehnsucht nach einem anderen Leben in Berlin. In Tagträumen erscheint ihm immer häufiger eine Schar schillernder Dämonen als Vorboten einer queeren urbanen Wahlfamilie, die ihn aus seiner Einsamkeit befreit. Als er sich in Duc verliebt, wird alles noch komplizierter. Denn eigentlich stehen in Markus’ Neubauwohnung schon die gepackten Kisten für den Umzug in die große Stadt.
Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge. Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler*innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine »Neue Selbstverständlichkeit« geht. Im Januar 2020 feierte ›Neubau‹ seine Uraufführung im Spielfilm-Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis. Dort wurde er als Bester Spielfilm ausgezeichnet und dabei von der Jury besonders für seine »Kraft Empathie zu erzeugen« gelobt. Tucké Royale erhielt zudem für sein Buch und Schauspiel den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film.
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16:00 ›Mutt‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
An einem Sommertag in New York scheint für den jungen trans Latino Feña alles auf einmal zu passieren: Papa Pablo kommt aus Chile zu Besuch und sucht plötzlich Kontakt, sein heterosexueller Ex-Boyfriend John meldet sich nach monatelanger Funkstille wieder und dann steht auch noch seine 13-jährige Halbschwester Zoe vor der Tür. Doch seit Feñas Transition haben sich die Dynamiken zu allen dreien verändert. Er stellt sich die Frage, wieviel Nähe sich zu den Menschen seines alten Lebens richtig anfühlt.
Authentisch und mitreißend schildert Vuk Lungulov-Klotz in seinem Debütfilm 24 Stunden im Leben eines jungen trans Mannes. Lío Mehiel, selbst non-binär und mit Wurzeln in Puerto Rico und Griechenland, verkörpert Feñas vielschichtiges Dazwischensein facettenreich und ausdrucksstark – und wurde für diese Leistung in Sundance mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Kaum ein Film vor ›Mutt‹ hat die Komplexität des Alltags als trans Person derart wahrhaftig gezeigt.
Samstag, 15. August
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10:00; 14:00 ›Herzstein‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Thor und Kristján leben in Borgarfjörður eystri, einem abgelegenen Fischerdörfchen in Island, und sind beste Freunde. Weil zu Hause meistens dicke Luft herrscht – Thor muss sich mit seinen älteren Schwestern herumärgern, Kristján mit seinem ständig betrunkenen Vater –, sind die Jungs am liebsten draußen unterwegs. Sie vertreiben sich die Zeit beim Fischefangen und beim Rumhängen auf dem Schrottplatz. Als sich Thor in die hübsche Beta verknallt, hilft Kristján ihm natürlich, dem Mädchen näher zu kommen. Doch allmählich muss sich Kristján eingestehen, dass seine Zuneigung zu Thor mehr als nur Freundschaft ist. In dem kleinen Dorf, in dem nichts lange geheim bleibt und Schwulsein noch etwas Ungeheuerliches hat, stellt das die Beziehung der beiden Jungs auf eine harte Probe …
Der isländische Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson wurde für seine Kurzfilme weltweit auf Festivals gefeiert und mit über 50 Preisen ausgezeichnet. In seinem Langfilmdebüt ›Herzstein‹ erzählt er von der innigen Kameradschaft zweier Jungen und vom sexuellen Erwachen, das die Freunde in unterschiedliche Richtungen führt. Die Weite der isländischen Natur, die der norwegische Kameramann Sturla Brandth Grøvlen (›Victoria‹) mit atemberaubenden Bildern einfängt, ist ein Fluchtraum für die Jugendlichen vor der reglementierten Welt der Erwachsenen, aber auch ein Abbild von Kristjáns Isolation. Für sein vielschichtiges Porträt einer unbändigen und zugleich schwer verletzlichen Freundschaft wurde Guðmundsson in Venedig mit dem Queer Lion geehrt.
