Retrospektive 2005: Schauplätze, Drehorte, Spielräume. Production Design + Film

Übersicht

Ob verschwenderisch und opulent ausgestattete Sets oder zurückhaltend und schlicht gestaltete Räume – Production Design bestimmt den Look und die Atmosphäre eines Films und gibt dem visuell Typischen seine Gestalt. Die Retrospektive der 55. Internationalen Filmfestspiele Berlin widmete sich unter dem Titel „Schauplätze – Drehorte – Spielräume. Production Design + Film“ der Wirkung und dem Metier des Production Designs. Die von Ralph Eue kuratierte Retrospektive wurde von der Deutschen Kinemathek verantwortet. Leiter der Retrospektive war (bis 2006) Hans Helmut Prinzler. Die Filmvorführungen fanden im CinemaxX am Potsdamer Platz statt.

Zur Retrospektive erschien im Berliner Bertz + Fischer Verlag die Publikation Schauplätze, Drehorte, Spielräume. Production Design + Film. Im Filmmuseum Berlin gab es begleitende Vorträge und Diskussionen. Außerdem wurde dort vom 9. Februar bis zum 19. Juni 2005 die Ausstellung „Bewegte Räume“ gezeigt.

Production Designer liefern den visuellen Schlüssel für die Stimmung und die Geschichte eines Films. Die Ausstattung kann individuelle Gefühle ebenso wie gesellschaftliche Verhältnisse zum Ausdruck bringen oder das Rätselhafte und Bedrohliche einer Handlung akzentuieren. Die verschiedenen Aspekte der Wirkungsweise von Production Design zeigte die Retrospektive der Berlinale 2005 in fünf thematischen Bereichen. Die Filmreihe umfasste 45 internationale Filme aus den vergangenen 65 Jahren. Dabei wurde den stilbildenden Filmen Stanley Kubricks ein besonderer Platz eingeräumt.

Die Rubrik „Interiors“ widmete sich Innenwelten und privaten Räumen. Diese hat zum Beispiel Rolf Zehetbauer für Rainer Werner Fassbinders Film DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS (BRD 1981/82) eindringlich in Szene gesetzt. Und Richard Sylbert gelang es, mit der Gestaltung des Interieurs in Mike Nichols’ Film WHO'S AFRAID OF VIRGINIA WOOLF? (WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF?, USA 1966) innere Konflikte des Akademikerpaars Taylor/Burton sichtbar zu machen.

Unter der Überschrift „Transit“ wurden Filme gezeigt, in denen der filmische Raum zur Metapher wird: Der Production Designer P. A. Lundgren gestaltete in Ingmar Bergmans Film TYSTNADEN (DAS SCHWEIGEN, S 1962/63) durchlässige Räume, die das thematisierte „Schweigen” hörbar machen, Entfremdung visualisieren. In 2001: A SPACE ODYSSEY (2001: ODYSSEE IM WELTRAUM, GB/USA 1965–68) findet Stanley Kubricks Blick auf die Entwicklung der Menschheit im Production Design von Ernest Archer, Harry Lange und Anthony Masters seine Entsprechung.

Der Abschnitt „Macht“ zeigte unter anderem GATTACA (USA 1997) von Andrew Niccol. In diesem Film ist es Jan Roelfs auf subtile Weise gelungen, das Bedrohliche totalitärer Strukturen in Architektur und Design zu spiegeln. Für Billy Wilders Meisterwerk THE APARTMENT (DAS APPARTEMENT, USA 1960) hat Alexandre Trauner mit seinen Bauten eine Welt der Hierarchien und Abhängigkeiten räumlich übersetzt.

Der Zwischen-Raum von Realität und Illusion wurde im Bereich „Bühne“ sichtbar. Für E LA NAVE VA (FELLINIS SCHIFF DER TRÄUME, I/F 1983) etwa kreierte Dante Ferretti ein artifizielles Meer aus riesigen Plastikplanen, weil Federico Fellini in seinem Film kein „echtes Meer“ haben wollte. In den Bauten K. Efimows wird Grigorij Alexandrows Komödie WESNA (DER FRÜHLING, UdSSR 1947) zum Double des Lebens und das Leben zum Double des Films.

Die Rubrik „Labyrinth“ versammelte Filme, die ein Wechselspiel von Erzählstruktur und Raumkonstellation präsentieren. Endlose Flure und verwirrende Raumabfolgen werden zum Irrgarten. So zum Beispiel in Stanley Kubricks Film THE SHINING (SHINING, GB/USA 1978–80), für den Roy Walker das Production Design entworfen hat. Die labyrinthische Form findet sich aber auch in Bernardo Bertoluccis STRATEGIA DEL RAGNO (DIE STRATEGIE DER SPINNE, I 1969/70), einer Reflexion über Verrat und Schuld, für die die Production Designerin Maria Paola Maino einen betörenden Drehort ausfindig machte.

 

>> Die Ausstellung „Bewegte Räume"

Nach oben