Rolf Aurich

Die Degeto und der Staat

Kulturfilm und Fernsehen zwischen Weimar und Bonn

Band 2 der Schriftenreihe „„Fernsehen. Geschichte. Ästhetik“, herausgegeben von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen und der Akademie der Künste, Berlin

Edition Text + Kritik, München 2018

252 Seiten, 29 Euro

ISBN 978-3-86916-605-6

 

1929 wurde die Deutsche Gesellschaft für Ton und Bild e. V. „Degeto“ gegründet. Sie machte es sich zur Aufgabe, alle künstlerischen, bildenden und wissenschaftlichen Werke des Films zu fördern. Ihre Gründungsvertreter, darunter das Preußische Kultusministerium und die Tobis, einte nicht zuletzt das Bestreben, Kultur, Bildung und Wissen mithilfe des Tonkulturfilms auch in die sogenannte Provinz zu bringen. Mit Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten wurde die Mittlerfunktion der Degeto erschwert. Schlussendlich interessierte sich 1935 der Deutsche Fernseh-Rundfunk für ihre Filmkopien. Eine 1937 neu gegründete Degeto-Kulturfilm GmbH unter dem Dach der Tobis wandte sich dem Filmverleih und -verkauf zu – in allen Formaten, vom 35 mm Normalfilm bis zum 8 mm Schmalfilm. Sie war Teil der NS-Filmpropaganda. Bei Kriegsende 1945 gehörte die Gesellschaft zu dem unter Treuhandschaft stehenden Ufa-Vermögen.

Als zentrale Figur der Degeto bis dahin muss der politisch anschmiegsame Johannes Eckardt gesehen werden, nach dem Krieg Präsident des Verbandes der deutschen Filmclubs. Kulturfilme wurden auch vom westdeutschen Nachkriegsfernsehen gesendet, über entsprechende Filmrechte verfügte die Degeto. Nach wirtschaftsrechtlichen Modifikationen entwickelte sie sich in den späten 1950er Jahren zur zentralen Programmbeschaffungseinrichtung der ARD, wo sie wieder die Rolle als Vermittlerin kultureller Werte einnahm.

Eine aktenbasierte Firmenstudie über mehr als 30 Jahre Kulturfilm, Politik, Zeitgeschichte und Fernsehen.

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