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12:30; 16:30 ›Blue‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Ohne Zweifel stellt Derek Jarmans Film ›Blue‹ eine der großen Herausforderungen der Filmgeschichte dar. Entschlossen setzt der Künstler seiner Krankheit, die ihn langsam erblinden lässt und die unweigerlich zum Tod führt, die nach allen Seiten offene Leinwand entgegen — diese ist blau, und sonst nichts.
Über die Tonspur aber, die ein kraftvolles Gedicht aus Geräuschen, Texten und Musik darstellt und aufregende Querbezüge zwischen persönlicher Biografie, Geschichte und aktuellem Geschehen schafft, entwirft der Film seinen eigenen Raum und fordert jeden Zuschauer auf, einen eigenen, imaginären Film in die sich ergebenden Freiräume zu projizieren.
Sonntag, 16. August
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10:00; 14:00 ›Futur Drei‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Parvis wächst als Kind der Millenial-Generation im komfortablen Wohlstand seiner Iranischen Einwanderer-Eltern auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er sich durch Popkultur, Grindr-Dates und Raves zu entziehen. Nach einem Ladendiebstahl leistet er Sozialstunden als Übersetzer in einer Unterkunft für Geflüchtete. Dort trifft er auf das iranische Geschwisterpaar Banafshe und Amon. Zwischen ihnen entwickelt sich eine fragile Dreierbeziehung, die zunehmend von dem Bewusstsein geprägt ist, dass ihre Zukunft in Deutschland ungleich ist.
In seinem autobiographischen Regiedebüt erzählt Faraz Shariat, Jahrgang 1994, authentisch und zugleich wundersam überhöht vom queeren Heranwachsen eines Einwanderersohns in Deutschland – und liefert damit einen entschlossenen Gegenentwurf zu einem konventionellen deutschen Kino, in dem post-migrantische Erlebnisse und Geschichten von Einwanderern und ihrer Familien allzu oft ausgeschlossen oder misrepräsentiert werden. Für sein sensibles, pop-affines und kraftvolles Plädoyer für Diversität wurde ›Futur Drei‹ beim First Steps Award 2019 als Bester Spielfilm ausgezeichnet, Shariats junges Darsteller*innen-Ensemble (Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali, Benjamin Radjaipour) erhielt den Götz-George-Nachwuchspreis. Auf der Berlinale 2020, wo der Film im Panorama seine Weltpremiere feierte, wurde ›Futur Drei‹ mit zwei Teddys (Bester Spielfilm, Leser*innen-Preis) geehrt.
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12:00; 16:00 ›Drifter‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Moritz ist 22 und gerade von seinem Freund Jonas verlassen worden, für den er eigentlich nach Berlin gezogen war. Eine Zeit lang findet er Geborgenheit bei dem älteren Noah, bis es ihm zu eng wird. Moritz ändert sein Aussehen und taucht ein in die Berliner Partyszene. Er lebt seine unterdrückten Sehnsüchte und sexuellen Fetische aus, verliert sich aber auch zunehmend in Drogenexzessen und emotionaler Entfremdung. Erst mit Hilfe seiner queeren Freund*innen findet er heraus, wer er wirklich sein möchte.
In seinem ersten Langfilm erzählt Hannes Hirsch von der Suche eines jungen schwulen Mannes zu sich selbst – und von einer Art zweitem Coming-out. ›Drifter‹ ist eine Reise entlang von Einsamkeit, Exzessen und Kinks, stellt Fragen nach schwulen Körperbildern und nicht-heteronormativen (Wahl-)Verwandtschaften und zeichnet ein authentisches Porträt der queeren Community Berlins von heute.
Donnerstag, 20. August
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14:00 ›Eine total normale Familie‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die 11-jährige Emma hat immer gedacht, dass ihre Familie wie alle anderen ist. Bis ihr Papa Thomas sich eines Morgens als trans outet und erklärt, dass er von nun an als Frau leben möchte. Während aus Thomas nach und nach die elegant gekleidete Agnete wird, verändert sich auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Und Emma lernt, dass vielleicht gerade Veränderung das ist, was »ganz normal« ist.
