Friedrich Wilhelm Murnau. Ein Melancholiker des Films

1888–1919

Rundgang

 

Friedrich Wilhelm Murnau, eigentlich Friedrich Wilhelm Plumpe, wird am 28. Dezember 1888 in Bielefeld geboren. Der Vater ist der Tuchfabrikant Heinrich Plumpe, die Mutter dessen zweite Frau Ottilie, eine ehemalige Lehrerin. Murnau hat zwei Brüder, Robert und Bernhard, sowie zwei Stiefschwestern, Ida und Anna. 1891/92 zieht die Familie von Bielefeld nach Kassel. Nach dem Abitur immatrikuliert sich Murnau zum Sommersemester 1907 in Berlin, wechselt aber bald nach Heidelberg.

Murnau studiert deutsche und französische Philologie, hört Vorlesungen in Kunstgeschichte. Der Kommilitone Hans Ehrenbaum-Degele, Sohn eines vermögenden Berliner Bankiers, wird sein intimster Freund. Durch Ehrenbaum-Degele, der in Herwarth Waldens Der Sturm, einer Wochenschrift für Kultur und Künste, seine ersten Gedichte veröffentlicht, lernt Murnau die Berliner Bohème kennen. Eine Künstlerfreundschaft verbindet ihn und Ehrenbaum-Degele mit der Schriftstellerin Else Lasker-Schüler. Murnaus Leidenschaft gilt dem Theater. Bei einer Studentenaufführung in Heidelberg soll Max Reinhardt im Publikum gesessen und Murnau eingeladen haben, an seine Schauspielschule nach Berlin zu kommen: Ab 1912 gehört er zum Ensemble des Deutschen Theaters.

Der Erste Weltkrieg beendet Murnaus Theaterkarriere. 1914 wird er eingezogen und ist nach einem Einsatz an der Westfront ab 1915 Kompanieführer in Lettland. Sein Freund Hans Ehrenbaum-Degele fällt 1915 an der russischen Front. 1917 kommt Murnau zur Luftwaffe, ist als Funker und Beobachter wieder an der Westfront im Einsatz. Ab 1918 ist er in der Schweiz interniert, dort verfasst er sein erstes Filmskript. Im Frühjahr 1919 kehrt Murnau nach Berlin zurück. Mary Ehrenbaum, die Mutter seines gefallenen Freundes, nimmt ihn in ihrer Villa in Berlin-Grunewald auf.

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