70.000 Jahre wie ein Tag

Alexander Kluges aktuelle Fernseharbeiten
Filme, dazu eine Installation – verwunschenes Gelände

3. April 2014 bis 27. Juli 2014

Im Bereich Fernsehen/Programmgalerie/Zeittunnel/Spiegelsaal der Ständigen Ausstellung

Gegenwärtig befasst sich Alexander Kluge mit der Zivilisationsgeschichte der Menschheit. „70.000 Jahre wie ein Tag“ – so lautet der Titel dieses Work in Progress. Dazu hat er zahlreiche Gespräche geführt – mit Paläobiologen, Verhaltensforschern, Sprachwissenschaftlern, Bioakustikern, mit jenen Forschern, die der Geschichte der Menschheit auf der Spur sind. Eine Unternehmung ähnlich den Erzählungen aus 1.001 Nacht, voller Spannung, von wissenschaftlicher Neugier getrieben, farbig erzählt, bestimmt von der Genauigkeit der Fakten und fabelhaften Theorien, die Weltentüren öffnen.
Kluge, der Fragende, verdichtet, spitzt zu und nimmt so seine Zuschauer mit auf eine Reise durch die Menschheitsgeschichte nach der Apokalypse.

Diese aktuellen Fernseharbeiten bilden vorläufig eine Art Schlussstein in der Fernseharbeit Kluges, seit dem Start seiner TV-Plattform dctp im Jahre 1987. Ausgreifend wie stets, in unterschiedlichste Richtungen sich wendend, bündeln diese aktuellen Gespräche nicht nur seine Denkansätze und Weltanschauung – das tun sie auch; vielmehr noch führen die jetzigen TV-Arbeiten das Publikum über Kluges Œuvre hinaus (und notabene natürlich dabei zugleich wie unter der Hand noch einmal hinein ins Zentrum dieser Welt- und Geschichtsbetrachtung). In der „digitalen Welt“ lenkt er den Blick auf deren analoge Voraussetzungen und Ursprünge – im Medium Fernsehen, das eben manchmal, es muss nur herausgefordert werden, großartig und augenöffnend sein kann. Erinnerungsarbeit im analogen Raum als eine mögliche Zukunftsoption.

In der Programmgalerie des Museums für Film und Fernsehen können ausgewählte Gespräche dieser Serie angeschaut und mitgehört werden. Dazu ein verwunschenes Gelände der Filmgeschichte: Eine Installation stellte dem Klugeschen Kosmos besondere Exponate aus dem Archiv der Deutschen Kinemathek zur Seite und gegenüber, Objekte, die ursprünglich für ganz andere fiktionale Erzählungen hergestellt und eingesetzt wurden. So mag die Fiktion der Fiktion einer Realität letztlich zu einem mehrfach gebrochenen und doch intakten Realismus führen. Denn die Bildwerfermaschine der letzten gut einhundert Jahre ist nur ein Lächeln in der Geschichte einer ewigen kinematografischen Bewegung der Menschheitsgeschichte.

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