Mit viel Feingefühl und leisem Humor zeichnet Malou Reymann das Porträt einer Familie, die sich von heteronormativen Vorstellungen lösen muss, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Die dänische Tragikomödie, mit der Reymann eigene Erfahrungen verarbeitet, feierte in Rotterdam Premiere.
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16:00 ›Captain Faggotron Saves the Universe‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Father Gaylord ist streng bibeltreu und natürlich überhaupt nicht schwul. Als sein Ex-Lover Queen Bitch vom Planeten Oberon droht, die Erde mittels eines magischen Rings in eine kinky Utopie zu verwandeln, sieht sich der Priester zur Intervention berufen. Er bittet Captain Faggotron um Hilfe. Der Superheld soll den Ring zurückgewinnen und die Ordnung wiederherstellen. Doch ist eine Welt, in der Father Gaylord sein wahres Ich leugnen und seine Liebe zu Queen Bitch verstecken muss, wirklich die, in der wir leben möchten?
Harvey Rabbits zügelloser Fantasy-Film über die Angst vor einem queeren Planeten ist ein rauschendes Fest für Fans von Trash und Camp. Ein kiffender Jesus, verspielte Aliens und dämonische Furries – selten war der Weg zur Selbstakzeptanz so hilariously queer wie in ›Captain Faggotron Saves the Universe‹!
Freitag, 21. August
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14:00 ›Captain Faggotron Saves the Universe‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Father Gaylord ist streng bibeltreu und natürlich überhaupt nicht schwul. Als sein Ex-Lover Queen Bitch vom Planeten Oberon droht, die Erde mittels eines magischen Rings in eine kinky Utopie zu verwandeln, sieht sich der Priester zur Intervention berufen. Er bittet Captain Faggotron um Hilfe. Der Superheld soll den Ring zurückgewinnen und die Ordnung wiederherstellen. Doch ist eine Welt, in der Father Gaylord sein wahres Ich leugnen und seine Liebe zu Queen Bitch verstecken muss, wirklich die, in der wir leben möchten?
Harvey Rabbits zügelloser Fantasy-Film über die Angst vor einem queeren Planeten ist ein rauschendes Fest für Fans von Trash und Camp. Ein kiffender Jesus, verspielte Aliens und dämonische Furries – selten war der Weg zur Selbstakzeptanz so hilariously queer wie in ›Captain Faggotron Saves the Universe‹!
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16:00 ›Eine total normale Familie‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Die 11-jährige Emma hat immer gedacht, dass ihre Familie wie alle anderen ist. Bis ihr Papa Thomas sich eines Morgens als trans outet und erklärt, dass er von nun an als Frau leben möchte. Während aus Thomas nach und nach die elegant gekleidete Agnete wird, verändert sich auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Und Emma lernt, dass vielleicht gerade Veränderung das ist, was »ganz normal« ist.
Mit viel Feingefühl und leisem Humor zeichnet Malou Reymann das Porträt einer Familie, die sich von heteronormativen Vorstellungen lösen muss, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Die dänische Tragikomödie, mit der Reymann eigene Erfahrungen verarbeitet, feierte in Rotterdam Premiere.
Samstag, 22. August
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10:00; 14:00 ›Frau aus Freiheit‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Polen in den frühen 1980ern. Während das Land dem Kommunismus allmählich den Rücken kehrt und sich zu einem demokratischen Staat wandelt, sucht Aniela WesoÅ‚y in einer Kleinstadt ihre Freiheit als Frau. Schon während ihrer Kindheit und Jugend beginnt sie, sich anders zu fühlen. Ihre Umgebung reagiert mit Unverständnis und Verdrängung. Doch weder die Widerstände in ihrer Familie noch staatliche Repressionen können sie davon abhalten, endlich die Person zu werden, die sie schon immer war.
Vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungen in Polen der letzten 50 Jahre erzählt ›Frau aus Freiheit‹ von der Selbstermächtigung einer Frau. Der neue Filme von MaÅ‚gorzata Szumowska und MichaÅ‚ Englert (›33 Szenen aus dem Leben‹, ›Im Namen des…‹, ›Body‹) ist ein bewegend gespieltes Figurenporträt von epischer Wucht, das sich nicht vor gesellschaftlichen Themen scheut, die auch im Polen von heute noch höchste Brisanz haben. Der Film wurde im Wettbewerb von Venedig gefeiert und glaubt, ganz im Geiste des großen Regisseurs Andrzej Wajda daran, dass Kino die Kraft der Veränderung in sich trägt!
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12:30; 16:30 ›Nevrland‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Der 17-jährige Jakob wohnt mit seinem Vater und Großvater in einer kleinen Wohnung in Wien. Um sich etwas Geld für das anstehende Studium zu verdienen, jobbt er als Aushilfe in dem Schlachthof, in dem auch sein Vater arbeitet. Doch eine zunehmende Angststörung macht ihm das Leben immer schwerer. Eines Nachts lernt er in einem Sex-Cam-Chat den 26-jährigen Künstler Kristjan kennen. Aus dem Gespräch entwickelt sich eine virtuelle Freundschaft, und auch in der realen Welt kreuzen sich die Wege der beiden auf unheimliche Weise – ohne dass es zu einer richtigen Begegnung kommt. Nach einem schweren Schicksalsschlag nimmt Jakob allen Mut zusammen und verabredet sich mit dem mysteriösen Fremden. Als die beiden sich in Kristjans Wohnung treffen, hat Jakobs Reise nach Nevrland und zu den Wunden seiner Seele längst begonnen.
Bildgewaltig und atmosphärisch dicht zeigt Regisseur Gregor Schmidinger in seinem ersten Langfilm ›Nevrland‹ den Prozess des sexuellen Erwachens und der Selbstfindung als existentiellen Trip, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie immer mehr verwischen. Neben Newcomer Simon Frühwirth, der in der Rolle des Jakob als Darsteller debütiert, glänzt der österreichische Star-Kabarettist und Schauspieler Josef Hader als Jakobs stoischer Vater. Ein tiefenpsychologisch fundierter Coming-of-Age-Film über den Mut, man selbst zu sein, und die gewaltige Angst, die oft davor liegt.
Sonntag, 23. August
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10:00; 14:00 ›Kokon‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Hitze auf ihrer Haut klebt, bekommt sie zum ersten Mal die Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen. Mit ihr wirkt die Welt plötzlich endlos groß und voller verborgener Schönheit, der Park wird zum Dschungel, das Freibad zum Meer. Nora lernt, zu sich zu stehen und traut sich endlich Wege abseits der Clique ihrer älteren Schwester Jule zu gehen. Doch wie kann Nora ihren Blick für all diese Schönheit bewahren, nachdem ihr zum ersten Mal das Herz gebrochen wurde?
In ihrem zweiten Film ›Kokon‹ erzählt Regisseurin und Drehbuchautorin Leonie Krippendorff in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age-Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben Newcomerin Lena Urzendowsky begeistern Kinostar Jella Haase (›Fack ju Göhte 1-3‹), die bereits in Krippendorffs preisgekröntem Langfilmdebüt ›Looping‹ die Hauptrolle gespielt hat, und Lena Klenke (›How to Sell Drugs Online (Fast)‹). Ein Film über wilde Mädchen, die sich von den Körperbildern der allgegenwärtigen sozialen Netzwerke emanzipieren und erst so herausfinden, wer sie sein wollen.
