Rainer Rother / Julia Pattis (Hg.)

Die Lust am Genre. Verbrechergeschichten aus Deutschland

Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2011
224 Seiten, 19,90 Euro
ISBN 978-3865052117

 

Gangster, kriminelle Banden, Polizisten, Detektive – diese Figuren waren lange Zeit nur selten im deutschen Kino zu sehen. Gehörten in den 1960er Jahren Thriller und Kriminalfilme noch zum Standardrepertoire der deutschen Filmproduktion, so trat mit der Etablierung des Fernsehens als Alltagsmedium der Aspekt serieller Massenproduktion für den Kinofilm zurück. Das Fernsehen wurde Rückzugsort des Genres, im Kino wurden Autoren gefeiert – entsprechend dem gängigen Verständnis von Genre- und Autorenfilm.
Heute steht der Begriff ‚Genre’ nicht mehr nur für serielle Massenprodukte der Filmindustrie, sondern beschreibt auch einen Trend, die konventionalisierten Muster und Motive des Genre-Kinos als Grundlage für kreative Filmprojekte zu nutzen – eine Entwicklung, die sich in den letzten Jahren auch in Deutschland beobachten lässt: Autorenfilmer eignen sich klassische Motive des Thrillers an und setzen diese in ungewöhnlichen Produktionen um. Genreregeln legen hier nicht konventionalisierte Narration oder schematisierte Figuren fest – sie bieten vielmehr den Ausgangspunkt für variable und kreative Auseinandersetzungen mit filmischen Mustern und Mythen.
Film- und Medienwissenschaftler untersuchen in diesem Band die Geschichte des Kriminalgenres in Deutschland, analysieren die Wechselbeziehung von Autorenschaft und Genreverpflichtung und verorten die aktuellen Tendenzen zum Genrefilm in einem historischen Rahmen. Fallbeispiele ergänzen diese Ausführungen und vertiefen den Blick auf deutsche Gegenwartsproduktionen.

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