Profil

In der Retrospektive werden Klassiker wiederentdeckt und nicht selten auch verschollen geglaubte Filme. Die Retrospektive bringt deutsche und internationale Filme oftmals in restaurierter Fassung oder neuer Kopie zurück auf die große Leinwand. Der zeitgenössische Film wird in der Retrospektive in einen historischen Zusammenhang gestellt.

Seit 2013 ist die Retrospektive um die Präsentationen der Berlinale Classics erweitert. Sie zeigen aktuelle Restaurierungen von Filmklassikern sowie wiederentdeckte Filme, brillant in Bild und Ton. Damit wird für die wachsende Anzahl hochwertiger Restaurierungen und Rekonstruktionen, die die neuen Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung nutzen, ein Forum für Erstaufführungen geschaffen.

Die Filme der Berlinale Classics werden in der Regel von einem prominenten Gast des Festivals vorgestellt. Berlinale Classics setzt die Tradition der Retrospektive fort, neue Restaurierungen auch unabhängig vom jeweils aktuellen Retrospektive-Thema zu präsentieren, und ist gestützt auf die Kooperation mit internationalen Partnern.

Die Retrospektive hat eine weit zurückreichende Geschichte, ebenso wie die Hommage: Bereits seit 1977 veranstalten die Internationalen Filmfestspiele Berlin in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek filmhistorische Retrospektiven und Hommagen. Während die Retrospektive ist jeweils einem bedeutenden Regisseur oder einem filmhistorischen Thema gewidmet ist, würdigt die Hommage in der Regel eine große Schauspielerpersönlichkeit und präsentiert deren Lebenswerk.

 

Themen

Jede Retrospektive stellt Anforderungen eigener Art. Verschiedene Kriterien müssen bei der Themenfindung in Einklang gebracht werden: filmhistorische Bedeutung und Originalität, Differenz, aber auch Kontinuität zu vorangegangenen Themen. Aktuelle, vielleicht sogar politische Bezüge. Attraktivität sowohl für ein breiteres Publikum wie für die Fachbesucher des Festivals aus dem In- und Ausland. Bietet das Thema genügend Anreiz zu filmhistorischer Forschung? Lässt sich das gefundene Thema sinnvoll in der Begleitpublikation dokumentieren? Wie sieht die Kopienlage aus? Welche Gäste können wir einladen? Welche Begleitveranstaltungen bieten sich an? Einen Konsens zum Thema zu finden, ist selten ein Problem. Begeisterung und Enthusiasmus sind ansteckend.

In der Ausführung der Retrospektive hat die Deutsche Kinemathek freie Gestaltungsmöglichkeiten. Häufig findet zusätzlich zur Retrospektive auch eine Hommage statt, die einem Ehrengast gewidmet ist.

Als Hommage-Gäste waren bisher in Berlin: James Stewart (1982), Melina Mercouri und Jules Dassin (1984), Fred Zinnemann (1986), Jane Russell (1991), Hal Roach (1992), Gregory Peck (1993), Sophia Loren (1994), Alain Delon (1995), Elia Kazan (1996), Jack Lemmon (1996), Kim Novak (1997), Catherine Deneuve (1998), Shirley MacLaine (1999), Jeanne Moreau (2000), Kirk Douglas (2001), Claudia Cardinale (2002), Anouk Aimée (2003), Arthur Penn (2007), Francesco Rosi (2008).

Die Retrospektive hat bedeutende Regisseure geehrt, unter anderen Billy Wilder (1980), Curtis Bernhardt (1982), Ernst Lubitsch (1984), Rouben Mamoulian (1987), Erich von Stroheim (1994), Buster Keaton (1995), William Wyler (1996), G. W. Pabst (1997), Robert und Curt Siodmak (1998), Otto Preminger (1999), Fritz Lang (2001), F. W. Murnau (2003), Luis Buñuel (2008). Und sie hat sich verschiedenen filmhistorischen Themen gewidmet, darunter Exil (1983), Special Effects (1985), Color (1988), Europa 1939 (1989), Das Jahr 1945 (1990), Kalter Krieg (1991), Babelsberg (1992), CinemaScope (1993), Slapstick & Co. (1995), Künstliche Menschen (2000), European 60s (2002), New Hollywood (2004), Production Design (2005), Traumfrauen. Stars im Film der fünfziger Jahre (2006), City Girls. Frauenbilder im Stummfilm (2007).

 

Filmkopien

Filme in möglichst guter Kopienqualität auf die Leinwand zurückzubringen, ist ein Anspruch der Retrospektive, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Ein internationales Netz von Archiven, Verleihen, privaten Sammlern und Rechteinhabern unterstützt dieses Bestreben und stellt Kopien und Rechte zur Verfügung. Die Stiftung Deutsche Kinemathek ist Mitglied der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) und steht in Kontakt und Austausch mit zahlreichen Filmarchiven weltweit.

Dank der aufwändigen Restaurierungen in diesen Archiven können Filme brillant in Ton und Bild, differenziert in Grautönen oder farbgetreu wie bei ihrer ersten Aufführung entdeckt oder wiedergesehen werden. Bei der zeitintensiven Recherche gilt es, nicht nur die Spur eines Films in der Filmgeschichte zu verfolgen, sondern auch verschiedene Kopien aufzuspüren, miteinander zu vergleichen und zu bewerten. Nicht bei jedem Film gelingt es, eine qualitativ hochwertige, wenig gespielte Kopie zu beschaffen oder den Leihgeber davon zu überzeugen, dass er speziell für die Berlinale eine neue Kopie zieht. Doch die Zahl der Studios, Verleiher und Archive wächst, die den Wert von Filmrestaurierung erkennt und die Retrospektive der Berlinale für die glanzvolle Wiederaufführung restaurierter Filme oder seltener, wertvoller Archivkopien wählt.

 

Vorträge, Gespräche, Lesungen, Publikationen

Eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Diskussionen, Lesungen und Vorführungen von Dokumentationen ergänzt das Programm der Retrospektive. Die Veranstaltungsreihe ist ein Forum für unsere Gäste, ein Ort für Entdeckungen, Begegnungen und des Austauschs – lebendige Kinematografie.

Die Deutsche Kinemathek konzipiert und erarbeitet Begleitpublikationen. Diese Veröffentlichungen sind inhaltlich eng an das Thema und Filmprogramm der Retrospektive/Hommage geknüpft. In den Büchern wird das Sujet vertieft, möglichst von vielen Seiten beleuchtet und filmhistorisch eingebettet, um die Publikationen über den aktuellen Anlass hinaus zu einem nützlichen Nachschlagewerk zu machen. Die gezeigten Filme werden in den seit 1997 erscheinenden FilmHeften mit ausführlichen Filmografien und zeitgenössischen Kritiken dokumentiert. Seit 2004 sind diese Informationen – jeweils unter dem Titel des Films als pdf – auch auf der Website der Berlinale und der Deutschen Kinemathek abrufbar.

Die Bücher zur Retrospektive und Hommage sowie die FilmHefte werden während des Festivals an speziell eingerichteten Verkaufsstellen und im Museums-Shop der Deutschen Kinemathek verkauft.

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