Heike Klapdor (Hg.)

Ich bin ein unheilbarer Europäer. Briefe aus dem Exil

Herausgegeben von Heike Klapdor im Auftrag der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen
Redaktion: Rolf Aurich, Wolfgang Jacobsen
Aufbau Verlag, Berlin 2007
510 Seiten, 30 Abbildungen, 29,95 Euro
ISBN 978-3-351-02655-4

 

Adressat dieser bislang unveröffentlichten Korrespondenzen ist der Filmagent Paul Kohner, aus dessen in der Deutschen Kinemathek verwahrtem Nachlass die hier edierte Auswahl stammt.

Kohners Adresse am Sunset Boulevard 9169 in Hollywood wurde nach 1938 zur Drehscheibe der deutschsprachigen Emigration. Bald gehörten Autoren, Regisseure und Schauspieler, die aus Nazi-Deutschland fliehen mussten – darunter Vicky Baum, Salka Viertel, Max Reinhardt, Paul Dessau und Kurt Weill –, zu seinen Klienten. Kohner schrieb unermüdlich Briefe, verschaffte den Verfolgten Affidavits, die ihnen die Einreise in die USA ermöglichten, sorgte dafür, dass die Studios den Emigranten Verträge offerierten – und rückte die Illusionen mancher europäischer Stars zurecht, denn nicht alle sahen ihre Situation so realistisch wie Alfred Polgar, der sarkastisch schrieb: Begabung und Fleiß seien in Hollywood kein Übel, doch „Arschkriecherei sehr zweckdienlich“.

Der Band versammelt Briefe von Thomas Mann, Max Ophüls, Carl Zuckmayer, Heinrich und Erika Mann, Alfred Polgar, Robert Siodmak, Alfred Bassermann u. v. a., in denen die Umstände des Exils auf ergreifende Weise deutlich werden: Es geht um Geld, Visa und Bürgschaften, um Erfolg und Scheitern, um Fremde und Heimat.

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