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12:00; 16:00 ›Messer im Herz‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
Paris, Sommer 1979. Filmemacherin Anne (Vanessa Paradis) verdient ihr Geld als Regisseurin und Produzentin drittklassiger Schwulenpornos. Als sie von ihrer Freundin Loïs (Kate Moran) verlassen wird, beschließt Anne die Geliebte, die zugleich die Cutterin ihrer Filme ist, mit einem ambitionierten Filmprojekt zurückzugewinnen. Doch eine brutale Mordserie überschattet den Dreh: Ein mysteriöser Killer dezimiert, bewaffnet mit einem Dildo mit Schnappklinge, Cast und Crew. Als die polizeilichen Ermittlungen nicht vorankommen, will Anne dem Mörder selbst eine Falle stellen. Doch ihr Plan bringt das verbleibende Team in größte Gefahr …
Nach seinem sinnlich-surrealen Debütfilm ›Begegnungen nach Mitternacht‹ (2013) entwirft der französische Regisseur Yann Gonzalez einen wilden und höchstreferentiellen Genre-Mix aus blutigem Giallo-Schlitzer, düsterem Psycho-Thriller und frivolem Erotik-Melodram, der zugleich liebevolle Hommage an das französische Schwulenporno- und Undergroundkino der 70er Jahre ist. In sein cinephiles Labyrinth der Lüste und Traumata schickt er zur betörenden Musik der Elektronikband M83 neben Superstar Vanessa Paradis einige der aufregendsten jungen Darsteller Frankreichs, darunter Nicolas Maury und Félix Maritaud (›Sauvage‹). Bei seiner Uraufführung im Wettbewerb von Cannes wurde Gonzalez‘ bildgewaltiger Filmrausch als radikales Meisterwerk gefeiert. Es folgten zahlreiche Preise, u.a. der renommierte Prix Jean Vigo, Frankreichs wichtigste Auszeichnung für junge visionäre Filmkunst.
Donnerstag, 27. August
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14:00 ›Eisenstein in Guanajuato‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
1931, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, reist der sowjetische Filmemacher Sergej Eisenstein nach Mexiko, um dort einen neuen Film zu drehen. Nach einer Abfuhr aus Hollywood und vom stalinistischen Russland unter Druck gesetzt, kommt er in Guanajuato an und begibt sich unter die Obhut seines attraktiven Führers Palomino Cañedo. In der farbenfrohen Stadt entdeckt der unbeholfene Meisterregisseur neue Zusammenhänge zwischen Eros und Thanatos, Sexualität und Tod, für die er zwar im Film schon immer meisterhafte Bilder fand, die ihm aber noch nie so nah auf den Leib gerückt waren.
Peter Greenaways neues Meisterwerk verblüffte im Wettbewerb der Berlinale 2015 durch die Komik, Freizügigkeit und Leichtigkeit, mit der er seinen zeitgeschichtlichen Helden auf eine 10-tägige Entdeckungsreise schickt, die dessen Werk für immer verändern sollte. ›Eisenstein in Guanajuato‹ ist ein frivoler und origineller Kommentar auf die Wirkkräfte und Leidenschaften, die die Grundlage eines jeden großen Kinofilms sind.
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16:00 ›Ich bin meine eigene Frau‹
Quelle Text und Bild: Rosa von Praunheim
Rosa von Praunheim porträtiert den bekannten Transvestiten aus der ehemaligen DDR Charlotte von Mahlsdorf in einer gelungenen Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm. Charlottes Mutter ist schwach und anlehnungsbedürftig, die lesbische Tante ist die Einzige, die Charlotte Verständnis entgegenbringt. Als Charlotte, vom Vater gedemütigt und gequält, keinen anderen Ausweg mehr weiß, bringt sie ihn um.
Charlotte übersteht trotz alledem unversehrt die Wirren des Krieges und lebt ihr Leben. Sie errichtet ihr eigenes Museum, das einzige Privatmuseum in der ehemaligen DDR und kämpft weiter um die Verwirklichung ihrer Träume und Vorstellungen – in Faltenrock und Kittelschürze. 1992 erhält sie eine der höchsten Auszeichnungen Deutschlands, das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Rosa von Praunheim erzählt mit diesem Dokumentar-Spielfilm die fast unglaubliche Lebensgeschichte eines warmherzigen, sanftmütigen Menschens, einer couragierten Außenseiterin, einer ewigen Kämpferin. Charlotte von Mahlsdorf, geb. 1928 als Lothar Berfelde, wächst während des Nationalsozialismus unter einem tyrannischen und gewalttätigen Vater auf, der Charlotte zu einem echten Soldaten machen will.
