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Cyankali
Kinemathek
›Cyankali‹ erzählt vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise die Geschichte der Büroangestellten Hete: Sie wird von ihrem Verlobten Paul, einem Fabrikarbeiter, schwanger. Zunächst möchte sie trotz ihrer prekären wirtschaftlichen Situation das Baby bekommen. Als Paul und seine Kolleg*innen für einen höheren Lohn kämpfen, verliert er jedoch seine Arbeit und Hete sieht sich gezwungen, das Kind abzutreiben. Nach Paragraph 218 ist ein Schwangerschaftsabbruch verboten, weshalb Hete von den Ärzten abgewiesen wird. Bei einer ›Engelsmacherin‹ – einer Frau, die illegale Abtreibungen vornimmt – erhält sie dann das titelgebende Zyankali … Ein Film über die tödlichen Risiken von Schwangerschaftsabbrüchen in der Weimarer Republik und eine scharfe Anklage gegen das Abtreibungsverbot sowie gegen die Existenznot im Arbeiter*innenmilieu. Der öffentliche Einsatz für das Abtreibungsrecht wurde in der Weimarer Republik erstmals möglich und blieb doch riskant: ›Cyankali‹ löste heftige Kontroversen bei der Zensurstelle und beim Publikum aus. Die Zulassung des Films wurde wiederholt verhandelt, auch noch, als er bereits wochenlang über die Leinwände flimmerte.
D 1930, Regie: Hans Tintner, 91 min, OF (teils stumm) meU
Musik: Paul Rittel
Begrüßung durch Heleen Gerritsen (Künstlerische Direktorin, Deutsche Kinemathek)
In deutscher und englischer Sprache
Kuratorische Eröffnung von Elisa Jochum (Leiterin des Filmarchivs und kuratorische Leiterin des Festivals, Deutsche Kinemathek)
In englischer Sprache
| Tickets | 10 € / ermäßigt 7 € |
| Wann | Mi 21.10.26, 19:00 |
| Wo |
Kinemathek |
Details zur Veranstaltung
Details zur Veranstaltung und Gäste
Filmdaten
R: Hans Tintner
B: Hans Tintner
K: Günther Krampf
M: Willy Schmidt-Gentner
D: Herma Ford, Grete Mosheim, Nico Turoff, Claus Clausen, Margarete Kupfer
P: Atlantis-Film GmbH
Prod: Hans Tintner
UA: Mai 1930
Originalformat: 35 mm, s/w
Vorführkopie: 2K DCP, 91 min, Deutsche Kinemathek
Infos zur Restaurierung
Weltpremiere der digital restaurierten Fassung, die auf dem 35-mm-Originalbildnegativ und dem originalen 35-mm-Lichttonnegativ (beides Nitrat) beruht. Das Bildnegativ weist Lücken auf, entstanden durch zulassungsbedingte Kürzungen und Bearbeitungen des Films im Lauf seiner Archivgeschichte. Vom Ton fehlen vier der ursprünglich zehn Rollen, die trotz intensiver Recherche nicht ergänzt werden konnten. Die Digitalisierung wurde gefördert durch das Förderprogramm Filmerbe (FFE). Die fehlenden Musikpassagen werden während der Vorführung vom Cellisten Paul Rittel live neu vertont.
Heleen Gerritsen
ist seit Juni 2025 Künstlerische Direktorin der Deutschen Kinemathek und verantwortlich für die Berlinale-Sektionen Retrospektive und Berlinale Classics. Sie studierte Slavistik, Osteuropäische Geschichte und Volkswirtschaft in Amsterdam sowie Russische Philologie in Sankt Petersburg. Berufliche Stationen führten sie unter anderem zu den Sendern ARTE, SWR und RBB. Von 2014 bis 2016 leitete sie das Festival dokumentART, von 2017 bis 2025 goEast. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf mittel- und osteuropäischem Kino, Erinnerungskultur und immersiven Formaten. Gerritsen ist international als Kuratorin, Autorin und Jurorin tätig.
Elisa Jochum
ist promovierte Filmwissenschaftlerin und Kulturhistorikerin. Seit 2022 leitet sie das Filmarchiv der Deutschen Kinemathek, inklusive seines Distributions- und Programmbereichs. Als leitende Kuratorin des Filmerbe-Festivals Film Restored ist sie verantwortlich für seine strategische und thematische Ausrichtung sowie das Programm. Seit 2025 ist sie zudem Mitglied des Leitungskomitees der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF). Jochum hält Lehrveranstaltungen an der Filmakademie Baden-Württemberg zu audiovisueller Geschichte und zu Archivierung für die nächste Generation von Filmemacher*innen. Zu vorherigen Arbeits- und Forschungsstationen gehören das Goethe-Institut, die Humboldt-Universität zu Berlin, das University College London und die Yale University.
Paul Rittel
ist ein professioneller Cellist, Komponist, Sänger und Multiinstrumentalist aus Bonn. Schon mit jungen Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die verschiedensten musikalischen Genres und Instrumente. Später studierte er sowohl klassische Musik als auch Jazz und Pop in Essen, Arnheim und Köln. Seine eigene Musik – derzeit mit Schwerpunkten auf Dub-Reggae, Prog-Rock und Funk – veröffentlicht er unter dem Künstlernamen Plush Rebel, ebenso wie interdisziplinäre Konzeptkunst-Projekte. Darüber hinaus ist Rittel als freischaffender Session-, Studio- und Veranstaltungsmusiker, Musiklehrer, Produzent und Komponist in einem breiten Genrespektrum tätig, das unter anderem Pop und Rock, Klassik, Jazz, Theater, Stummfilm und bildende Kunst umfasst.
Weitere Informationen zum Festival
Über Film Restored
2026 widmet sich das Filmerbe-Festival der Deutschen Kinemathek den Risiken im Kino. Es blickt auf Wagnisse bei der Produktion und Verbreitung von Filmen, auf Gefahren im Archiv und bei Restaurierungen sowie auf Filme über Menschen, für die alles auf dem Spiel steht – Risikoebenen, die oft zusammen auftreten und sich gegenseitig bedingen.
Weitere Informationen zum Festival
Weitere Veranstaltungen
Sonntag 25.10.
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