Anne Barnert

Mit Behutsamkeit

Hans Wintgens Filmbeobachtungen der DDR

Filit 17. Herausgegeben von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen

Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

Verbrecher Verlag, Berlin 2018

Broschur, 128 Seiten mit Abbildungen, 18 Euro

ISBN 978-3-95732-348-4

 

Hans Wintgens Filme erkunden existentielle Lebensphasen. Zusammen betrachtet erzählen sie die fiktive Biographie eines in der DDR der 1970er und 1980er Jahre lebenden Menschen: das Kindergartenalter in WENN DIE ELTERN GELD VERDIENEN (1982), die Jugend in FRANK (1990), das Erwachsen-Sein in GESCHIEDEN (1986) oder den Tod in GESPRÄCHE IN EINER STRAHLENTHERAPEUTISCHEN KLINIK (1985). Die Behutsamkeit, mit der sich Hans Wintgen diesen Themen nähert, ist eine programmatische ästhetische Haltung. Ihr Charakteristikum ist Reduktion. Sie lenkt den Zuschauer auf Sprache und Zum-Sprechen-Bringen als den inneren Kern seiner dokumentarischen Filmarbeit. Hans Wintgen, geboren 1949 in Falkenberg bei Berlin, verweigert sich der Zensur und Selbstzensur und wird zu einem Außenseiter des DDR-Films: Seine Filme verschwinden in den Archiven, sein Filmwerk bleibt, wie der Regisseur selbst, unsichtbar. Zu entdecken sind Filme, die im Leben des Einzelnen einen wahrhaften Blick auf das Ganze suchen. In ihrem Text folgt Anne Barnert dem Gedanken, Filme in einem grundlegenden Sinn als Zeugnisse und Quellen der Zeitgeschichte zu begreifen.

Nach oben