Hausprogramme

Im Schriftgutarchiv der Deutschen Kinemathek gibt es aktuell Hausprogramme zu mehr als 3.000 Filmen (Stand 08/2013). Sie werden in einer Sonderablage archiviert und sind geordnet nach Ort, Name des Kinos und den darin erwähnten Filmtiteln. Hausprogramme aus der jüngeren Vergangenheit sind über den Bibliothekskatalog unter dem Suchbegriff „Filmtheaterprogramme“ recherchierbar.

Hausprogramme, auch Kinoprogramme, Filmtheaterprogramme oder Programmzettel genannt, kennt auch heute noch jeder Kinobesucher. Im Foyer vieler Kinos liegen diese – meist kleinformatigen – Hefte oder Flyer aus. Sie informieren über das aktuelle und künftige Programm und enthalten Kurzinformationen zu einzelnen Filmen.
Bereits im frühen 20. Jahrhundert warben die Betreiber von Wanderkinos mit Programmzetteln. Häufig wurden hierzu Formblätter benutzt, die jeweils für die unterschiedlichen Veranstaltungsorte ausgefüllt werden konnten.

Mit dem Entstehen fester Häuser als Abspielstätten für Filme entwickelten sich auch speziell gestaltete Hausprogramme. Das älteste Programm im Schriftgutarchiv der Deutschen Kinemathek stammt aus Wien. Das Programm des Elektro-Theaters „American Bioscope“ aus dem Januar 1910 ist eines von 22 im Archiv erhaltenen Programmen, die dieses Kino in den Jahren 1910 und 1911 veröffentlichte.

Aus dem Mai 1912 stammt eines der ältesten in Berlin erschienenen Hausprogramme im Archiv der Deutschen Kinemathek; es wurde von den Charlottenburger Germania-Lichtspielen herausgegeben. Auf dem Spielplan stehen neben der Vorführung mehrerer kurzer Filme auch Musikdarbietungen des Großen Theater-Orchesters unter der Leitung des Kapellmeisters M. Boedeker.

Mit zunehmender Länge der Spielfilme veränderte sich auch die Programmfolge: Der Hauptfilm stand im Mittelpunkt des Abends, eingeleitet wurde er durch ein Beiprogramm, das jeweils aus Wochenschau und Vorfilm bestand. In großen Kinos gab es als Begleitprogramm auch Bühnenauftritte von Musikern oder Artisten – die sogenannte Bühnenschau.

Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden funktionsfähige Kinos in Deutschland wieder eröffnet. Auf dem Programm standen in den ersten Jahren vor allem Filme aus der damaligen UdSSR, den USA, Frankreich und Großbritannien. Einfache kleine Programmhefte informierten das Publikum.

Nicht jedes Kino konnte oder wollte sich eigene Hausprogramme leisten. Häufig wurden stattdessen die in Werberatschlägen angebotenen Handzettel genutzt: Ein Aufdruck oder auch nur ein einfacher Stempel informierten über Ort und Zeit der Aufführungen.

Gebräuchlich war auch die Nutzung von Zeitschriften, auf deren Titelseiten für einzelne Kinos geworben werden konnte.

Betreiber von Kinoketten wie Universum-Film AG (Ufa) und Phoebus-Film AG brachten jeweils eigene Programmzeitschriften heraus, in denen neben einem allgemeinen Teil auch das Programm einzelner Kinos abgedruckt war.

Hausprogramme informieren nicht nur über die Programmplanung von Kinos und die dort gezeigten Filme. In vielen Programmen sind auch die Namen des jeweiligen Kinodirektors und des Kapellmeisters genannt. In den Angaben zur Bühnenschau finden sich die Namen zahlreicher zeitgenössischer Künstler.

Wie in vielen historischen Dokumenten spiegeln sich auch in Hausprogrammen Ereignisse der Geschichte. So zeigt beispielsweise ein Programm der Berliner Marmorhaus-Lichtspiele aus der Zeit des Ersten Weltkriegs eine vollständige Ausrichtung auf Kriegsthemen.

Gelegentlich enthalten die Programme auch Informationen über das Kino selbst, seine Ausstattung oder seine Geschichte.

Zahlreich vertreten sind in Hausprogrammen von Anfang an auch Werbeanzeigen von Restaurants und Geschäften in der näheren Umgebung des Kinos.

In der Regel sind Hausprogramme schlicht gestaltet, manche Kinos versuchten aber auch, durch grafische Darstellungen auf den Titelblättern die Aufmerksamkeit der Leser zu erregen.

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