Wolfgang Jacobsen (Hg.):

Hans Casparius

Von der Kamera berührt – Menschen. Gesichter. Gefühle

Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen
Edition Text + Kritik, München 2014
144 Seiten, 28 Euro
ISBN 978-3-86916-337-6

 

Als Fotograf war Hans Casparius Autodidakt. 1900 in Berlin geboren, aus wohlhabendem Elternhaus stammend, verdingte er sich aus Liebhaberei Ende der 1920er-Jahre zunächst als Kleindarsteller beim Film. En passant begann er am Set zu fotografieren, spontan und ohne die professionelle Allüre der inszenierten Standfotografie. Der Regisseur G. W. Pabst förderte Casparius’ fotografische Ambition, die schließlich zu seinem Beruf wurde. Der Schriftsteller Arnold Höllriegel nahm ihn als Bildbegleiter auf seine Reisen in die Welt mit. So wuchs sein Renommee. Hans Casparius emigrierte 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland, zunächst nach Wien, 1938 weiter nach London, wo er 1985 starb.

Der fotografische Nachlass von Hans Casparius wird in der Deutschen Kinemathek verwahrt. Die Auswahl für dieses Buch konzentriert sich auf Porträts von Prominenten und Unbekannten. Casparius vermied Posen vor der Kamera. Seine Porträts wirken wie nebenher fotografiert, bergen den Funken der unmittelbaren Begegnung zwischen Fotograf und Porträtierten und berühren durch ihre menschliche Nähe und den wahrhaftigen Ausdruck, die in ihnen aufgehoben sind. Es treten uns entgegen Menschen des Alltags – Frauen, Männer, Kinder. Und Persönlichkeiten der Zeit – der Schriftsteller Arnold Höllriegel, der Komponist Kurt Weill, der Rabbiner Leo Baeck und Sigmund Freud mit seinen Hunden. Schließlich Menschen vom Film: Elisabeth Bergner, Sybille Schmitz und Louise Brooks, Reinhold Schünzel, Rudolf Forster und Theo Lingen, Lotte Lenya, Carola Neher und Valeska Gert. Auch Hans Casparius im Selbstporträt. Sie alle von dessen Kamera berührt.

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