Freitag, 28. August
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14:00 ›Ich bin meine eigene Frau‹
Quelle Text und Bild: Rosa von Praunheim
Rosa von Praunheim porträtiert den bekannten Transvestiten aus der ehemaligen DDR Charlotte von Mahlsdorf in einer gelungenen Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm. Charlottes Mutter ist schwach und anlehnungsbedürftig, die lesbische Tante ist die Einzige, die Charlotte Verständnis entgegenbringt. Als Charlotte, vom Vater gedemütigt und gequält, keinen anderen Ausweg mehr weiß, bringt sie ihn um.
Charlotte übersteht trotz alledem unversehrt die Wirren des Krieges und lebt ihr Leben. Sie errichtet ihr eigenes Museum, das einzige Privatmuseum in der ehemaligen DDR und kämpft weiter um die Verwirklichung ihrer Träume und Vorstellungen – in Faltenrock und Kittelschürze. 1992 erhält sie eine der höchsten Auszeichnungen Deutschlands, das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Rosa von Praunheim erzählt mit diesem Dokumentar-Spielfilm die fast unglaubliche Lebensgeschichte eines warmherzigen, sanftmütigen Menschens, einer couragierten Außenseiterin, einer ewigen Kämpferin. Charlotte von Mahlsdorf, geb. 1928 als Lothar Berfelde, wächst während des Nationalsozialismus unter einem tyrannischen und gewalttätigen Vater auf, der Charlotte zu einem echten Soldaten machen will. -
16:00 ›Eisenstein in Guanajuato‹
Quelle Text und Bild: Salzgeber
1931, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, reist der sowjetische Filmemacher Sergej Eisenstein nach Mexiko, um dort einen neuen Film zu drehen. Nach einer Abfuhr aus Hollywood und vom stalinistischen Russland unter Druck gesetzt, kommt er in Guanajuato an und begibt sich unter die Obhut seines attraktiven Führers Palomino Cañedo. In der farbenfrohen Stadt entdeckt der unbeholfene Meisterregisseur neue Zusammenhänge zwischen Eros und Thanatos, Sexualität und Tod, für die er zwar im Film schon immer meisterhafte Bilder fand, die ihm aber noch nie so nah auf den Leib gerückt waren.
Peter Greenaways neues Meisterwerk verblüffte im Wettbewerb der Berlinale 2015 durch die Komik, Freizügigkeit und Leichtigkeit, mit der er seinen zeitgeschichtlichen Helden auf eine 10-tägige Entdeckungsreise schickt, die dessen Werk für immer verändern sollte. ›Eisenstein in Guanajuato‹ ist ein frivoler und origineller Kommentar auf die Wirkkräfte und Leidenschaften, die die Grundlage eines jeden großen Kinofilms sind.
Samstag, 29. August
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10:00; 14:00 Best-of
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12:00; 14:00 Best-of
Sonntag, 30. August
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10:00; 14:00 Best-of
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12:00; 16:00 Best-of
Donnerstag, 3. September
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14:00 Best-of
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16:00 Best-of
Freitag, 4. September
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14:00 Best-of
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16:00 Best-of
Samstag, 5. September
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10:00; 14:00 Best-of
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12:00; 16:00 Best-of
Sonntag, 6. September
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10:00; 14:00 Best-of
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12:00; 16:00 Best-of
Donnerstag, 10. September
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14:00 Best-of
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16:00 Best-of
Samstag, 12. September
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10:00; 14:00 Best-of
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12:00; 16:00 Best-of
Sonntag, 13. September
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10:00; 14:00 Best-of
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12:00; 14:00 Best-of